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Splitboarder vor einem Hang

Simon Welebil

Splitboarding: Earn your turns

Das Splitboard Camp in der Tiroler Kelchsau liefert zwei Erkenntnisse: Im Tiefschnee will man einfach ein Snowboard unter den Füßen haben und die schönsten Schwünge sind jene, die man sich davor mit einem Aufstieg selbst verdient hat.

Von Simon Welebil

Vor über 20 Jahren, an der Grenze zwischen Kind und Teenager, hab ich begonnen, mit dem Snowboard auf Tour zu gehen, anfangs mit Schneeschuhen, später mit Kurzski zum Zusammenklappen, das Snowboard immer auf dem Rücken. Damals war es mir das wert. Als Snowboarder*in war man auf abgelegenen Gipfeln ein totaler Exot. Dafür bin ich steile Rinnen gefahren, in die sich nur alle paar Jahre Schifahrer*innen hineingewagt haben.

Doch dann sind auf einmal die Schi richtig breit geworden, sodass man das Wedeln hinter sich lassen und ebenfalls lange Schwünge ziehen konnte. Dazu der Komfort beim Aufstieg, der Wechsel ins Lager der Schifahrer*innen war für mich zumindest beim Tourengehen einfach zu verführerisch.

Splitboard Camp Kelchsau

Simon Welebil

Gerwin Andreas und Markus Moser vor der Neuen Bamberger Hütte

„Wir sind Vollblut-Snowboarder“

Markus Moser aus Söll in Tirol und Gerwin Andreas aus Salzburg haben so einen Wechsel natürlich nie vollzogen. Sie sind laut eigener Aussage „Vollblut-Snowboarder“ und haben sich ihre Tourenträume mit Splitboards erfüllt, der Länge nach geteilten Snowboards, die beim Aufstieg wie Schi benutzt und erst für die Abfahrt wieder zusammengesetzt werden. Markus und Gerwin haben die Ausbildung zum Snowboardführer absolviert und bieten seit vier Jahren Splitboard-Camps an, weil ihnen die Arbeit in der Schischule keinen Spaß mehr gemacht hat.

Die ersten Camps haben sie mit sehr wenigen Teilnehmer*innen gestartet, mittlerweile sind alle ihre sieben Camps in Österreich ausgebucht. Splitboarden habe in den letzten Jahren sehr stark zugelegt, sagt Markus, der auch von einigen Skitourengeher*innen erzählt, die wieder zurück aufs Snowboard gewechselt sind, weil sich das Splitboardmaterial in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt hat.

„Wenn man einmal ein richtiger Snowboarder gewesen ist, wünscht man sich schon ein Snowboard unter den Füßen beim Runterfahren.“
Snowboardguide Markus

Splitboardcamps bieten sie grundsätzlich für alle Erfahrungsstufen an, vom Beginner bis zum Pro. Die einzigen Voraussetzungen der Camps sind Fitness für den Aufstieg und Tiefschneeerfahrung, um auch die Abfahrten voll auskosten zu können.

Der Reiz des Neuen

Beim Advanced Camp in der Tiroler Kelchsau sind insgesamt 12 Snowboarder*innen dabei, die meisten aus Deutschland, aber auch Teilnehmer*innen aus Österreich, ein Engländer und sogar ein Snowboarder aus Irland ist mit dabei, um sich von den Gerwin und Markus auf die Gipfel rund um die Neue Bamberger Hütte im Kurzen Grund führen zu lassen. Manche von ihnen sind zum ersten Mal auf einem Camp, andere sind Wiederholungstäter, einer hat heuer sogar fünf Camps bei den beiden gebucht.

Splitboard Camp Kelchsau

Simon Welebil

Ihre Motivation, bei diesem Camp dabei zu sein, ist dabei sehr unterschiedlich. Für die einen zählt das Erlebnis eines winterlichen Wochenendes auf einer Berghütte, andere wollen sich nicht um Tourenplanung kümmern müssen, sondern das den Profis überlassen, wieder anderen geht es um den Erfahrungsaustausch mit anderen Splitboarder*innen, weil sie selbst sonst nur mit Skifahrer*innen unterwegs sind und vielen geht es darum, ein neues Gebiet kennenzulernen.

Markus und Gerwin halten ihre Splitboardcamps absichtlich in eher unbekannteren Tourengebiete in Tirol und Salzburg ab, auf der Kemater Alm etwa, der Weidener Hütte, im Gasteinertal oder eben hier in der Kelchsau. Freeride Hotspots wie das Zillertal oder den Arlberg lassen sie links liegen, um den Powderstress zu vermeiden, die rücksichtslose Jagd nach der „First Line“ vom Skigebiet aus.

Splitboard Camp Kelchsau

Simon Welebil

Ankunft auf der Hütte bei Einbruch der Dunkelheit

Das komplette Bergerlebnis im Vordergrund

Natürlich wird auch bei ihnen frischer Pulverschnee gesucht, aber insgesamt steht das ganze Bergerlebnis im Vordergrund. Das beginnt mit dem Aufstieg zur Neuen Bamberger Hütte am späten Freitagnachmittag, die erst bei Einbruch der Dunkelheit erreicht wird, und setzt sich nach dem Abendessen mit der gemeinsamen Tourenplanung fort.

Splitboard Camp Kelchsau

Simon Welebil

Tourenplanung in der warmen Stube

Die Splitboard Camps sind nicht primär auf Ausbildung ausgelegt, d.h. Lawinenkunde und Tourenplanung laufen eher nebenher mit, aber natürlich geben die Guides ihr Wissen weiter: Wie man am besten eine Spur anlegt, was Windzeichen über Lawinengefahr verraten etc.

Earn your turns

Der Tristkopf wird schließlich für den Samstag als Tour ausgewählt, ein Gipfel ganz im Talschluss des Kurzen Grundes, an der Grenze von Tirol und Salzburg. Etwa 600 Höhenmeter geht es von der Neuen Bamberger Hütte bis auf den Gipfel. Beim Aufstieg hat das Splitboard noch immer Nachteile gegenüber Tourenschiern, weil man einfach nicht so viel Druck auf die Kanten ausüben kann, was vor allem bei Hangquerungen lästig ist, aber die Guides versuchen das durch eine gute Routenwahl wieder wettzumachen.

Splitboardcamp in der Kelchsau - Menschen mit Splitboards auf Bergen

Simon Welebil

Bei schwierigen Bedingungen, durch Schneefall und Wind am Vortag, geht es recht langsam voran, doch nach etwa drei Stunden sind alle oben angekommen, manche auf ihrem ersten Gipfel, und genießen den Ausblick auf die Dreitausender weiter südlich, den Großvenediger, Gabler, Reichenspitze.

Check your risk

Die Abfahrt soll über die Nordseite erfolgen, eine Bowl, die sich in zwei Rinnen aufteilt und dann über einen flachen Boden ausläuft, zumindest, wenn der Schnee es zulässt. Zur Einschätzung des Hanges gräbt Gerwin tief in die Schneedecke und führt einen Stabilitätstest durch.

Splitboardcamp in der Kelchsau - Menschen mit Splitboards auf Bergen

Simon Welebil

Der liefert uns das Go für die Abfahrt. Wir sind die ersten, die an diesem Tag abfahren. und können den Hang in ganzer Breite verspuren. Und dabei zeigt sich: Auch nach mehrjähriger Snowboard-Abstinenz kann kein noch so breiter Tourenski das Abfahrtserlebnis mit einem Powderboard aufwiegen. Das Board schwebt auf der Schneedecke, jeder einzelne Schwung fällt leicht und wenn auf beiden Seiten der Schnee wegspritzt setzt das jede Menge Glücksgefühle frei.

Splitboardcamp in der Kelchsau - Menschen mit Splitboards auf Bergen

Simon Welebil

Der Tristkopf, schwer gezeichnet von Powderboards

Ein Brett, a gfiariga Schnee...

Noch einmal soll es an diesem Tag nach oben gehen, um in einen weiteren unverspurten Hang tiefe Linien zu ziehen. Mit dem aktuellen Splitboard-Material braucht niemand jammern, dass es noch einmal zum Umbauen und Auffellen kommt, beim Komfort hat man sich den Tourenschi angenähert. In der reinen Splitboard-Gruppe ist die Spur optimal angelegt und beim Gehtempo kommen alle mit. Da werden schon am ersten Tag nahezu alle Erwartungen an das Splitboardcamp erfüllt. Selbst in diesem recht schneearmen Winter kann man Pulverabfahrten finden, und die sind umso schöner, wenn man sie sich selbst erarbeitet hat.

Splitboardcamp in der Kelchsau - Menschen mit Splitboards auf Bergen

Simon Welebil

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