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Collage mit Clemens Millauer, Valentina Höll und Jakob Schubert

Clemens Millauer/Bartek Wolinski/Red Bull Content Pool/Jakob Schubert

Was bedeuten die Coronavirus-Maßnahmen für Profi-Sportler*innen?

Professionelle Sportler*innen kämpfen mit der Absage von einzelnen Wettbewerben bis zur ganzen Saison - und für ihr Training müssen sie wegen den Ausgangssperren ganz neue Möglichkeiten finden. Snowboarder Clemens Millauer, Mountainbike-Downhillerin Valentina Höll und Kletterer Jakob Schubert schildern, wie es ihnen mit der aktuellen Situation geht.

Von Simon Welebil

Nur der Wetterbericht erinnert uns in diesen Tagen noch an den Winter, in den meisten Köpfen ist er schon vorbei. In einem normalen Jahr hätten im März und April noch einige Highlights für Snowboard- und Freeski-Profis stattgefunden: Spring Shredden ist laut Österreichs bestem Contest Rider Clemens Millauer „allerschönstes Snowboarden“, weil der Weltcup vorbei ist und man ohne Druck fahren kann. Viele Snowparks erreichen erst im Frühling ihre größten Ausmaße und besonders auf den Gletschern werden dann unter großer Sponsorenmithilfe die größten Kicker gebaut.

Frühling ist auch die letzte Zeit, an denen Filmprojekte und Videoparts abgedreht werden, für die Filme, die nächsten Herbst rauskommen werden, müssen so eben die Bilder aus dem heurigen Hochwinter reichen.

Im Snowboarden wird der Herbst entscheidend

Für Clemens Millauer persönlich hat das frühzeitige Saisonende keine großen finanziellen Konsequenzen. Er fährt durchaus für große Sponsoren, und seine Verträge haben mehrjährige Laufzeiten. Für Rider*innen, die bei kleineren Firmen unter Vertrag sind, schaut’s da ganz anders aus, und auch die ganze Wirtschaft im Snowboard-Bereich, von Schigebieten bis zur Industrie wird leiden. Heuer ist sie noch mit einem blauen Auge davongekommen, da sie die meisten Umsätze im Herbst generiert, aber spätestens nächstes Jahr werden Einbrüche kommen, da ist sich Clemens sicher, die sich dann auch in den Budgets für Rider*innen und Filmer*innen niederschlagen werden.

Ganz aufgeben will Clemens Millauer die Saison übrigens noch nicht. Er hofft noch drauf, dass zumindest die Ausgangssperren bald gelockert werden könnte und er zumindest noch eine Splitboard-Tour gehen kann, eine Tube oder ein Rail aufstellen und das mit Freunden shredden kann, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.

Um dafür gerüstet zu sein, nützt er seine Tiefgarage aus, um darin skaten zu gehen. Außerdem macht er jeden Tag ein Workout und versucht am Abend beim Fernsehen ein bisschen nebenbei zu dehnen.

Totale Unsicherheit bei den Downhiller*innen

Für Valentina „Vali“ Höll, die in den letzten beiden Jahren die Juniors-Kategorie im Downhill-Weltcup dominiert hat, hätte schon letzte Woche ihr erster Weltcup-Start bei den Elite-Damen stattfinden sollen. Doch das Rennen in Portugal wurde fünf Tage vorher abgesagt. „Wir wären schon alle ready gewesen und on fire“, sagt die 18-jährige Saalbacherin. Jetzt sind alle im Downhill-Zirkus nervös, weil sie nicht wissen, wie sie weiter trainieren sollen.

Alle Rennen, die ursprünglich für Mai und Anfang Juni angesetzt wurden, sind bereits verschoben oder ganz abgesagt worden, aber zur Zeit kann natürlich niemand selbst für August oder September Prognosen abgeben, ob gefahren werden kann - und falls ja, ob die Athlet*innen auch wieder zu den Wettkampforten kommen werden.

Im Moment macht Vali Training zu Hause nach Anleitung durch ihren Coach, aber das ist gar nicht so einfach: „Ich versuche zurzeit, dass ich Gewichte im Internet zusammenkaufe, aber es ist Wahnsinn, es ist alles ausverkauft – das ist so schlimm“, sagt Vali. Als Radprofi hat sie natürlich auch ein Ergometer zuhause stehen, aber sie geht auch nach draußen fahren, weil sie ihre Fahrtechnik nicht verlieren will und ist dafür allein im Wald unterwegs.

Zumindest die Heimweltmeisterschaft in Leogang im September würde sie gerne fahren, wenn ihr da nicht die Matura dazwischen kommt. Das hatte sie anfangs befürchtet, momentan sieht’s so aus, dass die noch vor dem Sommer stattfinden kann. Einer nach Eigenaussage „extrem faulen Schülerin“ wie ihr, kommt das Homeschooling im Moment allerdings alles andere als entgegen, aber zumindest muss sie ihre vorwissenschaftliche Arbeit nicht mehr präsentieren, „das heißt, es ist eh schon ganz schön chillig geworden für uns.“

Kletterer brauchen neue Ziele

Bei Kletterer Jakob Schubert ist bereits jetzt klar, dass sich das ganz große Highlight diesen Sommer nicht mehr ausgehen wird. Die Olympischen Spiele in Tokyo und damit die Olympische Premiere des Sportkletterns sollen erst 2021 nachgeholt werden. Im ersten Moment ist er deshalb ein wenig enttäuscht gewesen, weil er sich seit Jahren auf diesen Wettkampf vorbereitet und sich auf gutem Weg dorthin gesehen hat. Die Verschiebung sieht er dennoch als einzig richtige Entscheidung, nicht nur wegen den großen Unsicherheiten, wie sich die Lage in den nächsten Wochen entwickeln würde, sondern auch, weil viele Athlet*innen im Moment unter Quarantäne nicht so trainieren könnten, wie sie wollten, und es deshalb auch keine fairen Olympischen Spiele geworden wären.

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It‘s official, the Olympic Games in Tokyo will be postponed to next year. Although the news are not unexpected I‘m quite disappointed nevertheless. I was ready to give my all this summer and felt on the perfect track to do so. But the circumstances are dramatic and I fully support the IOC‘s decision, the Games wouldn’t have been very fair this summer and who knows if they would have been safe.. My focus will switch to Worldcups for this season and I guess there will be more time for rockclimbing as well 💪 • • Mit der Verschiebung der Olympischen Spiele auf 2021 ist mit einem Schlag mein Hauptziel für dieses Jahr verloren gegangen. Sicher bin ich enttäuscht, doch die Entscheidung kommt nicht überraschend und die aktuelle Situation auf der Welt lässt keine andere Entscheidung zu. Ich hatte mich auf dieses große Event im Sommer schon gefreut, habe auch das Gefühl, dass ich richtig gut vorbereitet gewesen wäre bzw. auf einem guten Weg dorthin. Natürlich weiß man nicht, was in 1 ½ Jahren passiert und es ist auch schwierig plötzlich alle drei Disziplinen ein weiteres Jahr zu trainieren, aber im Endeffekt klettere ich schon sehr viele Jahre auf einem hohen Niveau und hab das Ziel, das auch noch einige Jahre so weiterzumachen. Deswegen bin ich zuversichtlich, dass ich nächstes Jahr genau so um die Goldmedaille mitkämpfe. Jetzt hab ich ein Jahr mehr Zeit um in der besten Form meines Lebens zu sein 💪😉 • Photo by Elias Holzknecht • #tokyo2020 #coronacrisis #climbing @mammut_swiss1862 @raiffeisen @lasportivagram @innsbrucktourism @heeressportzentrum @gloryfy @thecrag_worldwide @sporthilfe.at @austriaclimbing

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Jakob selbst muss sich im Training momentan auf ein paar wenige Sachen beschränken, weil er weder zu einer Kletterwand, noch zum Klettern im Freien kommt. In seinem relativ großen Garten hat er sich allerdings ganz gut eingerichtet, mit einem Fingerboard, und ansonsten macht er viele Übungen zum Mobilisieren und Dehnen.

Der österreichische Kletterverband hat auf die neue Situation auch schnell reagiert und dessen Trainer*innen bieten fünfmal die Woche Training über einen Youtube-Livestream an, dass doch noch ein Gefühl eines gemeinsamen Trainings in der Gruppe bleibt.

Um sich im Training überhaupt motivieren zu können, hat sich Jakob schon ein neues Ziel gesetzt. Er will sich auf den Gesamtweltcup konzentrieren, wobei natürlich die Frage im Raum steht, wieviele Wettkämpfe heuer überhaupt stattfinden können. Die gesamte Bouldersaison sollte jetzt schon in vollem Lauf sein, der Internationale Kletterverband will sie im Herbst nachholen. Dass er dieses Jahr überhaupt noch einmal vor Publikum klettern kann, ist für Jakob, der für den Wettkampf lebt, zumindest ein großer Wunsch.

Falls der nicht in Erfüllung gehen sollte, will er sonst aufs Felsklettern setzen und sich dort schwere Ziele suchen, „sofern wir halt wieder außer Haus dürfen und zu irgendeinem Felsen fahren.“

In der aktuellen Situation steht für Jakob Schubert aber der Sport ohnehin nur an zweiter Stelle: „Ich glaube das Wichtigste ist, dass wir alle gut zusammenhalten, uns an die Vorschriften halten, um den Virus so schnell wie möglich loszuwerden und die Menschen davor zu schützen.“

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