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Ludum Dare

Ludum Dare

Gemeinsam Games entwickeln - trotz Social Distancing

Am Wochenende geht online wieder die renommierte Game Jam-Veranstaltung Ludum Dare über die virtuelle Bühne. Wir haben mit einem Hobbyspieleentwickler gesprochen, der seit einigen Jahren mitmacht und darüber auch aufwendige Dokumentationsvideos produziert.

Von Robert Glashüttner

Die Gamesbranche ist von der Coronakrise weitaus weniger betroffen als andere Branchen (FM4 hat berichtet), dennoch ist etwa der Ausfall von Fachkonferenzen an physischen Orten ein spürbarer Einschnitt.

Was derzeit ebenfalls nicht möglich ist, sind Game Jams, bei denen man sich mit Gleichgesinnten meist ein Wochenende lang an einem Ort trifft und in einer Marathonsession fiebrig an einem kleinen Game tüftelt und bastelt. Game Jams sind nicht nur ein sehr kommunikativ, kreativ und inspirierend, sondern oft auch innovativer Impulsgeber für die Industrie. Bekannte Titel wie etwa der zeitbasierte Shooter „Superhot“, der teuflische Hacker-Thriller „Pony Island“ oder das österreichische Adventure „The Lion’s Song“ sind ursprünglich bei Game Jams entstanden, bevor sie später professionell ausproduziert worden sind.

Jam at home, baby!

Doch nicht alle Game Jams finden an physischen Orten statt. Die bekannteste Game Jam-Reihe, die stets online über die Bühne geht, ist Ludum Dare. Bereits seit 2002 finden dazu jährlich bis zu drei Veranstaltungen statt - immer unkommerziell und von der Community betrieben. Die grundsätzlichen Regeln von Ludum Dare sind ähnlich wie bei anderen Game Jams auch: Es geht darum, innerhalb eines Zeitraums (48 bzw. 72 Stunden) alleine oder in einem kleinen Team ein Game zu konzipieren und zu entwickeln. Um etwas Orientierung zu bieten, gibt es immer auch ein Thema, an das man sich zwar nicht halten muss, aber das man zumindest in der einen oder anderen Form ins jeweilige Spiel integrieren sollte.

Ludum Dare-Logo

Ludum Dare

Einer, den man guten Gewissens als Ludum Dare-Veteranen bezeichnen kann, ist der Salzburger Colorist und Hobbyspieleentwickler Phil Strahl alias Pixel Prophecy. Er ist bereits seit August 2015 (Ludum Dare 33) jedes Mal mit von der Partie. Doch Phil nimmt nicht nur bloß an den Game Jams als Soloentwickler teil. Der viel größere Aufwand als das fiebrige Basteln an einem Game innerhalb von 48 Stunden ist für ihn das äußerst aufwendige Dokumentationsvideo, das er anschließend über seinen persönlichen Spieleentwicklungsprozess produziert. Da fließen schon mal bis zu 400 Stunden Arbeitsaufwand hinein.

Tools für alle!

Phil empfiehlt für Einsteiger*innen etwa die Game-Engines Twine oder Godot. Freie Grafiken findet man auf OpenGameArt.org, freie Sounds auf FreeSound.com.

Phil Strahls Youtube-Kanal ist ein reichhaltiges Füllhorn an sowohl unterhaltsamen als auch informativen Videos zum Thema Computerspielentwicklung, das man in so einer Form sehr selten findet. An Spielen zu arbeiten ist an sich schon eine ziemliche Herausforderung. Darüber dann auch noch professionelle, detailreiche Videos zu produzieren, ist nochmal ein ganz anderes Level. Sowohl interessierte Laien als auch Profis gewinnen hier inspirierende Einblicke, zumal Hobbyentwickler*innen es selten auf sich nehmen, ihre Arbeitsprozesse zu dokumentieren.

Banner vom Youtube-Kanal "Pixel Prophecy"

Phil Strahl

Phil und einige seiner Alter Egos aus diversen Videoszenen

Neben den umfangreichen Ludum Dare-Videos gibt es auch Technik-Tutorials, Game-Reviews oder Making-Ofs von diversen visuellen Effekten, die in Videos zur Anwendung gekommen sind, sowie Szenen, die Phil in liebevoller Kleinarbeit vorbereitet - etwa jene, bei der er das Arbeitsleben im Nintendo Headquarter in Kyoto Mitte der 1980er Jahre inszeniert.

Für uns anderen genügt es aber, wenn wir mal selbst mitjammen oder uns an den vielen Jam-Games laben. Die Teilnahme bei Ludum Dare ist gratis, jede und jeder, die oder der mitmacht, gibt keinerlei Urheberrechte ab und alle Games sind anschließend frei verfügbar. Reinschauen zahlt sich aus, denn viele Spiele sind kurze Erlebnisse, die man sich auch zwischendurch gut ansehen kann. Besonders erfreulich ist bei Game Jam-Games immer die Vielfalt der Themen, Zugänge und Spielmechaniken.

Übrigens: Ein guter Startpunkt, um sich mit (ehemaligen) Game Jam-Spielen zu beschäftigen, ist die Steam-Kurator-Page von Ludum Dare und auch der Tag „Ludum Dare“ auf der Indie-Plattform Itch.io. Die meisten dieser Games sind weiterhin gratis spielbar oder für wenige Euros zu kaufen, mit denen man die Entwickler*innen unterstützt.

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