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DotEmu / Lizardcube / Guard Crush Games

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„Streets of Rage 4“: Die starke Rückkehr eines Prügel-Klassikers

26 lange Jahre mussten Fans des Sega-Prügel-Klassikers „Streets of Rage“ auf eine Fortsetzung der Trilogie warten. Jetzt ist es endlich soweit und „Streets of Rage 4“ ist ohne Zweifel ein würdiger Nachfolger.

Von David Riegler

1994 war die „Streets of Rage“-Trilogie komplett und zu dem Zeitpunkt bereits eine Legende für die Sega-Spielkonsole. Der 16-Bit-Pixel-Look, die treibende elektronische Musik und das simple Spielprinzip waren die Zutaten für eines der erfolgreichsten Prügelspiele seiner Zeit. Wie in den meisten Sidescroll-Beat ’em up-Spielen geht es darum, mit einigen Held*innen, die alle unterschiedliche Spezialfähigkeiten besitzen, Welt für Welt die Bösewichte zu verprügeln. Auch der vierte Teil hält sich an das alte Erfolgsrezept und lässt Gut gegen Böse kämpfen.

Das Böse hat Nachwuchs

Es ist beeindruckend, wie nahtlos die Entwicklerstudios DotEmu, Lizardcube und Guard Crush Games es geschafft haben, nach 26 Jahren Pause, an die Vorgänger anzuknüpfen. Wir befinden uns wieder in Wood Oak City, zehn Jahre nachdem wir im dritten Teil das kriminelle Supergenie Mr. X besiegt haben. Jetzt führen seine beiden Kinder, die Y-Zwillinge, das Familiengeschäft weiter und nutzen hypnotisierende elektronische Musik als Gehirnwäsche, um die Kontrolle über die Stadt zu erhalten.

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DotEmu / Lizardcube / Guard Crush Games

Als Spieler*in hat man die Wahl zwischen anfangs vier und später fünf Charakteren, die den Kampf gegen die Y-Zwillinge aufnehmen wollen. Alle spielen sich ein wenig anders, so ist Cherry Hunter mit ihrer E-Gitarre deutlich schneller, nimmt allerdings auch mehr Schaden und Floyd Iraia ist unglaublich stark, jedoch auch extrem schwerfällig. Wer seine Wahl getroffen hat, kann damit beginnen, sich in der ersten Welt von links nach rechts durchzuprügeln, mit noch sehr einfachen Gegner*innen, denn man wird langsam an die Spielweise gewöhnt. Checkpoints gibt es übrigens nicht, wer einmal verliert, muss die gesamte Stage von vorne beginnen.

Drücken, bis die Daumen wund sind

Das Gameplay ist relativ simpel. Es gibt zwar mehr Kombo-Möglichkeiten als früher, doch man kann weiterhin nicht blocken und drückt am Häufigsten die Prügel-Taste in der Hoffnung, dass die Gegner*innen nicht schneller zuschlagen als man selbst. Auch Anfänger*innen können ohne Taktik einfach drauf los prügeln und sind dabei meist ziemlich erfolgreich. Die Gegner*innen sind dabei nie langweilig, denn immer wieder taucht ein neuer Charakter auf, bei dem man nicht weiß, ob er/sie springt, kickt, boxt oder Feuer spuckt. Von Bikerinnen mit starken Schutzhelmen, Punks mit Molotow-Cocktails bis zu Karate-Meistern ist alles dabei.

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DotEmu / Lizardcube / Guard Crush Games

Wer „Streets of Rage“ noch nie gespielt hat, fragt sich an dieser Stelle vielleicht, was das Besondere an einem Game ist, das vom Aufbau so simpel ist und in dem man sich nur prügelt. Die Antwort darauf ist: Es entsteht eine unglaubliche Dynamik, die einen in das Spiel hineinsaugt. Die zwölf verschiedenen Stages, in denen man sich zehn bis zwanzig Minuten aufhält, sind mit viel Liebe zum Detail gestaltet und das Spiel ist wunderbar flüssig und flott.

Treibender Techno und handgezeichnete Comics

Dazu kommen die tollen Soundeffekte, die wie ein belohnender Paukenschlag wirken, wenn man einen Volltreffer landet. Perfekt abgerundet wird das Ganze von der treibenden elektronischen Musik im Hintergrund, die teilweise von den Original-Komponisten der ersten drei Teile geschrieben wurde, zum Beispiel Yuzo Koshiro und Motohiro Kawashima. Einige Songs sind echte Ohrwürmer und manche Stücke könnten direkt aus dem Club stammen.

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DotEmu / Lizardcube / Guard Crush Games

Der Look hat sich am stärksten geändert, denn statt der 16-Bit-Pixel-Ästhetik wurde das Spiel nun handgezeichnet und im Comic-Stil kreiert, der sehr gut zum Spiel passt. Diskussionswürdig ist natürlich, ob manche Charaktere, wie die starke Kämpferin Blaze, ein knappes Outfit mit tiefem Ausschnitt tragen müssen - doch bei allen Charakteren, die auch in den ersten drei Teilen zu sehen sind, hat man sich sehr genau an die Vorlage gehalten. Neue Charaktere tragen hingegen lässige Street Wear.

Damals war alles ein bisschen anders

Wer die Originale nicht kennt, wird sich an manche Dinge ein wenig gewöhnen müssen, zum Beispiel, dass es eben keine Checkpoints und kein Zwischenspeichern gibt und man erst in den nächsten Bereich gehen darf, wenn alle Gegener*innen erledigt sind. Logik hatte das auch damals nicht. Doch genau das macht auch den Nostalgie-Charme des Spiels aus und der wurde bewusst eingebaut, um die Original-Teile von vor 26 Jahren zu ehren. Aus demselben Grund kann man in den Einstellungen die Grafik zum Beispiel auf Retro-Look umstellen und einige altbekannte Figuren im Pixel-Stil freischalten.

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DotEmu / Lizardcube / Guard Crush Games

Doch das Spiel funktioniert auch abseits der Nostalgie-Schiene wunderbar. Vor allem das gemeinsame Erlebnis im Couch-Koop-Modus macht besonders viel Laune, denn man muss geschickt zusammenarbeiten, um sich nicht gegenseitig zu verletzen. Wer allein wohnt und wegen der aktuellen Situation niemanden einladen kann, hat auch einen Online-Modus zur Verfügung.

Knapp zwei Stunden Spielzeit im Story Modus ist auf den ersten Blick nicht viel, aber im Prügel-Genre durchaus üblich. Am wichtigsten ist, dass diese zwei Stunden dynamisch und abwechslungsreich sind. Und das sind sie ohne Zweifel, denn „Streets of Rage 4“ ist ein zeitloser Spielgenuss und lässt ein Genre hochleben, das viele schon totgeglaubt haben. Selten hat es sich so überraschend schön geprügelt.

FM4 Spielekammerl Show

Auch im FM4 Spielekammerl werden wir uns von „Streets of Rage 4“ überzeugen lassen. Conny Lee und Robert Glashüttner spielen und streamen ab 17 Uhr. Die FM4 Spielekammerl Show findet jeden Donnerstag von 17 bis 21 Uhr auf unserem Twitch-Kanal statt.

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