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Autor Edgar Allan Poe

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Edgar Allan Poe: Neue unheimliche Geschichten

Der amerikanische Schriftsteller Edgar Allan Poe prägte die Genres Kriminal- und Horrorliteratur. Seine Grusel-Ästhetik hat aber immer ein wenig von seinen Qualitäten als Poet abgelenkt. Eine neue Kurzgeschichtensammlung richtet den Fokus auf sein radikales, dichterisches Können.

Von David Pfister

Das Leben des 1809 geborenen amerikanischen Schriftstellers und Journalisten Edgar Allan Poe ist eine kolossale Aneinanderreihung extremer Schicksale. Viele selbst provoziert, viele fremdverschuldet. Als Zweijähriger wird Poe Waise. Er wird von einem wohlhabenden Ehepaar aufgenommen, auf Elite-Schulen nach England und Schottland geschickt und genießt Reichtum und gute Ausbildung sowie Erziehung. Als sein Stiefvater allerdings verstirbt, erbt der junge Poe nichts und muss über Nacht finanziell auf eigenen Beinen stehen. Das Gefühl eines gefallenen Aristokraten und der Schock der plötzlichen Mittellosigkeit sollte Poe’s Erzählungen in Zukunft wiederkehrend prägen.

"Das Elend ist mannigfaltig. Die irdische Not hat vielerlei Gestalt. Wie der Regenbogen überwölbt sie den Horizont, und ihre Farben sind, wie die seinen, so klar voneinander geschieden wie innig miteinander verwoben.“

Buchcover "Neue unheimliche Geschichten"

dtv

Edgar Allan Poe: „Neue Unheimliche Geschichten“ in der deutschen Übersetzung von Andreas Nohl ist eine Kurzgeschichtensammlung die Charles Baudelaire 1857 in Paris herausgeben hat und die den Fokus auf Poe’s fast schon philosophische Dichtkunst richtet.

Genauso wie der Verlust geliebter Frauen. Als Poe 27 Jahre alt ist, heiratet er seine dreizehnjährige Cousine Virginia. Virginia Poe verstirbt nur vierundzwanzigjährig nach langer Tuberkolosekrankheit. Das zweite große Trauma des Edgar Allan Poe welches seine Schreibkunst massiv prägen sollte. Die fragile, ätherische, verletzliche Frau ist wiederkehrendes Thema in seiner Kunst. Genauso wie sein ständiges Verweben von Tod, Vergänglichkeit, Schönheit und Jugend.

Lebensthemen & Wegbereiter

Tod und Schaden sind also die großen Lebensthemen von Edgar Allan Poe. Seinen privaten Tragödien begegnet Poe mit einer manischen Lebenssucht und einem unsteten Lebenswandel. Früh wird er Alkoholiker. Schriftstellerei ist im neunzehnten Jahrhundert noch kein Beruf von dem man erträglich leben kann und so taumelt Poe von Anstellung zu Anstellung, von Abenteuer zu Abenteuer. Er ist sogar mal Soldat. Die meiste Zeit schlägt er sich mit Redaktionsjobs für Zeitungen und Magazine durch.

In seiner journalistischen Arbeit ist auch der Grund seines skandalösen Rufs und seiner bis zur heutigen Zeit ein wenig abschätzenden Betrachtung seiner Kunst, begründet. Poe hält sich nicht mit sarkastischer Satire gegenüber etablierter damaliger Autoren zurück. Die rächen sich mit Rufschädigung und Degradierung seines Talents.

„Doch wie in der Ethik das böse eine Folge des Guten ist, so wird aus Freude Kummer geboren. Entweder ist die Erinnerung an vergangenes Glück das Leid von heute, oder die Qualen, die jetzt sind, haben ihren Ursprung in den Wonnen, die hätten sein können.“

Gerettet wurde Edgar Allan Poe’s Werk durch den französischen Lyriker und Schriftsteller Charles Baudelaire. Der übersetzt Edgar Allen Poe ab 1848 und wurde nicht müde auf die Bedeutung von Poe hinzuweisen. Auch Baudelaire gilt aufgrund seiner Radikalität als Wegbereiter einer modernen Literatur. Beide Schriftsteller brechen unbarmherzig mit den Moral- und Geschmackskonventionen ihrer Zeit. Beide bilden kompromisslos die beseelenden und lustvollen Aspekte vermeintlich unmoralischen Handelns ab. Schiebt man bei Poe sein reizvolles Spielen mit dem Übernatürlichen beiseite, bleibt eine Ehrlichkeit und Direktheit wie man sie etwa 100 Jahre später bei amerikanischen Schriftstellern wie William S. Burroughs wiederfindet.

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