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Maneater

Blindside

Menschenfresser im Meer voller Müll

Im Open-World-Spiel „Maneater“ frisst sich eine rabiat mutierende Hai-Dame durch allerlei Meeres- und Strandbewohner.

Von Rainer Sigl

Ich bin der Schrecken der Meere, lautlos, tödlich und eine endlos hungrige Fressmaschine, mit reihenweise scharfen Zähnen und einer dreieckigen Rückenflosse, deren Anblick schon von weitem für Panik am Strand sorgt. Und ich bin ein Menschenfresser: Im Videospiel „Maneater“ steuere ich ein wirkliches Monster durchs Meer, einen riesigen Bullenhai, der ebenso blutrünstig wie stark ist.

Zu Spielbeginn bin ich noch ein Baby, dessen Mama vom bösen Oberjäger getötet wurde, doch schnell wachse ich zum mächtigen Monster mit Rachegelüst heran. Kleine Boote versenke ich dann bald per Schwanzschlag und ich fresse alles, was mir vor die Schnauze kommt: Schildkröten, Alligatoren, andere Fische und natürlich Menschen. Menschen, die schwimmen, Menschen, die an Bord ihrer Boote angeln und sogar Sonnenanbeter am Strand - denn mit ein paar beherzten Sprüngen an Land verbreite ich auch auf dem Trockenen Angst und Schrecken. Der „Weiße Hai“ aus dem Horrorfilmklassiker war gegen mich ein sanftmütiger Vegetarier.

Cartoon-Splatter mit Doku-Charme

Dass „Maneater“ mit echten Haien aber so gar nichts zu tun hat, wird ziemlich schnell klar, stattdessen ist das Open-World-Spiel mit der tierischen Hauptfigur eine böse und sehr blutige Satire. Die Menschen, die meine Hai-Dame hier reihenweise frisst, sind Mafiosi und üble Umweltverschmutzer, mein Lebensraum ist von haufenweise Abfall, Industrieabwässern und sogar einer noch strahlenden Atomkraftwerksruine heillos vermüllt und die gern übergewichtigen Schwimmer sind Karikaturen westlicher Konsumdeppen, die durch ihr gedankenloses Freizeitverhalten den natürlichen Lebensraum Ozean zerstören.

Fresse ich genug von ihnen, werden Jäger auf Jetskis und Booten auf mich aufmerksam, die mich mit Schusswaffen und Dynamit verfolgen; wenn ich diese Fußtruppen dezimiere, macht ein knappes Dutzend von besonders starken und cartoonhaften Bösewichten Jagd auf mich. Unterlegt ist das Ganze von den Kommentaren eines Erzählers aus dem Off: Der unterhält mit absurden und zum Teil bitterbösen Wortspenden im Stil von Naturdokus oder Reality-TV.

Maneater

Blindside

Wer genug frisst, darf zum bizarren Monsterhai mutieren.

Spaß mit Längen

Was lustig und überdreht beginnt, wird leider nach einiger Zeit ein etwas seichtes Vergnügen, denn die immer wiederkehrenden und sich stark ähnelnden Missionen der Marke „Friss 15 Menschen“ lassen auf Dauer Abwechslung vermissen. Ich darf zwar meinen Hai mit zusätzlichen Evolutionssprüngen stärker und schneller machen, doch viel ändert sich dadurch nicht. Der Kampf gegen die prominenten Hai-Jäger wird schneller als gedacht zur Routine - schade.

„Maneater“ von Blindside Interactive, vertrieben von Tripwire/Koch Media, ist für Windows, PS4 und Xbox One erschienen.

Auch als Ökosatire, die im Rachefeldzug einer rabiaten Haifisch-Dame gegen die alles zerstörenden Menschen schon angelegt ist, ist das Spiel etwas zu platt geraten. Die beißenden Kommentare des Erzählers und zahlreiche versteckte Gags sorgen zwar für manchen Schmunzler, doch richtig tiefgründig ist hier nichts.

„Maneater“ ist netter Trash, der seinen Unterhaltungswert nicht bis ins Finale nach acht Spielstunden aufrechterhält - dafür hat diese Hai-Saga leider letztlich zu wenig Tiefgang.

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