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Wie geht eigentlich scratchen?

Totgesagte leben länger. Dieses alte Sprichwort beschreibt die Kunst rund um die „Wheels of Steel“ ganz gut. Denn die Technik des Scratchings ist in den Produktionen der letzten Jahre kaum noch zu hören. Trotzdem gibt es bis heute eine aktive Szene. Dj Phekt und DJ Chrisfader nehmen uns mit auf eine Reise in die Welt des Turntablism.

Von DJ Phekt und Michael Troll

Wie geht eigentlich scratchen? DJ Phekt und DJ Chrisfader enthüllen ein Geheimnis.

Vom Zufall zum Hype zur Nische

Das Scratchen ist einer Urban Legend nach zufällig in New York, im Schlafzimmer von Grandwizard Theodore, entstanden. Er wollte Ende der 1970er Jahre eigentlich nur eine Platte anhalten, weil die Musik für seine Mutter zu laut war, und hörte so zufällig zum ersten Mal den typisch verzerrten Sound des Nadelkratzens im Kopfhörer. Ohne den direkt betriebenen Plattenspieler hätte sich die weltweit bekannte Technik aber nicht durchgesetzt. Der erste dieser Art wurde 1969 von der japanischen Firma Technics präsentiert. Dank dieser Erfindung war es für DJs nun möglich Schallplatten vor und zurück zu bewegen, ohne dabei das Gerät zu beschädigen.

Wichtige Vorreiter der frühen Turntablism-Szene waren Afrika Bambaataa, Kool DJ Herc, Grandmixer DST und Grandmaster Flash. Kool Herc entwickelte beispielsweise eine Break-Beat-Technik, durch die er die Breaks von Funk-Songs endlos verlängern konnte, um mit den tanzbaren Rhythmen nächtelang Partys zu bespielen. 1981 veröffentlichte Grand Master Flash den legendären Song „The Adventures Of Grandmaster Flash On The Wheels Of Steel”. Für die Produktion verwendete er damals ausschließlich Turntables und Scratch-Techniken.

Im Laufe der 80er, 90er und 2000er Jahre verbreitete sich die Technik weltweit. Viele Rap-Songs aus der so genannten „Golden Era“ sind geprägt von gescratchten Refrains von DJs wie Jam Master Jay (RUN DMC), DJ Premier (Gang Starr), Terminator X (Public Enemy) und vielen mehr.

Federführend in der Weiterentwicklung des Plattenspielers hin zum Musikinstrument waren DJ Crews wie die Invisibl Skratch Piklz aus San Francisco, die X-Ecutioners aus New York oder die Beat Junkies aus Los Angeles. Sie haben neue Techniken erfunden und perfektioniert.

Durch Online Tutorials ist das Niveau von internationalem Turntablism im Laufe der Jahre massiv gestiegen. Es entwickelte sich ein regelrechter Hype rund ums Scratching. Auch in Österreich gab es damals eine sehr aktive Community, Hip-Hop Events und DJ Battles. DJ Chrisfader wurde 2005 und 2006 österreichischer ITF Champion. Danach entwickelte sich seiner Meinung nach immer mehr Konkurrenzdenken in der Community. Der Sound wurde sehr elektronisch und komplex, und schließlich ist die Szene mehr oder weniger verschwunden.

Warum die einst so beliebte Technik in heutigen Produktionen kaum noch vertreten ist, ist schwer zu sagen. Die einen meinen, das Scratchen sei zu komplex, elektronisch und „noisy“ geworden. Die anderen sagen, Autotune habe eine neue Ära eingeleitet und der gute alte Plattenspieler sei durch DAWs- und DJ-Programme ersetzt worden. Nach wie vor gibt es aber eine kleine Szene, die sowohl auf Jams als auch online das Wissen rund um die Turntables weitergibt. Ah, Scratch Fresh!

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