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Bild von der Black Lives Matter Demo in Wien

APA/HANS PUNZ

Black Voices Matter

Seit dem Tod George Floyds ist das Thema Rassimus-Bekämpfung in den Social Media Feeds und auf den Straßen der Welt via Demonstrationen präsent. Wir haben Schwarze Menschen in Österreich nach ihrer Einschätzung und ihren Eindrücken zu den Protesten gefragt und um Ratschläge gebeten.

Gesammelt von Dalia Ahmed und Claudia Unterweger

Black Movement Vienna

Wir sind zusammengekommen im Zuge des Organisierens der Demonstration, die am 5. Juni in Wien stattgefunden hat. Die Demonstration gegen Polizeibrutalität. Institutionellen Rassimus gibt es auch in Europa, ja auch in Wien. Polizeibrutalität ist ein Teil davon. Marcus Omofuma, Seibane Wague waren keine Einzelfälle. Wir wollen nicht mehr nur von Alltagsrassismus berichten und unser Leid präsentieren. Im Kollektiv möchten wir uns viel mehr selbst bestärken und wollen an die Arbeit unserer Vorfahren anknüpfen. Denn wo wir unterdrückt wurden, gab es auch immer schon Widerstand. Der Teil der Story, der leider nicht gerne erzählt wird. Die politische Arbeit der Plattform „Gerechtigkeit für Seibane Wague“ zum Beispiel, neben der Widerstandsarbeit zu Omofuma und vielen anderen Fällen. Wir sind uns bewusst, wie gerne Schwarze Personen als Trend betrachtet werden. Doch wir sind mehr als bloß ein Hashtag. Wir werden weitere Proteste organisieren und Arbeit für unsere Communities leisten.

Das Black Movement Vienna über Widerstand
Influencerin Christl Clear

Christl Clear

Christl Clear, Influencerin

Im Grunde möchte ich nur daran erinnern, dass jede Rassimusdiskussion auf Menschlichkeit basiert. Wenn ich als Woman of Color mit jemandem diskutieren muss über Rassismus, dann diskutiere ich rein theoretisch darüber, dass ich genauso behandelt werden möchte, wie mein Gegenüber. Ich möchte nicht mehr, ich möchte definitiv nicht weniger. Ich möchte gleich behandelt werden. Und das muss ich im Jahr 2020 diskutieren. Das muss man mal sacken lassen. Das ist Wahnsinn.

Christl Clear über die Definition von Rassismus
Anwalt Patrick O Kainz

Ina Aydogan

Patrick O. Kainz, Anwalt

Mein aufrichtiger Wunsch, ist einfach nur, dass es nicht dabei bleibt, ein einmaliges Zeichen zu setzen und dann das Thema strukturellen Rassismus einfach wieder wegzuwischen. Dafür ist das Thema, glaube ich generell zu wichtig und es ist mein persönlicher Wunsch, weil mir das Thema viel zu wichtig ist. Es gibt dieses Problem nicht nur in den USA, sondern das gibt es weltweit, das gibt es in Europa, das gibt es vor allem auch in Österreich. Das kann ich persönlich bezeugen, als Schwarzer Mann, der in Österreich geboren und aufgewachsen ist.

Jede Person, die wirklich anerkennt, dass es hier ein Problem gibt, all diese Personen müssen zuhören. Müssen den Personen zuhören, die es tagtäglich am eigenen Leib erfahren müssen, Solidarität zeigen in der Öffentlichkeit, wenn es zum Beispiel Situationen sind, wo jemand alleine in einem U-Bahn Waggon beschimpft wird, beflegelt wird und dann der ganze U-Bahn Waggon einfach ruhig ist und nichts dazu sagt. Das sind Situation, da fühlt sich die Person, die davon betroffen ist, als Opfer komplett im Stich gelassen. Selbst wenn sich manche im Kopf denken, dass was die eine Person jetzt sagt, das ist nicht meine Überzeugung. Dann bitte, sagt etwas, sprecht, zeigt auf und helft diese Probleme zu bekämpfen. Weil nur gemeinsam werden wir das schaffen.

Patrick Kainz wünscht sich, dass die Bewegung nicht versandet
Enesi M

Enesi M

Enesi M, Poetin

profit equals people
value equals money
theres no way for you
to go without it
corporations made sure
they got your back plastered
onto your workplace forever
youre a digit,
a machine
disposable by age
even more so
if what’s between your legs is inverted,
you’re a womb
a face
the size of your breasts
and your waistline
all of it
it serves just one purpose
oh capital oh capital
industries
wash their hands clean
from sexual harassment
racism
and the number
of unregistered
workforces
a slavery foundation
camps, post-colonial horrors,
IT’S THE REALITY
IT’S OUR REALITY
it’s their wet dream.

Enesi M besingt das Black Lives Matter Movement
Stephane Magloire

Stephane Magloire

Stephane Magloire, Veranstalter (Queen’s Brunch Vienna)

Working with drag queens I have learned a thing or two about what it means to be brave. It’s not about putting on the wigs, heels, dresses, and makeup. The brave part is walking out into the world and saying: I demand to be seen, I demand to be heard, and you will respect me. This is the kind of bravery, that startet the LGBTQ+ movement during the Stonewall riots in 1969 and this kind of bravery will empower the „All Black Lives Matter“ movement, taking place around the world. White people, it’s time to get uncomfortable, listen, and use your privilege for change. Black people, your time is now, use your voice.

Stephane Magloire über Black Lives Matter & Drag Queens
Ishraga Mustafa

Ishraga Mustafa

Ishraga Mustafa, Autorin & Poetin

Rassimus ist ein bitteres Resultat des globalen, egoistischen Systems, das die Welt in „Nord und Süd“, in „reich und arm“, in „schwarz & weiß“ aufgespaltet hat. Ein System bestimmt, wer Rechte haben darf und wer nicht. Es bestimmt die Normen. Das System bestimmt, wer in Würde leben darf und wer nicht. Gehörst du zu den Marginalisierten, die auf Grund des globalen, ungerechten System marginalisiert werden? Rassimus tötet so lange, als wie das globale System ungleich bleibt, solange man nicht Reichtum und Macht in der Welt gerecht umverteilt. Der Kampf um Rassismus benötigt eine internationale Solidarität, soll unsere Lungen werden, damit das ganze Universum atmen und alles genesen kann. Nicht nur die Menschen, sondern auch Luft, Wasser, Sterne, Tiere, Flüsse, Bäume und die gesamte Erde.

Ishraga Mustafa über das System Rassismus
Autor und Poet Charles Ofoedu

Charles Ofoedu

Charles Ofoedu, Autor

People of African decent have suffered a lot for a very long time. They have suffered slavery, discrimination, and they have been oppressed, and also exploited. They have been colonized and they have passed through so many difficulties all over the world. And nobody talks for them. Even their leaders at home keep silent. They don’t even say anything about the sufferings of African people all over the world. In America they are being killed by the police. In Austria too they are being killed by police and are accused of being criminals instead of apologizing to them. It is therefore welcome news, that people are joining the Africans to demonstrate in America and around the world for their freedom and their rights, and against the killing of Africans by the police.

Charles Ofoedu über Gewalt gegen Schwarze Menschen
Lehrer Derek Roberts

Derek Roberts

Derek Roberts, Lehrer

What will the world look like, when the world looks away? A lot of white folks are out here getting their street-cred at the moment. But let me be frank. The real work will have to take place when the limelight dims, that’s when the real work will be taking place. That means fucking up your dinner party to have that conversation. That might mean looking around the room and reviewing your own hiring preferences to have that conversation. That might mean not continuing that job from an employer unwilling to adress that situation. That might mean a cold shoulder to a loved one after having had that conversation. That might mean, what that might mean. Ultimately it will require making sacrifices of comfort, habbits, culture, and relationships. See such sacrifices as seeds sown. The question then becomes, are you willing to take it there so we can get the hell out of here? So our sons and daughters, mothers and fathers, uncles and aunties can get the hell out of here? So that you and I can get the hell out of here.

During the second Black Lives Matter march in Vienna the organizers repeatedly told Black people to come to the front of the protest, allies to the back and to the sides. Do you know how many white folks simply couldn’t be bothered to adhere to that? Who couldn’t be inconvenienced of that tiny momentary privilege? It’s time to do the work white people, so we can get the hell out of here.

Derek Roberts über den Kampf gegen Rassismus jenseits einer Demo
Elisabeth Taruvinga Mtasa, DJ

Elisabeth Taruvinga Mtasa

Elisabeth Taruvinga Mtasa, DJ (Bad&Boujee Kollektiv)

Eigentlich will ich nicht nur über Rassismus und seine Erfahrungen sprechen. Ich will mich nicht davon definieren lassen. Rassismus muss von weißen Menschen anerkannt werden. Denn das ist nicht unser Problem. Darum müssen wir uns nicht kümmern. Nach den zwei Demos in Wien hat sich für mich und viele andere nichts geändert. Das war nur der Anfang. Die Arbeit zu Anti-Rassismus, Anti-Blackness ist nicht mit zwei Demos getan. Wenn du gedacht hast, es reiche nur lauthals „Black Lives Matter“ zu schreien, um etwas zu ändern, bedenke, das ist weder Solidarität, noch in irgendeiner Weise hilfreich für unsere Gesellschaft. Ich sehe, wie viele Personen ihre Reichweite dafür nutzen, um den Trend aufrecht zu erhalten. Plötzlich „pro Black Trans Lives", „pro Black Queers“ oder „pro Black Non-binary“ sind. Es sind Realitäten, die von weißen Menschen genutzt werden für performatives Allyship. Für dein eigenes Gut und Vermarktung. Diese Strategie ist schädlich für Black Bodies. Macht euch Gedanken, bevor ihr „the most solidary ally“ beansprucht. Dieser Prozess ist nicht in ein paar Wochen beendet. Dieser Prozess, sich zu ändern, ist lebenslang. All Black lives matter.

Elisabeth Taruvinga Mtasa sagt: eine Demo reicht nicht
Künstler und Aktivist Topoke

Marisel Bongola

Topoke, Künstler

Im Jahr 2018 hat die damalige türkis-blaue Regierung in rechtsradikalen Zeitschriften Inserate geschalten. Es wurde nach Polizistinnen und Polizisten gesucht, und diese wurden wahrscheinlich auch gefunden. Was passiert, wenn diese Rekruten, die mittlerweile auf unseren Straßen patrouillieren, auf Schwarze Menschen treffen? Können wir davon ausgehen, dass de-eskaliert wird? Können wir uns darauf verlassen, dass wir genauso behandelt werden, wie „Bio-Österreicher“? Ich habe da meine Bedenken. Für mich sollten diese Rekruten überhaupt nicht bei der Polizei arbeiten. Das ist eine Gefahr für die Demokratie.

Der Künstler und Aktivist Topoke über Rassismus bei der Polizei

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