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Rosa Anschütz

Sebastian Köck

Rosa Anschütz: Die neue Avantgarde ist in Österreich angekommen

Im Haushalt der jungen Rosa Anschütz wurde viel Portishead oder Tricky gehört, jetzt nimmt die junge Musikerin selbst Anlauf in die Riege der Meisterinnen dunkler Soundflächen.

Von Kristian Davidek

Rosa Anschütz ist in Berlin aufgewachsen, lebt und studiert in Wien, arbeitet an beiden Plätzen und sieht Japan als mögliche nächste Station in ihrem Leben. Sie macht Hymnen in dark, Synthesizerflächen, in die sie ihre Stimme bettet, die ein bisschen an die legendäre Niko erinnert.

Das Melancholische zieht sie seit frühen Jahren an. „Meine Schwester hat irgendwann angefangen Emilíana Torrini zu hören. Ich fands furchtbar; nicht ihre Stimme, die mochte ich sehr gern, aber mein Lieblingslied war ‚Dead Duck‘ – und alle waren so ‚mmh, warum‘? Da gibt es für mich mehr zu ergründen und zu erfragen, wie so eine Stimmung zustande kommt“, sagt die Studentin der Universität für Angewandte Kunst in Wien und ergänzt lächelnd: „Man kann nicht die ganze Zeit glücklich sein und gute Laune haben, das glaube ich niemandem“.

Die Musikerin arbeitet mit einem Instrument, das extreme Auseinandersetzung braucht: der modulare Synthesizer. Er muss, salopp gesprochen, vor der Benutzung erst zu dem gemacht werden, was er an Soundspektrum bieten kann, hat Charakter, spiegelt Launen wider.

„Der modulare Synth steht fast ein bisschen altarhaft in meinem Zimmer, man muss sich reinfühlen, es braucht eine bestimmte Stimmung an dem Abend und ich hab‘ auch nicht immer Lust drauf. Ich nehme etwas auf, gehe schnell ins Loopen und reagiere darauf. Es ist eher eine Nachtsache, manchmal geht es bis in den Morgen, manchmal bin ich total erledigt, dann gehe ich Schwimmen, dann Schlafen.“

Anschütz ist transmediale Künstlerin, sie hat gelernt, jeden einzelnen Aspekt ihrer Arbeit selbst zu gestalten und tut das auch, soweit machbar und sinnvoll. Text, Komposition, Gesang, Licht, visueller Auftritt, Performance, Raum – es wäre ein umwerfender Konzeptauftritt geworden in der Minoritenkirche am Donaufestival im April, aber die Pandemie hat es verhindert.

Die nächste Gelegenheit ist morgen Freitag im Wiener Fluc bei Salon Skug. Als Warm-up oder Trost, wenn ihr keines der 50 Tickets ergattert, empfehlen wir diese auf Arté ausgestrahlte Session:

Das Debütalbum von Rosa Anschütz kommt noch dieses Jahr, bis dahin kann man staunen, wie gut sich ihre rauhe Hymne „Rigid“ in den knochentrockenen Technoremix von Kobosil 44 umformen lässt.

Diese Installation zeigt eine Audio- und Objektinstallation der Künstlerin, bei der aus am Boden liegenden, weißen Blättern mittels Luftströmen Wörter destilliert werden, die danach zu einem Gedicht verarbeitet wurden.

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