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Weiter Unklarheit um Rückerstattung für Festival-Tickets

Zum Rechtsstreit um die Auslegung der Refundierungs-Bestimmungen im Coronavirus-Maßnahmengesetz kommt nun auch noch der Skandal rund um die Bank eines großen Veranstalters dazu. Damit steigt die Ungewissheit für viele, die sich teure Tickets gekauft haben.

Von Christoph „Burstup“ Weiss

Vor einigen Tagen hat die Finanzmarktaufsicht einer Bank im Burgenland den weiteren Geschäftsbetrieb untersagt. Es handelt sich um die Commerzialbank Mattersburg, die nun auch kein Geld mehr an jene Personen auszahlen darf, die Einlagen bei ihr haben.

Das betrifft auch den ohnehin durch die Coronavirus-Krise gebeutelten Veranstaltungssektor. Der größte Festivalversanstalter Österreichs, Barracuda Music - er organisiert unter anderem das NovaRock-Festival und das FM4 Frequency - hat 34 Millionen Euro Einlagen bei der Commerzialbank Mattersburg. Das teilte der börsennotierte deutsche Veranstaltungskonzern CTS Eventim, der Mehrheitseigentümer der Barracuda Holding GmbH mit.

Was heißt das jetzt für Menschen, die sich Festivaltickets gekauft haben? Rund um die Rückerstattung von Tickets zu abgesagten Konzerten hat es ja schon vor Bekanntwerden des Bank-Skandals einige Unklarheiten gegegeben.

Was steht im Coronavirus-Maßnahmengesetz?

Vor der Coronavirus-Krise war die Sache einfacher: Wer ein Ticket für eine Veranstaltung gekauft hat, die dann abgesagt wurde, hatte ein Recht auf Rückerstattung des Kaufpreises. Jetzt ist es anders. In einem der Coronavirus-Maßnahmengesetze steht, dass Veranstalter für Tickets bis zu einem Preis von 70 Euro einen Gutschein ausstellen dürfen. War das Ticket teurer als 70 Euro, muss der Restbetrag ausbezahlt werden.

Bei Konsumentenschützern haben deshalb in den letzten Tagen oft die Telefone geläutet, sagt Maria Ecker vom Verein für Konsumenteninformation (VKI): “Wir hatten tatsächlich sehr, sehr viele Beschwerden von Menschen, die sich ungerechnet behandelt fühlen.”

Der Grund: Veranstalter würden auf Anfragen nicht reagieren oder das Gesetz auf für sie günstige Weise auslegen. Viele Menschen haben Tickets gekauft, die mehr als 70 Euro kosten - z.B. 180 Euro für drei Tage auf einem Festival. Anstatt aber einen Gutschein über 70 Euro plus eine Zahlung in der Höhe von 110 Euro zu erstatten, dividieren Veranstalter den Ticketpreis durch drei. Die Argumentation: es handle sich um drei Tagestickets für je 60 Euro, daher gäbe es drei Gutscheine dafür.

Die Konsumentenschutzabteilung der Arbeiterkammer hat dagegen bereits zwei Musterklagen eingebracht. Maria Ecker vom VKI sieht die Sache ähnlich: “Wir lesen das Gesetz so, dass tatsächlich ein einheitliches Ticket vorliegt und vom gesamten Ticketpreis ausgehend die Regelung anzuwenden ist.”

Allerdings, so die Juristin, würden der Gesetzestext und der zugehörige Erläuterungstext einander widersprechen. Deshalb muss also ein Gericht klären, ob den Betroffenen nur Gutscheine zustehen, oder auch Geld zusteht.

Für Kundinnen und Kunden des größten Festivalveranstalters Barracuda kommt nun aber ein weiterer Unsicherheitsfaktor dazu. Die Firma zittert um 34 Millionen an Einlagen bei der Commerzialbank Mattersburg. Für Ticketkäuferinnen und -käufer, so Maria Ecker, die denkbar schlechteste Situation: “Es tritt möglicherweise genau das ein, was wir massiv kritisieren: Wenn der Veranstalter Insolvenz anmelden muss, dann bliebe den Konsumentinnen und Konsumenten nur übrig, die Forderung im Insolvenzverfahren anzumelden. Diese Anmeldung kostet 23 Euro. In der Regel ist die Quote in einem solchen Insolvenzverfahren sehr gering. Das heißt, wir sprechen hier von einem Totalverlust.” Der Gesetzgeber, kritisiert Maria Ecker, habe es verabsäumt, eine Insolvenzversicherung für die Kunden vorzusehen.

Die Veranstaltungsfirma Barracuda wollte heute keine Stellungnahme abgeben. Wie die Rückerstattung für gekaufte Tickets funktioniert, könne man auf ihrer Website nachlesen. VKI-Juristin Maria Ecker rät, zu versuchen, eventuell erhaltene Gutscheine möglichst rasch für eine andere Veranstaltung einzulösen, “denn sonst bleibt vielleicht nur das Insolvenzverfahren.”

Allerdings weiß niemand, welche Veranstaltungen in den nächsten Monaten stattfinden können und welche nicht. Denn das hängt bekanntlich von der weiteren Entwicklung der Coronavirus-Pandemie ab.

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