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L.A. Salami vor einer Graffitiwand

Diane Sagnier

L.A. Salami, der Songschreiber aus London

Lookman Adekunle Salami, kurz L.A. Salami, ist einer der interessantesten Songschreiber aus der britischen Hauptstadt. Seinem neuen Album gibt er den etwas kompliziert klingenden Titel „The Cause Of Doubt & A Reason To Have Faith“. Der postmoderne Blues des L.A. Salami bleibt positiv.

Von Eva Umbauer

In der Schule wurde Lookman Adekunle Salami immer wieder gehänselt, wegen seinem Namen. Dabei hat dieser gar nichts zu tun mit der Wurstsorte, sondern ist schlicht und einfach ein aus Nigeria stammender Nachname. L.A. Salami wurde in London geboren, aber weil seine alleinerziehende Mutter überfordert war mit dem Baby, kam Lookman Adekunle schon mit zwei Monaten zu einer liebevollen Pflegefamilie im beschaulichen südostenglischen Küstenort Broadstairs.

Später pendelte der junge Mann namens Lookman Adekunle dann zwischen seinen beiden Familien. Noch später wusste er, dass er Filmemacher werden möchte, oder Musiker. Er hatte Bob Dylan entdeckt und spielte nun Mundharmonika, ziemlich lange, erst mit Anfang zwanzig lernte er die Gitarre.

Lookman Adekunle Salami war nun L.A. Salami, ein junger Londoner Songwriter, der seine Lieder im Folk-Stil vortrug. Sein erstes Mini-Album, „Another Shade Of Blue“, erschien vor sieben Jahren, und im Jahr zuvor war er in England bei Konzerten im Vorprogramm von Lianne La Havas zu sehen.

Das Protestlied hatte für L.A. Salami noch immer Gültigkeit, auch wenn er sich - trotz seines Kommentars in den Songs - gar nicht so sehr als politisch betrachtet. Im Laufe der Zeit, innerhalb von ein einigen Jahren, hat er seinen Sound auch der Zeit angepasst. L.A. Salami liebt seine akustische Gitarre noch immer, aber am neuen Album gibt es auch tolle Keyboard-Klänge zu hören. Atmosphärische Ambient-Klangwolken, auf denen man gerne schon einmal entschweben darf.

"I love the deliberateness, cleanness and colour of modern music, but I also miss the complete chaos of old, like some Captain Beefheart and Velvet Underground records, or even 90s hip-hop records with the peaking 808s and static compressed vocals à la Wu Tang, or blues records like Robert Johnson’s. Somewhere in there is the carnival I’ve been searching for. This entire album could very well be a love letter to Lou Reed and The Velvet Underground.”

Albumcover mit L.A. Salami

L.A. Salami

„The Cause Of Doubt & A Reason To Have Faith“ von L.A. Salami ist beim Londoner Plattenlabel Sunday Best erschienen.

L.A. Salami experimentiert auf seinem neuen Album mehr denn je zuvor: Folk, Punk, Rhythm & Blues und auch ein wenig etwas, das in Richtung Rap geht. Letzteres ist beim Track „The Cage“ zu hören, wo L.A. leise reimt. In diesem modernen Soul-Song geht es darum, wie es sich anfühlt, wenn man denkt, man wird verrückt.

„‚The Cage‘ is a song, like most on the album, that burst out of me. I feel there is a synergy in nature. Patterns, from the unimaginably large to the infinitesimally small, that run consistently through nature and time and culture. I don’t think the state of the world is separate from the state of the modern human individual’s identity with themselves. I’d simply say this song is about feeling like you’re going crazy.“

L.A. Salami schreibt über den schwierigen Alltag, soziale Ungerechtigkeiten überall, aber vor allem in seiner Heimatstadt London, die er so sehr liebt, auch wenn es für ihn, als „hand to mouth“-Musiker, wie er sich bezeichnet, dort eben nicht immer leicht ist. L.A. Salami ist fast so etwas wie ein neuzeitlicher Charles Dickens, seine Geschichten sind in Lieder verpackt. Wie der Schriftsteller Dickens im 19. Jahrhundert über London und seine Underclass geschrieben hat, so schreibt L.A. Salami über sein London.

Am letzten Album von L.A. Salami gab es Songs mit Titeln wie „Brick Lane“ oder „Jean Is Gone“, am neuen Album nennt er Songs „Dear Jessica Rabbit“ oder „Thinking Of Emiley“. Letzterer Track ist wieder ein sehr persönlicher, samt Klavier, der sich auf „Old England“ bezieht, einen Song der englischen Band The Waterboys aus ihrem gefeierten 1985er Album „This Is The Sea“.

Für sein letztes Album, „The City Of Bootmakers“, zog L.A. Salami nach Berlin, weil das Leben dort noch leistbarer ist. L.A. Salami, der moderne Poet, der Folksänger, Pianist, der Hipster aus dem unglamourösen Südlondoner Stadtteil Peckham mit der Mundharmonika, der sinniert, dass es ein Kanye West leichter hat als er, der aber dennoch nie in die Opferrolle hineingerät.

L.A. Salami prangert in seinen Songs etwa institutionellen Rassismus an, er singt vom Alltag und von existentiellen Fragen. Der Storyteller L.A. Salami setzt sich mit allerlei Verwerfungen auseinander, ist aber nicht bitter. Da passen vom Sound her auch Streicherarrangements gut dazu. Nachdenkliche Songtexte kombiniert mit hübschen, verspielten und schönen Sounds.

L.A. Salami ist ein positiver Typ, der nie die Hoffnung aufgibt. Deshalb nennt er sein neues Album auch „The Cause Of Doubt & A Reason To Have Faith“. Zweifeln, aber nie den Glauben an etwas verlieren. Von wegen an etwas glauben oder seinen Glauben leben: Die allererste Musik, mit der L.A. Salami in Berührung kam, war in der Kirche.

„The most consistent relationship I’ve had with music when I was young, like a six year old, was dancing to it - Michael Jackson and James Brown at parties, Apala music at Nigerian Presbyterian church, that’s really the stuff I grew up on.“

Später kamen Nick Drake hinzu, Joni Mitchell, oder eben Bob Dylan. Und so ist L.A. Salami dann doch nicht Filmemacher, sondern eben Musiker geworden.

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