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Bildschirmfoto aus dem Videospiel "No Straight Roads"

Metronomik / Sold Out

In „No Straight Roads“ rocken wir gegen die Hegemonie von EDM

Musikcomputerspiele mit markanten Charakteren, die noch dazu eine Geschichte erzählen, gibt es recht wenige. Nun tritt ein in Malaysia entwickeltes Game an, diese Lücke zu schließen.

Von Robert Glashüttner

Vor 30 Jahren wollte Techno als neue Bewegung Rockmusik den Rang ablaufen und hat sich Demokratie und Zukunft auf die Fahnen geheftet. Seit rund zehn Jahren heißt der ultrakommerzielle Ausläufer von Techno EDM (Electronic Dance Music), und dagegen sieht das klassische Gitarre, Schlagzeug, Bass-Konzept aus wie ein subversiver Weckruf - ganz so, als ob wir wieder in den späten 1950ern und den 1960ern wären.

Dieses Spannungsfeld eignet sich offenbar auch für Computerspiele, denn im Musik-Game „No Straight Roads“ kämpft eine Zwei-Personen-Band gegen blasierte EDM-DJs und ihre Freund*innen.

Rock vs. EDM

Die Story ist ziemlich absurd: Unser Musik-Duo tritt in einer Stadt, die von EDM unterdrückt und beherrscht wird (Vinyl City!), an, um den guten alten Rock’n’Roll zurückzuholen und damit die Freiheit zu erkämpfen. Die aufwendige Comicgrafik und das amüsant-überdrehte Voice-Acting sind aber so gut in Szene gesetzt, dass man dem Spiel das ziemlich dämliche Setting recht schnell verzeiht.

„No Straight Roads“, entwickelt vom malaysischen Indiestudio Metronomik, ist im Vertrieb von Sold Out für PS4, Xbox One, Switch und Windows erschienen.

Gitarristin Mayday und Drummer Zuke laufen als 3D-Figuren herum und können springen, rollen und mit ihren Instrumenten Gegenstände transformieren. Später kann man ihnen dann auch diverse Spezialattacken ausrüsten. Die beiden treten in episch inszenierten, meistens ziemlich lange andauernden Schlachten gegen beispielsweise einen überdimensionalen Roboter-DJ oder einen virtuellen Teenager-Star an. Während dieser Kämpfe müssen wir im Takt Schüssen, Projektilen und anderen Attacken ausweichen.

Bildschirmfoto aus dem Videospiel "No Straight Roads"

Metronomik / Sold Out

Es geht in „No Straight Roads“ darum, die richtige Balance zwischen rechtzeitigen Ausweichmanövern und eigenen Angriffen zu finden. Das ist leider in der Praxis recht schwierig, weil die Levels visuell eher unübersichtlich gestaltet sind.

Macht weniger Spaß als es sollte

Allgemein macht das Spiel weniger Spaß als man glauben würde, obwohl es ansonsten so viel Freude, Unterhaltung und Leidenschaft ausstrahlt. Die gesamte Präsentation ist hervorragend, und so ist es dann erstaunlich, dass es spielerisch nur durchschnittlich ausgefallen ist. Schade, denn das Game erinnert an Musikspielklassiker wie „Space Channel 5“ oder „Gitaroo Man“, die vor rund 20 Jahren erschienen sind und bis heute bekannte Titel sind.

„No Straight Roads“ ist ungewöhnlich und auf jeden Fall einen Blick wert. Selbst spielen muss man das Game allerdings nicht unbedingt.

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