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Riesenfliege trinkt aus einem Pool

Memento Films

Never-Ending Maskenball bei den Filmfestspielen in Venedig

Warum heuer ausgerechnet in der Stadt des Carnevale mit den wohl berühmtesten Masken der Welt nicht mehr Maskenwitze gemacht werden, ist eigentlich ein Rätsel. Wahrscheinlich, weil man tunlichst jede Anspielung auf Makabres vermeiden will? Nur in den Filmen geht es wie gewohnt um Elementares: Leben, Liebe, Tod. Und Rieseninsekten!

Von Gini Brenner, aus Venedig

Ziemlich arg geht es etwa zu in Andrei Konchalovskys „Dorogie Tovarischi! – Dear Comrades!“. Der neue Film des russischen Regisseurs bringt mir den Kritiker-Darling, mit dem ich persönlich nie gar so viel anzufangen wusste, nun doch auf einmal sehr nahe: Die Geschichte um eine treue kommunistische Parteisoldatin, die 1962 die brutale Niederschlagung des Aufstands von Novotscherkassk durch die Regierung miterlebt, ist eine sehr kluge, sehr fesselnde Betrachtung der „human condition“.

Filmstill: Demonstration in der UdSSR

Andrei Konchalovsky

„Dorogie Tovarischi! – Dear Comrades!“

Helen Mirren Putzteufel

Auch auf einer wahren Geschichte basiert Roger Michells „The Duke“, wieder spielt die Handlung in den frühen 1960er-Jahren, und ebenfalls geht es um die politische Gesinnung der sogenannten „kleinen“ Leute, nur der Stil und die Location unterscheiden sich radikal. Jim Broadbent spielt einen nordenglischen notorischen Querulanten, den sein unbeirrbarer Gerechtigkeitssinn ständig im Weg steht, sehr zum Leidwesen seiner Ehefrau (Helen Mirren), die die Familie derweil als Putzfrau durchfüttert, während sich ihr Ehemann mit dem Diebstahl eines berühmten Goya-Gemäldes beschäftigt.

Filmstill: Eine Frau und ein Mann posieren vor einem Gemälde

Roger Michell

„The Duke“

Vom gelben Plüschtier zur Riesenfliege

Quentin Dupieux’ Creature-Feature „Mandibules“ war einer der Filme, auf die ich heuer am meisten gewartet habe, und er hat nicht enttäuscht. Die fein abgedrehte Story über zwei Tagediebe, die im Kofferraum eines gestohlenen Mercedes eine ein Meter große Stubenfliege finden und versuchen, mit ihrem neuen Haustier irgendwie Kohle zu machen, ist ein feiner Spaß, dem es aber keineswegs an Tiefgang fehlt. Dupieux ist übrigens der Typ, der 1999 als Flat Eric mit seinem gelben Plüschtypen Mr. Oizo einen Hype gestartet hat, und die lustigen Kreaturen hat er immer noch super drauf.

Filmstill: Zwei Männer schauen ungläubig und angewidert auf etwas

Quentin Dupieux

„Mandibules“

Mad about Mads

Stars gibt es, wie schon gesagt, sehr wenige zu sehen dieses Jahr. Die an den Festivalfilmen beteiligten Hollywoodianer verweigern Covid-19-bedingt (und vernünftigerweise) fast alle die Reise über den Ozean. Umso netter war es, bei einem Empfang am Rand des Festivals den umwerfenden Mads Mikkelsen zu treffen, der hier gerade an einem Filmprojekt bastelt. Er freut sich übrigens schon sehr auf seinen Besuch in Wien bei der Vienna Comic Con, hat er gesagt, und vielleicht schafft er es sogar zur Viennale. Mir hat er es jedenfalls fix versprochen.

Mads Mikkelsen und Hanne Jacobsen

APA/AFP/Alberto PIZZOLI

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