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David Trummer und Vali Höll

Crankworx World Tour

Crankworx Mountainbike Festival: Die internationale Bühne für heimische Rider*innen

Weniger Events heißt für die meisten Mountainbiker*innen auch weniger Aufmerksamkeit. Beim Crankworx setzten sie aber deutliche Ausrufezeichen: Vali Höll und David Trummer gewinnen die Downhill-Rennen. Und auch andere heimische Rider*innen haben viel Spannendes zu erzählen.

Von Simon Welebil

2020 ist für alle Sportler*innen ein kompliziertes Jahr, das gilt auch für die Mountainbiker*innen, quer durch alle Disziplinen. Die Off-Season, also die wettbewerbslose Zeit im Winter, hat sich durch die Pandemie um mehr als ein halbes Jahr verlängert. Erst jetzt ist mit dem Crankworx Mountainbike Festival in Innsbruck wieder ein Event gekommen, bei dem sich die Mountainbike-Athlet*innen präsentieren können, und in jeder Mountainbike-Spielart gibt es interessante heimische Persönlichkeiten, die beim Crankworx Innsbruck aufgezeigt haben:

Vali Höll gewinnt ihr erstes Elite-Rennen

Für Vali Höll ist mit dem Crankworx endlich die lange Zeit des Verschiebens und der Absagen vorbei. Sie kann endlich in ihre ersten Rennen bei den Erwachsenen in der Elite-Klasse starten und sich direkt mit den besten Downhill-Fahrerinnen der Welt messen. Sie ist in Top-Form, und alles, was ihr noch fehlt, ist die Rennerfahrung, die sie jetzt endlich sammeln kann.

Vali Höll mit Maske beim Crankworx 2020

Simon Welebil

„Wir sind jetzt über ein Jahr keine Rennen mehr gefahren, und in einem Jahr kann sich extrem viel ändern. Man hat gar keine Ahnung, wo die anderen gerade stehen. Ich muss sagen, ich bin extrem nervös“, sagt die 18-jährige Saalbacherin. Dass sie der kommende Downhill-Superstar wird, sagt man ihr schon, seit sie ihr Radhersteller vor fünf Jahren unter Vertrag genommen hat. Nun liegt es an ihr zu zeigen, ob es jetzt schon so weit ist.

Im Rennen liefert sie dann eine eindeutige Antwort: Sie holt sich den Sieg mit 0,8 Sekunden Vorsprung vor dem australischen Downhill-Superstar Tracey Hannah und der Französin Morgane Charre.

David Trummer mit makelloser Rennbilanz

Die Rennergebnisse von David Trummer klingen wie nach einer Traumsaison. 2020 hat er bisher nur erste Plätze bei Downhill-Rennen eingefahren. Die einzigen Rennen, bei denen er bisher am Start gewesen ist, war ein Rennen der Austrian Gravity Series, die tschechischen und slowenischen Downhill-Meisterschaften. Die sind alle drei kein richtiger Maßstab, um einschätzen zu können, wo er leistungsmäßig diese Saison steht.

David Trummer beim Crankworx 2020

Simon Welebil

2019 ist David Trummer in die Weltspitze vorgestoßen, mit regelmäßigen Top-Ten-Plätzen im Weltcup. Dieses Jahr hat er sich hauptsächlich darum bemühen müssen, dass er seine Motivation aufrecht erhält. Gelungen ist ihm das dadurch, dass er sich gedanklich in die Off-Season versetzt hat, mit dem Unterschied, dass er in der Sommer-Off-Season nicht vom Schnee am Fahren gehindert wird, sondern trainieren kann.

Die Vorfreude, dass jetzt gleich drei Highlights hintereinander anstehen, mit dem Crankworx Downhill, der Weltmeisterschaft in Leogang eine Woche darauf und dann der Weltcup in Maribor, ist bei ihm riesig. Sein Ziel ist es, resultatsmäßig zumindest dort anzuschließen, wo er vor dem Lockdown aufgehört hat. Den Titel des schnellsten Österreichers auf einem Downhill Bike wird ihm auch dieses Jahr wohl niemand streitig machen können.

Und auch bei ihm gehen seine Wünsche im ersten großen Rennen der Saison auf. Nach dem Crankworx-Downhill hat er noch immer ausschließlich erste Plätze in seinen Rennergebnissen 2020. In Innsbruck setzt er sich eineinhalb Sekunden vor dem Neuseeländer Ed Masters und dem US-Amerikaner Charlie Harrison durch. Den österreichischen Staatsmeistertitel nimmt er sich zum Drüberstreuen mit.

Paula Zibasa will in die Männerdomäne Freestyle

Die 20-jährige Paula Zibasa ist ein echter Innsbrucker Local, auch wenn sie bei Rennen für ihr Geburtsland Litauen startet. In den letzten Jahren hat sie sich einen Namen als Downhill-Fahrerin gemacht, mit zwei Top-15-Resultaten in ihrer ersten Weltcup-Saison. Doch dieses Jahr steht sie beim Crankworx nicht auf der Startliste für den Downhill, stattdessen ist sie im Pumptrack und im Speed&Style gemeldet, Letzteres eine Disziplin, die Rennfahren mit Freestyle-Tricks kombiniert. Paula ist gerade dabei, sich umzuorientieren.

Paula Zibasa beim Crankworx 2020

Simon Welebil

Sie will ihren Fokus nun mehr in eine Sprung-/Trickrichtung lenken und sich im Freeride-Bereich mit Video- und Fotoprojekten als Athletin präsentieren. „Früher hat man gemeint, man kann als Frau im Mountainbiken nur etwas erreichen, wenn man Downhill-Weltcup fährt, doch Casey Brown etwa ist eine gute Vorlage, dass du nicht unbedingt Rennen fahren musst, um dir einen Namen zu machen.“

Große Sprünge haben Paula Zibasa schon als Kind gereizt, das Coronavirus-Jahr ist für sie jetzt die Gelegenheit gewesen, einen Bewerbswechsel anzugehen. Sie hat viel Zeit in der Innsbrucker Skatehalle verbracht und Sprünge geübt. Es scheint im Frauenbereich gerade einen großen Schub zu geben, was den Freestyle-Bereich anbelangt, befeuert auch durch Social Media, wo endlich klar wird, dass Frauen genauso Kicker springen können. Mit dem Speed&Style ist ein Freestyle-Bewerb mehr für Frauen offen, für den sich ein gutes Dutzend Riderinnen interessieren, auch wenn die Wetterbedingungen in Innsbruck diesmal keinen Bewerb zugelassen haben.

Downhill sieht Paula Zibasa immer noch als junge Sportart, die sich rapide entwickelt. Wenn es nach ihr geht, werden in zehn Jahren Frauen aber auch die riesigen Rampen und Schanzen des Crankworx-Slopestyle-Kurses springen. „Ich hätt’s schon dieses Jahr vor, eventuell mit meinem Downhill Bike da drüber zu fahren, aber schlussendlich wollte ich vor Crankworx kein Risiko eingehen.“ Das hat sich wahrscheinlich ausgezahlt, denn beim Pumptrack pusht sich Paula Zibasa mit dem 3. Platz aufs Stockerl.

Peter Kaiser will vor allem Spaß haben am Fahrrad

Peter Kaiser ist über die letzten Jahre immer mehr zu einer Art „Hausmeister“ beim Innsbrucker Crankworx geworden. Hat er im ersten Jahr noch den brandneuen Park für die Slopestyle-Profis getestet, ist er heuer selber zum Parkshaper geworden, weil die eigentliche Crankworx Shapecrew wegen der Pandemie Probleme mit der Einreise aus Neuseeland hatte, und das, obwohl Peter als einziger österreichischer Rider bereits einen Crankworx Event gewinnen konnte, den Whipoff in Rotorua 2019 gewinnen konnte.

Doch Peter gefällt sich in dieser Rolle, die nicht nur ihm, sondern auch den anderen beteiligten Locals zugutekommt. Sie haben diese Weltklasse-Freestyle-Anlage in den letzten Monaten so schon ausgiebig befahren können, die, wenn es nach ihm geht, noch mehr genutzt werden sollte als nur für dieses Event.

Peter Kaiser beim Crankworx 2020

Simon Welebil

Dass er selber nicht am Slopestyle teilnehmen kann, ärgert ihn nicht allzu sehr, denn er will dafür nicht auf vielen kleineren Contests Punkte sammeln. Seine anderen Projekte am Mountainbike oder hinter der Kamera liegen ihm zu sehr am Herzen. Dieses Frühjahr hat Peter Kaiser etwa mit „Aotearoa“ eine Reise durch Neuseeland beeindruckend filmisch umgesetzt. So freut er sich, wenn er beim Crankworx mit den Kollegen spaßige Trainigssessions fahren kann.

Wohin ihn sein Weg in nächster Zeit führen wird, lässt er offen: „Wenn man einen coolen Run steht bei einem Event, dann ist das ein fett geiles Gefühl, wenn man den letzten Trick von einem coolen Videoprojekt landet, dann kann man sich da auch gut verwirklichen und das macht auch echt viel Spaß. Deshalb das machen, was Spaß macht und dahin pushen, wo es einen hinführt!“

Sein liebster Bewerb, der Whipoff, fällt diesmal leider dem Wetter zum Opfer, und auch der Speed&Style wird nach einem Durchgang abgebrochen. So bleibt sein 6. Platz aus der Qualifikation schlussendlich als achtbares Ergebnis stehen.

Maxi Mayer kennt wenig Respekt

Maxi Mayer aus Salzburg ist ein Pumptrack-Spezialist. Diesen Sommer hat er sich gemeinsam mit David Hochfelsner für das Lines Magazin auf eine „Pumptrack Roas“ gemacht, um die besten Pumptracks des Landes zu küren. Der Pumptrack im Bikepark Innsbruck hat es nicht in diese Liste geschafft, weil sie nur Asphalt-Pumptracks berücksichtigt haben, aber der Dirt-Pumptrack beim Crankworx steht trotzdem weit oben in seinem persönlichen Ranking, weil er sehr flowig ist, und die Stimmung bei allen seinen Antritten immer top gewesen ist.

Maxi Mayer beim Crankworx 2020

Simon Welebil

„Du darfst dich nicht von den anderen stressen lassen“, ist sein Rezept, um beim Pumptrack erfolgreich zu sein, „du musst ruhig bleiben und dein Ding durchziehen, dann haut’s meistens hin“. Maxi ist schon so abgebrüht, dass er im Training sogar blufft, um die anderen Rider ein wenig aus dem Konzept zu bringen. Das bringt dem 18-Jährigen schlussendlich den zehnten Platz ein. Dass die Pumptrack-Heim-WM in Leogang heuer dem Coronavirus zum Opfer fällt, wurmt ihn in dieser Form besonders.

Fabio Wibmer sucht nach dem Reiz des Rennfahrens

Den größten österreichischen YouTube-Star braucht man hier nicht mehr groß vorstellen. Über 5 Millionen Abonnent*innen schauen sich regelmäßig die Bike-Videos von Fabio Wibmer an. Was weniger Leute wissen, ist, dass Fabio Wibmer auch ein passionierter - und gar nicht unerfolgreicher - Rennfahrer ist. 2015 ist er sogar österreichischer Downhill-Staatsmeister geworden, beim Crankworx ist er jedes Jahr Fixstarter.

„Ich mag’s immer gern, den Wettbewerbs-Druck zu haben“, sagt er über den Reiz, den Downhill-Rennen für ihn haben. Um ganz vorne mitmischen zu können, fehlt ihm dann aber doch die Zeit zum Trainieren, denn sein Fokus liegt eindeutig darauf, sich in seinen Videos kreativ ausleben zu können.

Fabio Wibmer beim Crankworx 2020

Simon Welebil

Crankworx Innsbruck ist für Fabio normalerweise auch immer eine Gelegenheit, seine vielen, oft sehr jungen Fans nah an sich heranzulassen. Bei seinen Autogramm- und Signiersessions bilden sich jedes Mal lange Schlangen. Heuer das Publikum beim Crankworx ausgeschlossen und so darf er selber zu einem der privilegierten „Edelfans“ werden, die das Slopestyle-Finale live vor Ort verfolgen dürfen. „Jedes Jahr kommen immer neue Tricks, jedes Jahr haut irgendeiner noch was Geileres, noch was Gestörteres raus, das ist echt Wahnsinn zum Anschauen.“ Klingt nach einer Beschreibung seiner eigenen Videos.

Für viele Mountainbiker*innen ist das Crankworx Festival eine der besten Gelegenheiten, um ihre Social Media Accounts zu befüllen. Fabio hat zum Crankworx keine speziellen Pläne für neuen Content, aber das würde sich beim Rennen und beim Whipoff dann mit den vielen Fotograf*innen vor Ort quasi von selber ergeben. Dem hat das Wetter dann einen Strich durch die Rechnung gemacht.

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