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Simon Schwarz und Sebastian Bezzel in ihren Rollen im "Kaiserschmarrndrama". Sie schauen traurig auf einen Laptop.

2020 Constantin Film Verleih GmbH

interview

Kaiserschmarrndrama statt Bond

Wenn US-amerikanische Kinos aufgrund der Coronavirus-Pandemie geschlossen bleiben, hat das auch Auswirkungen auf Kinos in Österreich. Christian Langhammer von Cineplexx beschreibt im FM4 Interview die Situation.

Von Maria Motter

Daniel Craig trägt eine fette Fliege um den Hals über einem grauen T-Shirt, als er Jimmy Kimmel via Webcam erklärt, dass „diese Sache einfach größer ist als andere“. Er meint damit nicht den nächsten James-Bond-Film, sondern die Pandemie. „Wir wollen den Film weltweit am selben Starttermin veröffentlichen und jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt.“

„Time to die?“, titelte der britische Guardian, als feststand, dass der Starttermin des fünfundzwanzigsten „Bond“ in der Geschichte der Action-Reihe jetzt einmal in den April kommenden Jahres verschoben ist. Während die Programmkinos auf Überlebenskampf trainiert scheinen und etwa der australische Kinobetreiber Eddie Tamir sagt, „We’ll keep dying for the next 100 years, too“, und eine Wiener Kinobetreiberin mehr Einnahmen mit Popcorn macht, sind die Entscheidungen der Hollywood-Studios ein Drama für die großen Kinoketten. Auch hierzulande.

Die Verschiebung des Bond-Starts bezeichnet Christian Langhammer als „das letzte schwere Schicksal, das uns getroffen hat“. Christian Langhammer ist der Geschäftsführer von Cineplexx. „Wir werden weiter unsere Kinos offenhalten und versuchen, unser Publikum mit den bestverfügbaren Inhalten gut zu unterhalten – auch abseits der großen Blockbuster“, sagt er im Interview mit FM4.

Vor wenigen Tagen hat Christian Langhammer die über Nacht getroffene Entscheidung erreicht, dass die jüngste Verfilmung der Bestseller-Krimireihe um den Dorfpolizisten Franz Eberhofer mit dem Titel ‚Kaiserschmarrndrama‘ jetzt am ursprünglichen Bond-Starttermin anlaufen wird. Die deutsche Komödie wird auf den 12. November 2020 vorgezogen. „Das ist für uns ein ganz wichtiges Zeichen, dass wir noch einen Lichtblick im November haben. Man sagt jetzt marketingmäßig: Eberhofer statt Bond“, sagt Christian Langhammer. Die Hauptrolle hat Sebastian Bezzel, der österreichische Schauspieler Simon Schwarz ist wieder mit von der Partie.

Christian Langhammer, der Geschäftsführer von Cineplexx, steht in einem Kinosaal zwischen den Sitzreihen.

Philipp Jelenska

Christian Langhammer: „Cineplexx musste bis jetzt keinen einzigen Mitarbeiter kündigen.“

„Batman“, „Black Widow“ und „Dune“ werden wie der neue Bond unter Verschluss gehalten

Timothee Chalamet und Rebecca Ferguson müssen sich indes gedulden, denn auch der geplante Starttermin von „Dune“ ist versandet. Denis Villeneuves Sci-Fi-Drama “Dune“ von Warner Brothers ist die Kino-Adaption des Klassikers „Der Wüstenplanet“ von Frank Herbert, 1965 erstmals veröffentlicht. Wes Andersons „The French Dispatch“ mit Timothee Chalamet, Tilda Swinton, Bill Murray und weiteren Darlings hat seit Monaten einen Trailer, aber aktuell keinen Starttermin mehr.

„Batman“ mit Robert Pattinson ist gleich von 2021 auf 2022 verlegt. Dafür werden wir Keanu Reeves als Neo und Carrie-Anne Moss als Trinity in „Matrix 4“ nach aktuellem Stand ein Jahr früher als geplant wiedersehen. 2021 soll deren Wiederbelebung erfolgen, eigentlich sind die Figuren schon in vorangegangen Teilen umgekommen - oder eben doch nicht. Lana Wachowski führte Regie, sie schrieb auch das Drehbuch. Ein Kinoportal hat einen „Matrix 4“-Trailer mit Szenen aus alten Reeves-Filmen gebastelt.

Drastisch reagierte kürzlich der laut eigenen Angaben zweitgrößte Kinobetreiber der Welt: Cineworld hat am 4. Oktober die Schließung all seiner Kinos in den USA und in Großbritannien beschlossen. 45.000 Menschen haben dadurch ihre Jobs verloren. In Großbritannien betrifft das jedes siebte Kino. Der größte Kinobetreiber in den USA, AMC Entertainment Inc., hat nach Konzernangaben im letzten Quartal über eine halbe Milliarde US-Dollar Verlust gemacht. Diesen Freitag ist „The War with Grandpa“ gestartet.

Cineplexx will Kinos offenhalten

Am 5. August öffneten die Cineplexx-Säle und die zum Unternehmen gehörenden Programmkinos wieder. „Wir hatten an einem Tag, an diesem Eröffnungstag, 44.000 Besucher*innen. Damit haben wir gesehen, dass die Besucher*innen das Kino lieben und gerne zurückkommen würden. Das Thema ist der Content. Und das ist unser derzeitiges, wirklich massives Problem“, erklärt Christian Langhammer. „So lange in New York, in der New York Area, in Los Angeles und in San Francisco die Kinos geschlossen sind, halten die Studios ihre Blockbuster leider zurück.“

Wie es dem größten österreichischen Kinobetreiber jetzt geht, beschreibt Christian Langhammer so: 2.000 Besucher*innen im Durchschnitt in jedem Cineplexx an einem regnerischen Samstag sind derzeit die Publikumsspitzen. Das sind fünfzig Prozent eines normalen starken Samstags vor Covid-19 und mit Blockbustern. Für den Unternehmer Langhammer ist ein Publikumszuspruch wie am vergangenen Wochenende allerdings ein Lichtblick.

„Wir haben die Vorstellungen teilweise reduziert. Wir haben sogenannte ‚Ruhetage‘. Aber an Standortschließungen ist derzeit nicht gedacht. Wir werden diese schwierige Situation gemeinsam rüberbringen. Wir sind natürlich angewiesen auf staatliche Hilfen, nicht nur mit der Kurzarbeit, sondern zusätzlich benötigen wir nicht rückzahlbare Hilfen vom Staat, da es sonst schon passieren könnte, dass das in dem oder anderen Kino, und das wird doch einige betreffen, nächstes Jahr nicht mehr das Licht angeht“, sagt Christian Langhammer.

Auch nach vierzig Jahren in der Branche geht er selbst gern und auch an Wochenenden ins Kino. „Die Disziplin und das Verständnis der Menschen ist wirklich sehr groß. Die Leute haben die Schutzmaßnahmen angenommen, sie leben mit den Abstandsregeln und für mich ist das sehr, sehr positiv. Ganz wenige Ausnahmen gibt es, aber die wird es immer geben. Die Leute fühlen sich sicher. Es ist nicht so, dass man sich in eine Ecke stellt.“

Wer mit fünf Freund*innen in ein Cineplexx geht, kann sechs Plätze nebeneinander haben. Kommt man allein, bleiben die Plätze neben einem frei. Bodenmarkierungen weisen die Wege. Im Foyer muss Maske getragen werden, am Platz kann sie abgenommen werden.

Sebastian Bezzel und Simon Schwarz sitzen an einem Tisch und schauen auf einen Laptop. Filmstill aus "Kaiserschmarrndrama"

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Simon Schwarz und Sebastian Bezzel im „Kaiserschmarrndrama“.

Kinos sind deutlich sicherere Orte als Büros, hält eine Studie des Hermann-Rietschl-Instituts der Technischen Universität Berlin für den Hauptverband Deutscher Filmtheater HDF Kino fest.

Bleibt die Frage an Christian Langhammer: Ist jetzt vielleicht eine Möglichkeit, verstärkt heimisches Kino zu zeigen? Oder ist das ein völlig anderes Publikum als in Programmkinos?

„Sicherlich ist die Struktur eines Programmkinos anders als jetzt in den Multiplex-Kinos. Wir betreiben aber auch Programmkinos wie die Urania, das Geidorf in Graz und das Actors Studio. Wir haben immer auch österreichische Filme bei uns in den Kinos gezeigt. Vielleicht wird der eine oder andere Film jetzt länger gespielt, auch mit niedrigeren Besucherzahlen, aber das ist allgemein der Situation zuzuschreiben.“

Die längeren Ausspielzeiten haben auch den erfolgreichsten Filmen seit der Wiedereröffnung der Cineplexx-Kinos zugespielt: „‚Tenet‘ und ‚After Truth‘ haben jeweils über 100.000 Besucher, und ich behaupte ganz frech, dass diese Filme auch ohne Covid nicht mehr Ticketverkäufe gemacht hätten. Sicher auch durch das lange Ausspielen. Aber das ist positiv. Und wir freuen uns alle im Herbst noch auf die neue Eberhofer-Verfilmung, den neuen Bulli-Herbig-Film zu Weihnachten – ‚Der Boandlkramer und die ewige Liebe‘. Das sind deutsche Komödien, bei denen ich sicher bin, dass wir unser Publikum damit gut unterhalten können.“

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