FM4-Logo

jetzt live:

Aktueller Musiktitel:

Buchcover von "Boards. A brief history of the snowboard"

Peter Radacher / Lilo Krebernik

„Boards“ zeigt die Geschichte des Snowboards in einem Prachtband

Peter Radacher, der passionierte Snowboard-Sammler und Betreiber des Snowboardmuseums am Hochkeil, hat den Lockdown genützt, um ein weiteres seiner Herzensprojekte abzuschießen: die Geschichte des Snowboardens mit Hilfe der Bretter zu erzählen. Herausgekommen ist mit „Boards - A Brief History Of The Snowboard“ ein Prachtband zum Eintauchen und Schmökern.

Von Simon Welebil

Wer über 700 Snowboards zu Hause hat, will sie nicht nur in einfach horten, sondern auch herzeigen. Peter Radacher hat dafür bereits vor Jahren in seinem Hostel Hochkeilhaus im Salzburgerland ein Snowboardmuseum eingerichtet, in dessen Showroom er abwechselnd jeweils an die 100 historische Snowboards ausstellt. Einzelne Boards davon gibt’s auch in seiner Youtube-Reihe Brettl-Fresser zu sehen.

Schon seit acht Jahren arbeitet er allerdings parallel an einem anderen Projekt, um seine Leidenschaft für Snowboards und sein Wissen weiterzugeben: an einem Buch, das es in der Form auch noch nicht gegeben hat. Schon vor ein paar Jahren hat er sich die passende Struktur dafür überlegt, mit der Lockdown-Phase, in der er seinen Betrieb schließen musste, ist er dann intensiv in die Umsetzung gegangen.

Das Ergebnis, „Boards - A Brief History Of The Snowboard“, ist diese Woche in den Druck gegangen. Über das „brief“ im Titel kann man wohl streiten, denn mit über 200 Seiten ist das Buch nicht wirklich kurz geworden. Für Peter ist der Titel dennoch stimmig, wollte er doch am Anfang die ganze Snowboardgeschichte abbilden, von den Brettern über Bindungen, handelnde Personen, Veranstaltungen, Verbände etc. „Aber je tiefer ich mich reingearbeitet habe, desto unübersichtlicher ist es geworden. Am Ende habe ich es runtergebrochen auf die Bretter. Das macht es wieder kurz und deshalb heißt es ‚a brief history‘.“ Außerdem hätte er es locker doppelt so dick machen können.

Die kurze Geschichte mit vielen Vorfahren

Als „brief history“ könnte man auch die Geschichte des Snowboardens allgemein bezeichnen, gibt es den Sport und den Snowboard-Lifestyle doch erst seit wenigen Jahrzehnten. Peter Radacher holt für sein Buch aber weiter aus. Er geht teils mehrere Jahrhunderte zurück zu den vielfältigen Ursprüngen des Snowboardens, die zumindest zwei von vier Kriterien erfüllen müssen, die er selbst aufgestellt hat, dass man auf einem einzelnen Board seitwärts über Schnee gleitet, mit fixierten Beinen und freien Armen.

In Peter Radachers Buch, das wegen des internationalen Anspruchs durchgehend auf Englisch verfasst ist, finden sich einerseits Kapitel über die naheliegenden Verwandten des Snowboardens: Surfen, Skateboarden oder Skifahren, genauso aber über das Knappenrössl, mit dem Salzburger Bergleute im 15. Jahrhundert ins Tal gerutscht sind, das türkische Lazboard oder das einst populäre Swingbo.

Legendäre Rider, Boards und Shapes

Den Großteil des Buches nehmen aber Bilder und Geschichten von modernen Snowboards ab dem Jahr 1985 ein, legendäre Bretter von Snowboard-Pionieren wie Tom Sims, Jake Burton Carpenter und anderen, fotografiert von oben, unten und von der Seite, um nicht nur die Designs, sondern auch die Shapes zu sehen. Die Snowboardgeschichte versetzt einen dabei immer wieder ins Staunen, mal wegen der teils irren Boardshapes, der grellen Designs oder aber auch der schrägen Markennamen, die sie hervorgebracht hat: Konnte man mit einem Board von Crazy Banana etwa jemals cool sein?

Buch "Boards - A Brief History Of The Snowboard"

Peter Radacher / Lilo Krebernik

„Boards - A Brief History Of The Snowboard“ ist im Eigenverlag erschienen, in ausgewählten Snowboardshops und auf der Website des Snowboardmuseums erhältlich.

Es macht richtig Spaß, sich durch das Buch zu blättern, und das ist neben den historischen Infos von Peter auch der sehr gelungenen Aufmachung des Buches zu verdanken, für das der Designer und Illustrator Lilo Krebernik zuständig gewesen ist, der mit seiner Snowboarding Family seit Jahrzehnten dem Snowboarden treu verbunden ist.

„Lilos Grafik war für das Buch essentiell“, sagt Peter im Interview, „er hat einerseits die technischen Skills, andererseits aber auch das Netzwerk, um mehr Leute reinzubringen und auch die Leidenschaft - die war unendlich wichtig.“

Lilo Krebernik motiviert nicht nur etwa Jürgen Blümlein vom Skateboardmuseum ein Kapitel beizusteuern, sondern kann auch Bud Fawcett, einen der wichtigsten Fotografen der ersten Jahre des Snowboardens, überzeugen, viele seiner Bilder bereitzustellen, was das Buch sehr lebendig macht.

Peter Radacher und Lilo Krebernik mit ihrem Buch vor dem Panorama des Hochkönig

Peter Radacher / Lilo Krebernik

Lilo Krebernik (links) und Peter Radacher (rechts) mit ihrem Buch vor dem Panorama des Hochkönig

„So schnell werden wir Snowboarden nicht mehr los“

Nach der Lektüre seines Buches weiß man, dass die Geschichte des Snowboards nicht nur linear ist, sondern auch zyklisch. Gewisse Entwicklungen kommen immer wieder, etwa Snowboards mit Schwalbenschwanz. Man begreift aber auch, dass sich Snowboarden und Skifahren, die scheinbar so unversöhnlich gewesen sind, gegenseitig stark befruchtet haben. Am Ende gibt Peter Radacher aber doch einen Blick darauf, wo Snowboarden steht, nach dem Ende des großen Booms und wo es hingeht:

„Snowboarden hat sich stabilisiert und ist wieder am Wachsen. Jetzt ist’s wieder individueller geworden, vom Splitboard über Freestyle Kids über Erwachsene, die Kinder wieder hereinholen ins Thema ‚Standing Sideways‘. Snowboarden ist kein Massenphänomen mehr, aber in der individuellen Szene stark verankert. Snowboarden werden wir nicht so schnell wieder los.“

mehr Sport:

Aktuell: