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Omar Apollo

Erica Hernandez

Auf Omar Apollos Debüt trifft funkiger Neo-Soul auf Latino-Herzschmerz

Der Musiker aus Indiana hat sein Debüt-Album „Apolonio“ veröffentlicht. Darauf zeigt er sich so souverän wie noch nie – ohne dabei seine natürliche Bescheidenheit zu verlieren.

Von Melissa Erhardt

Wir schreiben das Jahr 2015. Der 18-jährige Omar Apolonio Velasco arbeitet in einer McDonalds Filiale in Hobart, einer kleinen Stadt im nördlichen Indiana. Ein fader Job. Als er wieder mal große Lieferboxen zertreten muss und dabei das Ego Death-Album von The Internet im Ohr hat beschließt er, Musik zu machen. Er tauscht also seine E-Gitarre, die er mit 12 Jahren von seiner Familie geschenkt bekommen hat, im Pfandleihhaus gegen eine akustische ein. Für die E-Gitarre fehlte nämlich immer der Verstärker. Fünf Jahre später bringt er nach zwei EPs und zahlreichen Features endlich sein Debüt-Album „Apolonio“ raus und wird als mexikanisch-amerikanischer Prince gefeiert.

Apolonio Album Artwork

'Apolonio' Artwork (Warner Records)

Omar Apollos Debüt-Album Apolonio ist bei Warner Records erschienen.

Verflossene Lover und Spätsommer-Melancholie

Die neun Songs auf „Apolonio“ sind eine unaufdringliche Abwechslung zwischen funkigen Indie-Nummern (Useless) und souligen Balladen voller Spätsommer-Melancholie (Want you around), in denen Apollo einer verflossenen, aber scheinbar toxischen Liebe nachtrauert.

Ein Paradebeispiel für diesen Mix ist Stayback, die erste Single des Albums. Dort singt er über eine patschende Bass-Line und begleitet von verzerrten Gitarren-Soli: „You know I been feeling you since way back / but I couldn’t even make the words to say that / If I could switch bodies you know I’d change that / But you could never love me so stayback”.

Für einen Remix der Single hat sich Apollo zwei Wochen nach Erstveröffentlichung des Track niemanden geringeren als Funkbass-Legende Bootsy Collins ins Studio geholt.

Auf seinem Debüt-Album zeigt sich Apollo vielseitiger als auf seinen vorherigen EPs. Er fühlt sich wohl bei dem was er macht und kreiert dabei seinen ganz eigenen Sound. Das merkt man vor allem auf dem Song Bi Fren. Es ist eine nostalgische Mischung aus Early Trap Vibes gepaart mit dem für ihn typischen Neo Funk/R’n’B Sound. Er singt seinem Verflossenen nach, den er vergessen will. Irgendwie schafft er es aber nicht so richtig: „I still like him, I still like him / I used to drive around your block without no license / Separate you and your bitch, I’m not no hyphen (…) You irrestistible, that’s why I spend my time here”

Neue Generation an Latinx-Künstler

In seiner Musik spielt der 23-Jährige mit seiner amerikanisch-mexikanischen Identität. Als jüngster Sohn mexikanischer Einwanderer geboren, wechselt er auf seinen Tracks sanft zwischen Englisch und Spanisch und ist damit Teil einer stolzen Generation Latinx Musiker*innen wie Kali Uchis und Cuco, die mit ihrer bi-kulturellen Mischung die amerikanische Popkultur neu für sich definieren. In einem interview sagt Omar Apollo dazu: „Als ich aufwuchs, gab es niemanden, der die mexikanische Kultur gewürdigt hat. Deswegen dachte ich immer, niemand würde mich ernst nehmen. Es ist cool, diese ganzen jungen Latinx-Künstler*innen zu sehen, die einfach ihr Ding machen“

Der Musiker bedient sich aber auch an der musikalischen Vielfalt des lateinamerikanischen Raums. Etwa auf Uno Dos Nueve, einem gitarren-lastigen mexikanischen Corrido, auf dem er seinen eigenen kleinen amerikanischen Traum nachzeichnet: Früher kein Geld für Essen, jetzt dafür Balenciaga Schuhe und Prada Jacke. Live hat Apollo den Song das erste Mal zusammen mit der L.A. Philharmoniker am Solidarity for Sanctuary Festival präsentiert, das Awareness und Solidarität für Schwarze und Latino-Communities in den USA kreieren soll.

Die Albumpräsentation von Apolonio fand coronabedingt als Livestream direkt aus dem Paisley Park statt. Im ehemaligen Wohn- und Arbeitssitz seines größten Idols Prince gab er in einer eineinhalbstündige Show sein bisheriges musikalisches Vermächtnis zum Besten - inklusive seiner Lieblings-Nummern des 2016 verstorbenen Gastgebers.

An die stimmliche Bandbreite des Superstars kommt der 23-Jährige Omar Apollo zwar noch nicht ran. Mit seinem individuellen musikalischen Mix und seinen smoothen Tanzeinlagen in weißen Boots und lila Samt-Anzug überzeugt er aber mit seinem ganz eigenen Charme.

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