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Kaffee und Schreibutensilien am Schreibtisch

CC0 via Pixabay

Nicht mehr zeitgemäße Tricks bei Bewerbungsgesprächen

Beim Bewerbungsgespräch bekommt man nicht zufällig eine Tasse Kaffee angeboten. Doch in Pandemie-Zeiten müssen sich auch die HR-Branche neue Tricks einfallen lassen.

Eine Kolumne von Todor Ovtcharov

Die HR-Experten dieser Welt haben sich ganz unterschiedliche Tricks ausgedacht, um unsere psychologische Bereitschaft, in Teams zu arbeiten zu überprüfen. Vielleicht habt ihr die Geschichte gehört, dass eine renommierte amerikanische Buchhaltungsfirma den Jobkandidaten Kaffee angeboten hat. Nach dem Ende des Jobinterviews wurden sie beobachtet, ob sie ihre Tassen selber abwaschen oder sie einfach auf dem Tisch stehen lassen. Wenn sie sie selber abgewaschen haben, dann wurden sie angestellt, da sie Verantwortungsbewusstsein demonstriert hatten.

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Es ist unklar, was passiert, falls ein/eine Interviewte sich entscheidet, alle Kaffeetassen im Büro selbst abzuwaschen. Wird er oder sie dann zum Hauptbuchhalter/in oder offizielle/r Geschirrwäscher/in der Firma? Die zweite Frage, die in mir sprudelt ist, was passiert mit den Kandidaten, die keinen Kaffee trinken möchten? Haben sie auch Chancen auf den Job? Am Interessantesten wäre, wenn der Kandidat oder die Kandidatin über Wahrsagerqualitäten verfügt, gerne türkischen Kaffee trinkt und nach dem Jobinterview im Kaffeesatz die Zukunft lesen möchte.

Was würde passieren, falls der oder die Kandidatin im Kaffeesatz ein Engelchen sieht, das Mandoline spielt und er oder sie verkünden mag, dass das sicherlich bedeutet, dass die Frau des Firmenchefs vom Personalchef schwanger ist und der Personalchef sich jetzt einen neuen Job suchen muss. Wird der/die Wahrsager/in dann angestellt?

Das ist, liebe Leser*innen, momentan komplett egal. Denn heutzutage werden alle Jobinterviews online durchgeführt. Alle Tricks der Jobinterviewführung sind jetzt überflüssig. Der Traum davon, wie wir die korporative Leiter von einer Zelle im Großraumbüro bis zum eigenen Büroraum mit unserem Namen an der Tür hochklettern, wurde von der Pandemie unterbrochen. Oder kann man uns online während eines Jobinterviews bitten, mittels Webcam einen Blick in unsere Küche zu werfen? Wie schaut wohl das Küchenwaschbecken einer Mutter aus, die ihre zwei Kinder zu Hause betreuen muss, während sie im Homeoffice arbeitet? Die Strategie mit der Kaffeetasse ist eindeutig nicht mehr zeitgemäß.

Vielleicht haben HR-Experten neue Strategien entwickelt, die man lernen muss. Macht euch ruhig einen Kaffee und trinkt ihn sorglos aus. Die Tasse müsst ihr nicht sofort abwaschen. Außer ihr leidet unter Verfolgungswahn und ihr glaubt, dass man euch ständig durch die Webcam überwacht.

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