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Messdiener zeichnet Gottesdienst auf

Kenzo TRIBOUILLARD / AFP

Priester im Lockdown: „Wir versuchen eine Couchkirche hinzukriegen“

Priester sind einer der Berufsgruppen, die besonders viel mit Menschen zu tun haben. Damit sie nicht zu Superspreadern werden, hat sich auch in der katholischen Kirche vieles ins Internet verlagert oder musste ganz abgesagt werden. Priester Richard Hansl hat erzählt, was er zurzeit am meisten vermisst.

Von Diana Köhler

Neben Theater, Kinos und Restaurants mussten auch Gotteshäuser während dem zweiten Lockdown schließen. Also Moscheen, Synagogen und auch katholische Kirchen. Auch in anderen Ländern war das so, zum Beispiel in Frankreich. Aber da hat es öffentliche Proteste gegeben, der Erzbischof hat dort sogar Einspruch beim Staat erhoben. in Österreich wird der Lockdown von geistlicher Seite eigentlich recht friedlich hingenommen.

Einfach ist es natürlich trotzdem nicht, sagt Richard Hansl. Er ist Kaplan in der Pfarre Ober St. Veit in Wien Hietzing. Ein Kaplan ist sowas wie ein Hilfspfarrer, der noch nicht ganz alleine für eine Pfarre verantwortlich ist. Nach 8 Jahren Ausbildung ist Richard Hansl 2019 zum Priester geweiht worden. Auch wenn jetzt im zweiten Lockdown Vieles technisch einfacher ist, ist es schon komisch, fast alleine in der großen Kirche zu stehen, sagt er. Neben ihm sind da nämlich noch ein Musiker, eine Technikerin, ein Messdiener, aber nie mehr als sechs Leute.

Porträt Richard Hansl

Gerald Neugschwandtner

Richard Hansl

Sozialer Anschluss fehlt

„Die Kirche hat seit dem ersten Lockdown einen technischen Quantensprung gemacht“, sagt Richard Hansl mit einem Grinsen im Gesicht. Mit einem einfachen Stream vom Handy hat es angefangen, inzwischen gibt es mehrere Kameras und spezielle Tonaufnahmen von der Orgel. Das machen viele Gemeinden zurzeit so. „Ich sage immer, wir versuchen eine Couchkirche hinzubekommen“, sagt der Jungpriester.

Von den Zuseher*innen bekommt er sehr unterschiedliches Feedback. Es sei natürlich ein Unterschied, ob die Leute zu Hause mit ihren Familien sitzen, oder alleine. Für viele, besonders ältere, Menschen fällt dadurch der soziale Anschluss weg, den sie sonst verlässlich gehabt hätten.

Der Priester mit dem Gummihandschuh

Ein Priester hält nicht nur die Messe, in seinem Terminkalender stehen auch Besuche in Altersheimen oder Krankenhäusern. Zu seinen Aufgaben gehört auch das Sakrament der sogenannten „Letzten Ölung“ für sterbende Katholik*innen. Ein Priester ist also für manche derjenige, den sie als Letzten sehen, bevor sie sterben. Und jetzt trägt dieser Priester einen Ganzkörperanzug, Mundschutz und Gummihandschuhe.

Gerade in den letzten Stunden eines katholischen Menschen ist eine Berührung also essenziel. „Und jetzt ist da halt ein Gummihandschuh dazwischen. Da geht schon ein großer Teil an zwischenmenschlicher Wärme verloren, den viele Menschen in diesen Momenten bräuchten“, sagt Richard Hansl.

„Am Bore-out werde ich nicht sterben“

Abseits von der Messe läuft es so ab, wie in der Schule oder vielen Firmen: Sitzungen werden über Videochat gemacht, man versucht alles Organisatorische ins Internet zu verlagern und muss man sich doch einmal treffen, zum Beispiel für die Beichte, hält Richard Hansl die Abstandsregeln ein. Denn gerade eine so private Sache wie die Beichte möchte er nicht über Zoom abhalten, datenschutzrechtlich sei das einfach nicht sicher genug. Da trifft sich Richard Hansl lieber draußen im Pfarrhof. Dass der jetzt so leer ist, finde er schon sehr schade: „Diese Lebendigkeit der Kirche vermisse ich sehr.“

Aber fad wird dem Jungpriester nicht, auch nach der Arbeit: „Bisschen Netflix, bisschen lesen und die Hemden müssen auch gebügelt werden. Am Bore-out werde ich in diesem Lockdown nicht sterben.“

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Österreich befindet sich mitten im zweiten Lockdown. Ausgangsbeschränkungen rund um die Uhr, mit wenig Ausnahmen. Ein Lockdown mit Folgen, auch für die Arbeitsbedingungen in Österreich: Corona-Kurzarbeit, Kündigungen, Systemerhalter Jobs, Geschäfte mussten schließen und Fernunterricht. Wie hält es dein Arbeitgeber mit Homeoffice, Freistellungen und Kurzarbeit? Wir diskutieren über Arbeitsbedingungen im Lockdown. Am 24.11. ab 21:00, die Nummer ins Studio: 0800 226 996

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