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Radio FM4 | Michael Troll

Interview

2020 hat Österreich auf die internationale Surflandkarte gebracht

Diesen Frühling ist die größte künstliche Flusswelle Europas in Betrieb gegangen, in der Traun bei Ebensee. Sie hat nicht nur einigen Surfer*innen den Sommer gerettet, sondern auch die Riversurf-Community wachsen lassen. Projektinitiator Max Neuböck über sein erstes Jahr als Flusswellenbesitzer.

Von Simon Welebil

Dass in der Traun zwischen Bad Ischl und Ebensee gesurft wird, ist an sich nichts Neues. Über Jahre hat sich hier eine aktive Riversurf-Community entwickelt, die mit dem „Crown of the Traun“ auch einen eigenen Contest etabliert hat.

Doch die natürlichen Flusswellen in der Traun sind immer nur einige Wochen im Jahr surfbar gewesen, am besten im Frühjahr, zur Zeit der Schneeschmelze, weshalb sich einer der begeisterten Riversurfer der Region, Max Neuböck, Gedanken gemacht hat, wie er die Surfsaison hier denn verlängern könnte.

Das Resultat dieser Überlegungen gibt es seit Frühjahr 2020 in Ebensee zu bestaunen, die größte künstliche Flusswelle Europas, wenn nicht gar der Welt, zehn Meter breit, bis zu eineinhalb Meter hoch. Mit ihr hat Max Neuböck einigen heimischen Surfer*innen den Corona-Sommer 2020 gerettet, aber Österreich auch für internationale Surfer*innen interessant gemacht. Im Interview spricht er über sein erstes Jahr als Wellenbesitzer, den Andrang, die aktuelle Wintersaison und die Zukunft des Riversurfens in Österreich:

Surfer auf der Flusswelle in Ebensee

buero36.at

Max Neuböck beim „Einfahren“ seiner Welle im Frühjahr 2020

Simon Welebil: Max, als wir vor der Eröffnung über deine Welle geredet haben, hast du am Erfolg der Welle nicht gezweifelt, eher, dass dir die Arbeit über den Kopf wächst vor lauter Surfbegeisterten. Ist das eingetreten?

Max Neuböck: Ja, es ist definitiv so geworden, wie ich es mir vorgestellt habe, oder - ich will das eigentlich nicht so sagen - befürchtet habe. Aber die Arbeit war definitiv weit mehr als erwartet und die Welle hat voll eingeschlagen.

Was für Publikum ist denn in deinem ersten Betriebsjahr gekommen?

Das Publikum war ein Querschnitt der österreichischen Bevölkerung, würde ich sagen. Natürlich war der Anteil der surfenden Sunnyboys, die in den Tag hineinleben, ein bisschen höher, aber sonst quer durch die Bank: von 10 Jahren bis 75; von arbeitslos bis angestellt; aus Vorarlberg, dem Burgenland, Kärnten, Wien; Anfänger, Fortgeschrittene ganz egal.

Bilder vom Surfen auf der Flusswelle in Ebensee

Riverwave

Teilweise hat man gehört oder auf Social Media gelesen, dass es fast schon zu voll auf der Welle gewesen ist, stimmt das?

Im Sommer waren definitiv ein paar Tage dabei, wo es wirklich voll war. Wir haben einen Tag gehabt, da waren glaube ich 80 Leute im Lineup. Wir haben allerdings leider kaum Möglichkeit gefunden, wie man das anders regeln könnte. Wir sind mit den Öffnungszeiten ziemlich ans Limit gegangen von dem, was möglich ist. Schauen wir mal, wie das weitergeht.

Ich glaube das wird sich nächstes Jahr einpendeln. Einerseits, weil die Menschen wieder ins Ausland fahren dürfen, gerade in diesen Hauptstoßmonaten Juli/August, dass die dann wirklich woandershin fahren zum Surfen. Und was bei uns dieses Jahr einfach ein Nachteil war: Wir haben für Tagesgäste erst Anfang Juni aufsperren dürfen und dann waren halt gleich einmal alle da und die Hütte war bummvoll. Die zweite Saison fangen wir früher an. Wir fahren durch über den Winter. Und dann geht’s im März/April/Mai los, wo schon viele Leute kommen werden, die dann im Sommer nicht mehr jeden Tag kommen, sondern nur mehr zweimal in der Woche.

Du hast dich ja bisher immer gegen Zeitslots ausgesprochen, wie sie etwa auf der City Wave bei der SCS vergeben werden. Warum denn eigentlich?

Rein aus dem Grund, weil es sehr stressig für die Surfer ist. Insofern, weil dann genau zum richtigen Zeitpunkt kommen müssen und nur diese eine Stunde Zeit zum Surfen haben. 10 Minuten, bevor die Stunde vorbei ist, stehen schon die nächsten hinten im Nacken und warten darauf, dass sie rein kommen. Insofern ist die Situation mit Zeitslots auch nicht unbedingt entspannt.

Wir werden auch nächstes Jahr nur Jahres- und Tageskarten, bzw. Wochenend-Karten verkaufen, damit jeder surfen kann, der surfen will, auch spontan. Wahrscheinlich werden wir allerdings einzelne Stunden außerhalb der regulären Öffnungszeiten für solche Slots reservieren, aber nicht viel mehr als drei Stunden in der Woche. Es wird nicht unser gesamtes Geschäftsmodell auf Slots ausgelegt werden.

Die Welle ist jetzt der größte Surfspot in Österreich. Ist sie auch für internationale Surfer*innen eine attraktive Destination?

Ja, definitiv. Wir haben auch sehr viel Surferinnen und Surfer aus dem Ausland gehabt, aus Slowenien, Slowakei, Tschechien, teilweise auch aus Belgien oder aus Norwegen, einfach aus dem Grund, weil die Wahrscheinlichkeit, dass man bei uns surfen kann, bei 98% liegt, würde ich sagen. So eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass ich an einem Spot wirklich surfen kann, ist sehr selten, überall auf der Welt.

Sogar in Portugal, wo die Swell-Wahrscheinlichkeit relativ hoch ist, kann es passieren, dass von 3 Wochen Surfurlaub eine Woche flat ist.

Der andere Punkt, warum sehr viele Menschen aus dem Ausland herkommen, ist wahrscheinlich auch die Lage von unserer Welle, am Alpen-Nordrand, mitten in den Bergen, mitten in der Natur. Und wenn die Welle z.B. am Vormittag noch nicht offen hat, oder ich mit Familie unterwegs bin, dann ist natürlich das Alternativprogramm unglaublich bei uns. Ich kann an 5 verschiedene Seen fahren bei uns in der Ortschaft, kann auf 17 Berge gehen. Es gibt relativ viel Erlebnis auch rund um die Welle.

98% Surfwahrscheinlichkeit klingt sehr hoch, dabei sind heuer doch einige Tage mit Hochwasser dabei gewesen.

Genau. Wir haben tatsächlich heuer wieder einmal ein Jahr erwischt, wo es sehr oft einen sehr hohen Wasserstand geben hat. Insofern haben wir ungefähr 20 bis 25 Tage aufgrund von zuviel Wasser zusperren müssen. Wir haben im November jetzt einige Umbauarbeiten an der Welle durchgeführt, damit wir noch mal mehr Wasser verkraften können und so von den 25 Tagen, die wir zugesperrt haben, nur noch 10 Tage zusperren müssen und 15 durchbringen würden.

Wie ist das Feedback der Surfer*innen für die Welle gewesen?

Wie es bei Surfern halt so ist: Von nein, taugt ihnen nicht so, weil es nicht gar so druckvoll, nicht so steil, nicht so breit ist, wie sie es gern hätten. Andere waren voll begeistert, weil es so groß, so steil, so breit ist, das hätten sie so noch nie gehabt. Insofern quer durch die Bank.

Ist die Riversurf-Szene in Österreich durch die neue Welle gewachsen? Sind neue Surfer*innen dazugekommen?

In den ersten, zwei/drei/vier Wochen nach Eröffnung sind hauptsächlich Personen gekommen, die schon einen Bezug zum Riversurfen gehabt haben. Über den Sommer hat sich das dann allerdings ein bisschen gewandelt. Also für das Riversurfen in Österreich an sich ist die Welle definitiv eine Bereicherung. Wir haben sicher einige hundert Menschen zum Riversurfen gebracht, alleine heuer, die vorher noch keinen Bezug zu diesem Sport gehabt haben.

Wie viele Leute sind denn ungefähr gekommen?

Das ist relativ schwierig zu sagen. Ich kann es allerdings aufgrund der Haftungsausschlüsse ungefähr abschätzen. Personen, die surfen, waren es wahrscheinlich so 4.000-5.000.

Hat der Spot eigentlich die Erwartungen erfüllt, die du in ihn gehabt hast, vom Surfpotential her?

Definitiv. Wir haben ja gewisse Vorstellungen an die Welle und an den Spot gehabt, weil wir ein physikalisches Modell gebaut haben. Und die Erwartungen, die wir aufgrund des Modells gehabt haben, haben sie definitiv erfüllt. Wir haben jetzt nur ein paar Sachen dazugelernt, bzw. ein paar Sache sind in der Realität doch ein bisschen anders als im Modell. Jetzt im November, bei dem Umbau, haben wir noch ein paar Sachen korrigiert oder geändert, um dem Rechnung zu tragen. Und jetzt glaube ich sind wir sehr gut aufgestellt für die kommende Saison.

Du hast gesagt, dass euer Kanal in gewisser Weise ein Versuchskanal ist. Was habt ihr da alles herausgefunden?

Unser Kanal ist auf jeden Fall ein riesengroßer Versuchskanal. Ich glaube, viele Surfer, die bei uns waren, können das auch bestätigen. Meine Lieblingsbeschäftigungen ist mittlerweile fast nicht mehr das Surfen, sondern irgendwelche Holzstücke irgendwo in die Kanalwand reinzuschrauben und schauen, was mit der Strömung und was mit der Welle passiert.

Sprich ja, wir testen sehr viel im Kanal und wir probieren sehr viel Sachen aus, um die Welle anders zu machen, besser zu machen, vielseitiger zu machen. Und wir haben jetzt im letzten halben Jahr, wo wir offen gehabt haben, sehr viel gelernt über sehr kleine Sachen, die man einbaut und die dann sehr große Auswirkungen an der Welle haben.

Wir haben z.B. im August, September kleine Veränderungen an der Klappe gemacht und das war ein totaler Gamechanger. Seit den Änderungen wurde die Welle um Einiges besser. Das war echt nur eine Kleinigkeit, aber hat sich gut ausgewirkt.

Wie oft bist du in diesem Jahr eigentlich selber zum Surfen gekommen?

Ich zähl nicht mit. Im Sommer war es natürlich naturgemäß weniger, weil man so viel Arbeit gehabt haben. Aber gerade im Herbst und jetzt im Winter geh’ ich relativ oft. Also jetzt bin ich sicher drei/vier Tage in der Woche im Wasser.

Bilder vom Surfen auf der Flusswelle in Ebensee

Riverwave

Wie schaut’s im Moment aus. Es wird wieder gesurft, oder? Wer kommt zu dieser Jahreszeit noch?

Wir sind aufgrund der Gesetzeslage glücklich, dass wir unter Outdoor-Sportstätten fallen und die Welle für den Sport öffnen dürfen, für sonst leider nichts, sprich Gastronomie und so weiter, aber das genügt schon.

Was man definitiv über die Personen, die jetzt im Winter kommen, sagen kann ist, dass definitiv irgendwo ein Surfbezug vorhanden ist. So wirklich totale Anfänger kommen im Winter nicht.

Wie sind denn jetzt die Surfbedingungen?

Es ist bei uns so, dass in der Traun relativ wenig Wasser ist, weil an der Alpennordseite der Niederschlag seit eineinhalb Monaten ziemlich auslässt. Insofern ist die Welle in der Höhe und vom Druck her kleiner als normal.

Wir sind allerdings sehr verwundert, dass es überhaupt noch funktioniert, weil rein von unsere Berechnungen und rein von unserem Modell her, dürfte sie bei dem Wasserstand, bei dem geringen Durchfluss im Kanal, eigentlich nicht mehr surfbar sein. Aber es geht nicht mal so schlecht. Man muss natürlich ein bisschen gefühlvoller fahren, jetzt wo es nicht mehr so groß ist. Aber es geht immer noch. Man kann immer noch Acid-Drops machen. Three Sixties gehen genauso. Also ja, es macht auf jeden Fall Spaß.

D.h. es gibt jetzt Weihnachts-Surfsessions

Genau. Der dritte Lockdown ist für uns auch wieder teilweise vorteilhaft, weil wir als Outdoor-Sportstätte auch über den Jahreswechsel offen haben dürfen. Und das werden wir auch, sprich: Wir werden ab 24. Dezember bis 10. Jänner sehr wahrscheinlich durchgehend offen haben.

Was plant ihr denn für 2021?

Wir haben relativ viel coole Ideen, und wenn alles hinsichtlich Impfstoff und Pandemie so gut funktioniert, wie es sich darstellt, werden wir sicher im kommenden Jahr auch einen oder mehrere Contests auf der Anlage haben.

Auf jeden Fall planen wir auch zumindest eine Ein-Jahr-Jubiläumsfeier.

Ob der „Crown of the Crown 2021“ auf der Riverwave stattfindet oder an dem Ort, wo er bis jetzt immer war, oder eventuell in einer Kombination aus beiden, da diskutieren wir noch drüber. Schauen wir einmal, was auf uns zukommt.

Kommen in nächster Zeit eigentlich mehr künstliche Wellen auf uns zu?

Das Potenzial für mehr Wellen in Österreich ist auf jeden Fall da. Und es werden auch mehr Wellen kommen. Es ist allerdings nicht so, dass nächsten Sommer die nächste aufmacht und übernächsten Sommer die nächsten zwei. Weil der Prozess, eine Welle zu realisieren relativ lang und aufwendig ist. Sprich: Wir werden sicher die nächsten ein/zwei/drei Jahre in Österreich zumindest die einzige Welle dieser Art und Weise sein.

Ich glaube auch, dass wenn wir drei Wellen in Österreich haben, die Anzahl der Surfer noch einmal mehr explodieren wird, wie sie es jetzt schon macht. Wir brauchen definitiv mehr Wellen zum Surfen in Österreich.

Hast du auch schon Anfragen bekommen, andere Wellenprojekte zu unterstützen?

Ja, wir haben da und dort einzelne Anfragen bekommen bezüglich Unterstützung bei der Umsetzung von Projekten zu Flusswellen. Wir sind bei einigen Projekten involviert und dran, dass da eventuell eine Welle realisiert wird.

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