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Weezer "OK Human"

Warner Music

Weezer und ihr Kammerpop-Album „Ok Human“

Die US-Band Weezer hat mit „Ok Human“ ihr bereits 14. Album veröffentlicht. Eigentlich hatten Rivers Cuomo und seine Band ja an einem Heavy-Metal-Album gebastelt, aber schließlich wurde es ein Piano-Album mit Orchester. Vielleicht ist „OK Human“ gar die beste Weezer-Platte seit einer Weile.

von Eva Umbauer

Manchmal lügen 35 Millionen verkaufte Platten ja nicht. So viele Tonträger haben Weezer haben in ihrer Bandgeschichte seit den frühen 1990er Jahren verkauft. Dabei ist die US-Band rund um Rivers Cuomo immer wieder für Überraschungen gut. Und Cuomo, der gebürtige New Yorker, der mit 18 nach L.A. gezogen war, wollte schon nach dem allerersten Weezer-Album eine Pause. Er wollte nach dem Riesenerfolg von „Weezer“, das auch als „Blue Album“ bekannt und 1994 erschienen ist, lieber studieren, wurde sogar an der renommierten Harvard-Universität aufgenommen. All der recht plötzliche Erfolg, die ständigen Streitereien mit Bassist Matt Sharp... schließlich beschloss Rivers Cuomo aber doch, Weezer weiterzuführen.

Auch wenn das zweite Album, der 1996er Longplayer „Pinkerton“, erst kein großer Erfolg war, weder kommerziell noch bei den Kritikern, irgendwann wurde diese zweite Weezer-Platte zum Klassiker, zur vielleicht allerbesten Platte der Band überhaupt. Rivers Cuomo denkt daran, die Songs von „Pinkerton“ auf die Bühne zu bringen, sobald das möglich ist, nämlich zusammen mit den Songs vom ganz neuen Album der Band.

Beide Alben mit Streicherarrangements live on stage. Das neue hat ja welche, und „Pinkerton“ würde sich auch eignen, ebensolche zu bekommen, nach all den Jahren. Hört sich gut an, klingt rund. Überhaupt wirkt Rivers Cuomo rund dieser Tage, nicht rund an körperlicher Fülle, nein, gar nicht, sondern entspannt und happy. Dabei plagten ihn gerade Selbstzweifel, als er den Song „Bird With A Broken Wing“ schrieb.

„I´m a bird with a broken wing, but I still got a song to sing“, heißt es in „Bird With A Broken Wing“ vom neuen Weezer-Album. Rivers Cuomo fragte sich, ob er und seine Band noch relevant sind, schließlich wird er heuer 50 Jahre alt und hat schon so viele Platten gemacht mit Weezer. Nein, da ist noch immer viel Leben in diesem alten Hund, der gar so alt nun auch wieder nicht ist. Und der sich traut, jetzt mit Weezer Dinge zu tun, die er vorher nicht gemacht hätte, etwa die Sache mit dem Orchester.

Jetzt ein Orchester? Während der Pandemie? Nein, die Orchesterparts vom neuen Weezer-Album „Ok Human“ sind schon vor ein paar Jahren eingespielt worden, in den berühmten Abbey Road Studios in London. Weezer haben schließlich schon vor einigen Jahren mit „Ok Human“ begonnen. Als die Platte so ziemlich fertig war, kam aber eine Einladung zu einer großen Tour in den USA, einer Rock-Tournee mit Stars wie Green Day oder Fall Out Boy. Und genau zu der Zeit hatten Weezer geplant, ein Piano-Album mit Orchester veröffentlichen. Das schien nicht so eine gute Idee zu sein.

Kammerpop statt Heavyrock

Weezer "OK Human"

Warner Music

„OK Human“ von Weezer ist bei Atlantic erschienen. Im April wird dann „Van Weezer“, das „Hardrock“-Album der Band, veröffentlicht.

Also schnell her mit einer Art Heavy-Rock-Album. Es sollte „Van Weezer“ heißen, in Anlehnung an die US-Hardrock-Band Van Halen, und eine Hommage an den Heavy-Rock der 80er Jahre sein. Rivers Cuomo hatte in der High School eine Metalband. 2020 wären dann die großen Auftritte gewesen. Aber daraus wurden nichts, weil ja Corona ausbrach. Jetzt standen Weezer also wieder da - und mussten umdenken.

Einfach so dieses Heavy-Rock-Album herausbringen? Na, nicht so gut, dachten Weezer und beschlossen, zurück zu „Ok Human“ zu gehen. Brian Wilson und die Beach Boys und ihr legendäres „Pet Sounds“-Album als Einfluss statt „Jump“ von Van Halen. Das war eine gute Entscheidung, denn „Ok Human“ ist eine Platte, die nicht besser sein könnte für die aktuelle Zeit. Es ist eine nachdenkliche Platte, eine sehr persönliche, eine intime, eine weniger ironische als Weezer-Alben das gewöhnlich sind.

„All my favourite songs are slow and sad"
Weezer, "All My Favourite Songs“

Er sitzt unten am Klavier, kann nicht aufhören zu spielen. Die Frau und die Kinder sind oben. Seine Haare hat er seit drei Wochen nicht mehr gewaschen. Eigentlich stehen Interviews via Zoom an, aber er will nicht. Davon handelt der vom Musiktheater beeinflusste Song „Playing My Piano“.

Die Kids starren auf diverse Bildschirme, Vater Rivers verzweifelt manchmal ein wenig deswegen - in „Screens“ geht es darum. Er hört lieber Audio-Books, große Klassiker wie etwa „Die Früchte des Zorn“ vom US-Autor John Steinbeck: „Grapes Of Wrath“ nennt Rivers Cuomo diesen neuen Song von Weezer.

Der Albumtitel „OK Human“ ist eine Anspielung auf „OK Computer“ von Radiohead. „OK Human“ ist ein handgefertigtes Album. „It´s human music“, sagt Rivers Cuomo, und es geht um „sometimes complicated emotions“.

„Ok Human“ ist ein etwas exzentrisches Album voller Wärme, mit smarten Melodien und Refrains zum Mitsummen. „OK Human“ ist sentimental, aber letztlich nicht schmalzig. Auch Pomp gibt es keinen, trotz Orchester. Statt lauter Gitarren ist also das Klavier zu hören, und dazu eben die wirklich tollen Streicherarrangements. Aber auch Weezer-Drummer Pat Wilson ist recht präsent mit seinem Schlagzeug, das für manchen Geschmack hier etwas zu durchdringend ist, dennoch ist es letztlich gut, dass seine Drums auf „OK Human“ nicht ungenutzt bleiben. Bläser gibt es auch, etwa bei „Grapes Of Wrath“.

Weezer sind Brian Bell, Rivers Cuomo, Scott Shriner und Patrick Wilson. Immer wieder gibt es Gerüchte, dass Matt Sharpe zur Band zurückkehrt.

Es war die Idee von Producer Jake Sinclair - er ist etwa Musiker bei Beck oder Produzent von Bands wie Panic! At The Disco, Fall Out Boy oder 5 Seconds Of Summer -, dass sich Rivers Cuomo, der ja ein großer Fan von klassischer Musik ist, an ein Orchester heranwagt, und verstärkt am Piano komponiert anstatt mit der Gitarre. Es war eine gute Idee. Vorgeschlagen von Jake, angenommen von Rivers - die Songs flossen so richtig aus ihm heraus.

Keine Weezer-Powerpop-Songs, sondern Songs wie etwa die Ballade „Dead Roses“ oder „Numbers“, ein Support-Song für alle, denen gesagt wird, sie könnten dies nicht, oder das nicht, und überhaupt wären sie nicht geeignet: „They say that you’re too short to join the team, and your IQ’s too low for poetry, I hear the sadness in your laughter, so call on me and tell me what you need.“

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