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Band Portrait Ja, Panik

Max Zerrahn

Neue Musik von Ja, Panik, Avec, Mira Lu Kovacs, her tree u.v.m.

Wie es sich anfühlt, ohne Backup seinen Dämonen zu begegnen, trotz Krankheit einen zarten Popsong zu schreiben und wie man Trauer in ein berührendes Lied packen kann, das gibt es in Form von neuen Singles und Videos aus Österreich zu sehen und zu hören.

von Andreas Gstettner-Brugger

Die ganze Woche haben wir den FM4 Themenschwerpunkt zum psychischen Wohlbefinden „Where Is My Mind“ in unserem Programm. Da gibt es natürlich auch sehr viele Lieder, die sich mit den psychischen Problemen und Herausvorderungen der Welt und der Welt der Künstler*innen im speziellen auseinandersetzen. Meine Kollegin Alexandra Augustin hat da ein schönes Mixtape zusammengestellt. Mit dabei Lulu Schmidt mit „Happy And I Hate It“ und bei den Bonus-Tracks sind auch einige Songs aus Österreich aufgelistet, wie von Felix Kramer oder Avec.

Auch im Bereich Hip Hop gibt es einige Songs, die einen tristen Lebensalltag, Orientierungslosigkeit, Zukunftsängste und die damit einhergehenden psychischen Probleme thematisieren. Die beiden Rapper KIZMET und MDK alias MochDaKopf versuchen uns mit ihrer neuen Single „Fundament“ zu ermutigen, den Sprung zu wagen, Neues auszuprobieren und zu entdecken. So meint in einer Aussendung ihr Label Honigdachs zum Song:

„Der Track handelt von den Zweifeln und Ängsten, die einen dabei begleiten, aber auch von schon bewältigten Krisen und dem tiefen Urvertrauen, ohne das es den Sprung nicht gäbe.“

Ja, Panik - „Backup“

Die Exil-Berliner Ja, Panik haben ein neues Album angekündigt. Obwohl manche Fans schon befürchtet haben, die Band würde sich auflösen, kommen sie jetzt nach sechs Jahren musikalischer Pause mit einem neuen Album zurück, das „Die Gruppe Ja, Panik“ heissen soll. Nach der bisherigen, großartigen Single „Apocalypse Or Revolution“ legen sie mit der eher zarten und entspannten Nummer „Backup“ nach. Und auch hier geht es um das Ende der Welt, das jeder gerne für sich beansprucht haben möchte.

Es ist ein alter Text, den Andreas Spechtl wieder ausgegraben hat und der während der zwangsweisen Lockdown-Isolation im Burgenland im alten Haus plötzlich wieder da war. Einmal mehr wird hier den eigenen Dämonen begegnet und man wundert sich über ihre Gastfreundschaft. Ein hypnotisches Lied, das in seiner atmosphärischen Gelassenheit sowohl ein Gefühl der dunklen Sehnsucht als auch der hellen Hoffnung aufkommen lässt.

Avec - „I Don’t Pray“

Die Oberösterreichische Sängerin Miriam Hufnagl alias Avec hat uns letztes Jahr ihr wundervolles Album „Homesick“ geschenkt. Darauf thematisiert sie auch immer wieder ihre psychischen Belastungen und verarbeitet diese in tiefgründigen und auch hoffnungsvollen Songs. Die neue Single „I Don’t Pray“ entstand aus einem Schicksalsschlag. Ein Song, der den plötzlichen Tod ihres Onkels thematisiert.

Eigentlich wollte Avec den Song ursprünglich gar nicht veröffentlichen. Jetzt hat sie sich jedoch dazu entschlossen, uns an ihrer musikalischen Trauerarbeit teilhaben zu lassen. Mit der Kernzeile „No, I don’t pray, but tonight I do“ und der intimen, ruhigen musikalischen Umsetzung hat Avec ein Lied geschaffen, in das man sich sofort einfühlen kann. Und sie ermutigt uns damit auch, über schwere Phasen im Leben hinwegzukommen: „Hey it’s okay, I’ going to be okay without you“. Gefühlvoll umgesetzt mit dem sehr intensiven, bildstarken Video von Daniel Hager.

Mira Lu Kovacs - „Stay A Little Longer“

Mira Lu Kovacs ist wohl die begnadetste Sängerin Österreichs. Und das schon seit einigen Jahren. Der Erfolg gibt ihr Recht: Mit ihrer Band My Ugly Clementime bekam sie gerade den IMPALA „Independent Album of the Year“ Award. Mit 5K HD hat sie mehrere Amadeus Award Nominierungen eingeheimst und jetzt beweist die einfühlsame Sängerin mit ihrem wahrscheinlich persönlichsten und ehrlichsten Songmaterial nicht nur ihre musikalische Größe.

Das neue Album unter ihrem Namen Mira Lu Kovacs wird Ende März erscheinen und den Titel „What Else Can Break“ tragen. Diese Textphrase kommt auch in der neuesten Single „Stay A Little Longer“ vor. Ein Song, den sie geschrien hat, während sie an Covid19 erkrankt war, wie sie erzählt. Um die Ideen nicht zu vergessen, die ihr während sie im Bett gelegen ist eingefallen sind, hat sie die Mikrophone nah zu sich gerückt, um Skizzen aufzunehmen. Es ist ein Song über die Erkenntnis, dass schlussendlich niemand einen retten oder heilen kann, außer man sich selbst. Durch Selbstliebe. Ein zentraler Song des Albums, auf das wir sehr gespannt sind.

her tree - „Upside Down“

Sängerin Alexandra Cumfe liebt es, in der Natur zu sein und die Klänge des Waldes und der Tiere aufzunehmen. Rund um diese Natureindrücke schreibt sie mit ihrem Projekt her tree atmosphärische Elektro-Pop-Songs. Unterstützt wird sie dabei von Produzenten Maximilian Spindler. Der Kontrast von Natur und moderner Technik ist dabei für die Künstlerin das Spannende. Dafür hat sie sich viel Zeit genommen und innerhalb von zwei Jahren eine Fieldrecording-Datenbank angelegt. Mit Aufnahmen von ihren Reisen aus Polen, Österreich, Slowenien und sogar aus Thailand.

Die neue Single „Upside Down“ thematisiert, dass sich unsere Welt auf den Kopf gestellt hat. Und dass es manchmal notwendig ist, loszulassen, um neu zu starten. Innerhalb nur vier Tagen gab es für das großartig animierte Video von Lara Frank über 12.000 Likes. Völlig zurecht. Das Debüt von her tree soll übrigens noch im Frühling erscheinen.

Son Of The Velvent Rat - „When the lights go down“

Auch Son Of The Velvet Rat waren in der letzten, schwierigen Zeit nicht untätig und kündigen für März ihr neues Album „Solitary Company“ an. Wie gewohnt schwelgt die Band rund um Sänger und Songschreiber Georg Altziebler, der in den USA und Österreich lebt, in amerikanisch beeinflusstem Folk-Noir. Auch Gospel-Anleihen sind bei manchen Songs herauszuhören, wenn wie bei dem neuen Stück „When The Lights Go Down“ der Backgroundgesang einsetzt.

Das Video von Gordon Clark ist ein richtig schöner Film geworden zu dem Son Of The Velvet Rat schreiben:

"This song is a film noir — murder ballad from the perspective of a patron sitting at the bar at Landers Brew, the local watering hole in the little high desert-community of Landers/California. It’s not clear who the victim is here, and who’s not. The only certainty is conveyed in the title: ‚We’re all the same – When the lights go down.’“

Auch noch gut und gut zu wissen

  • Er ist ein feinfühliger und wundervoller Singer/Songwriter. Gregor Eska hat auch mit seiner neuen Single „Lazarro“ einen eindrucksvollen, sanften, sehr akustischen, intimen und gleichzeitig eindringlichen Song geschrieben, inspiriert von Alice Rohrwacher’s Film „Lazzaro felice“.
  • Die Band Wallners waren hier vor kurzem FM4 Act Of The Day und sind eine der spannendsten Bands derzeit. Denn auch die neueste Single „All Again“ beweist als eindrucksvolle Popballade über den Versuch eines Beziehungsneustarts das internationale Niveau der Geschwisterband.
  • Das heimische Label Duzz Down San veröffentlicht immer wieder geniale beatlastige Musik. So wie die der neuen Produzenten-Crew von Mirac und Sebasi808 namens Vorsicht. Sie haben sich mit Miss BunPun (ehemals Misses U) zusammengetan für den Track „100%“. Da haben sie echt alles gegeben. Dementsprechend ist es ein hundertprozentig fettes Groove-Monster geworden.
  • Der Musiker Freude hat sich mit seiner neuesten Single „Sterne von Marakesh“ dem sehr schwierigen Thema Gewalt gegen Frauen angenommen. Leider basierend auf einer wahren Geschichte, versucht der Musiker Freude die damaligen Erlebnisse zu verarbeiten.

FM4 Soundpark Weekly

In dieser wöchentlichen Rubrik servieren Lisa Schneider und Andreas Gstettner-Brugger musikalische Häppchen aus Österreich. Neue Bands und Songs, Videos und Konzerthighlights quer durch den stilistischen Gemüsegarten.

  • Ob das neue, unabhängige Elektro-Duo aus Wien ZACK ZACK ZACK ihren Namen wohl irgendwie in politischer Dimension gewählt habt? Egal, sie liefern uns mit der Single „Bütün“ einen wirklich coolen Track ab, der ein bisschen orientalisch und düster klingt und mich entfernt an die große Kunstrupper Laibach erinnert.
  • Die wunderschöne, orchestrale Version von „No Tomorrow“ von Camo & Krooked, die sie mit Komponisten Christian Kolonovits gemacht haben, gibt es jetzt hier zu sehen. Ebenso wie ein Making Of der Rework EP.
  • Entspannten Neo-Soul und trockene Beats liefert Savi Kaboo mit ihrer neuen Single „Ask me“. Der Song der jungen, österreichischen Rapperin ist von ihrem Album „Afterglow“, das Ende letzten Jahres erschienen ist.
  • Das Wiener Trio Löven hat für den Sommer ihr Debüt angekündigt. Einen Vorgeschmack darauf gibt’s mit der neuen Single „1000RR“, in der die Frage nach dem Glück in der Beziehung gestellt wird. Ob da 1000 rote Rosen noch helfen können?
  • Musiker und Produzent Gerhard Potuznik alias The Happy Sun hat sich diesmal den altgedienten Indie-Heroen Sisters Of Mercy gewidmet und ihren Song „Giving Ground“ gecovert. Eine verhältnismäßig frisch und fast schön fröhlich klingende Version ist daraus geworden, für die er sich auch Cherry Sunkist ins Studio geholt hat.
  • Letzten Donnerstag hat Lisa Schneider im FM4 Soundpark Neues vom Restless Leg Syndrom, Granada und Ebow vorgestellt. Auch die Rapperin Verifiziert und Crag Ignaz sind zu Wort gekommen.
  • Und in der Sonntagnacht hat Alexandra Augustin das Album von Conny Frischauf vorgestellt, sowie das FM4 Geburtstagsfest 2021 nochmal Revue passieren lassen.

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