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"Magic: The Gathering Arena"

Wizards of the Coast

„Magic: The Gathering“ ist nun auch ein gutes Computerspiel

Es hat rund 25 Jahre gedauert, bis „Magic: The Gathering“, die Mutter aller Sammelkartenspiele, auch erfolgreich als Computerspiel umgesetzt worden ist. Die Konkurrenz war an dieser Dynamik maßgeblich beteiligt.

Von Robert Glashüttner

Wenn man eine Sache gewohnt ist, tut man sich schwer, ein paar Schritte zurück zu machen. Nostalgische Gefühle können stark sein, doch in der Praxis fährt man doch lieber ein modernes Auto als einen Oldtimer, nutzt eine Waschmaschine statt einer Rumpel und tippt auf einem neuen Laptop anstatt auf Papas altem PC.

Bei Spielen und Computerspielen verhält es sich genauso. Schon mal probiert, ein in der Erinnerung tolles Game von vor 25 Jahren heute wieder zu spielen? Selbst, wenn es sich gut gehalten hat, stößt man dabei dann unweigerlich immer wieder auf Dinge, wo man sich fragt: Was haben die sich damals dabei gedacht?

Früher war alles komplizierter

Ich habe 2014 mein erstes Sammelkartenspiel gespielt: „Hearthstone“. Bis heute ist es mein Hauptspiel, also jenes Game, das ich am meisten und seit Jahren mehr oder weniger regelmäßig spiele. Das Design von „Hearthstone“ war und ist für mich die Blaupause, an der ich alle anderen, ähnliches Games messe. Natürlich ist mir bewusst, dass das Spiel eine Quasi-Adaption und Hommage der Urmutter aller Sammelkartenspiele ist: „Magic: The Gathering“. Irgendwann habe ich es dann mal doch gewagt, die paar Schritte zurückzugehen. Ich habe „Magic“ gespielt - und es war eine lehrreiche, erstaunliche und auch seltsame Erfahrung!

Es ist eine Sache, über Pionierarbeiten (egal, aus welchem Bereich) in Büchern oder Ausstellungen zu erfahren oder sie selbst zu probieren. Klar, Geschichte ist wichtig, aber muss ich da auch wirklich selbst Hand anlegen? Aber, aber, nicht so schüchtern. Zugegeben, ein bisschen komplizierter ist „Magic“ schon. Wobei: Eigentlich ist es fast dasselbe, mit dem markanten Unterschied, dass bei „Hearthstone“ vieles nahezu unbemerkt im Hintergrund abläuft, das bei „Magic“ transparent im Vordergrund steht. Nehmen wir zum Beispiel die Spielzüge: In „Magic“ bin ich nicht einfach nur an der Reihe, sondern es gibt eine eigene Zugstruktur: Die Untap-Phase, die Upkeep-Phase, First Main, Second Main ... bitte, was?! Macht nichts, das werde ich schon noch lernen.

"Magic: The Gathering Arena"

Wizards of the Coast

Gegenseitige Befruchtung

Seit „Hearthstone“ ab 2014 die Welt der Sammelkartenspiele einerseits zugänglicher gemacht hat und sie andererseits erfolgreich als Computerspiel verortet hat, ist auch das Universum von „Magic“ nicht mehr dasselbe. Obwohl anfangs viele langjährige Spieler*innen über „Hearthstone“ die Nase gerümpft haben, wurde auch ihnen ein paar Jahre später die Relevanz des Neuankömmlings bewusst. Davor hat es die „Magic“-Herstellerfirma Wizards of the Coast nämlich trotz vieler Versuche jahrelang (jahrzehntelang!) nicht zuwege gebracht, ihr Sammelkartenschwergewicht erfolgreich als Computerspiel zu adaptieren. Die früheren Games waren wahlweise den originalen Fans zu oberflächlich, den Uneingeweihten zu sperrig, oder beides gleichzeitig.

Ende der 2010er Jahre, mit „Hearthstone“ am Tapet und einem deutlich gesteigerten Interesse an Sammelkartenspielen - egal, ob analog oder digital -, wurde klar, dass jetzt der Zeitpunkt gekommen war, wo auch „Magic“ endlich reif für eine wirklich gute Computerspielumsetzung ist. Es war die Geburtsstunde von „Arena“, das sich seit circa einem Jahr endgültig etabliert hat und die zwei vormals getrennten Gruppen - die frühen Spieler*innen und die neuen Fans - erfolgreich zusammengeführt hat. „Arena“ lässt nichts weg, vereinfacht - auf Wunsch - aber auch vieles. Dass diese Balance nun gemeistert wurde, ist bemerkenswert, denn je älter eine Spieleserie wird, desto schwieriger ist es, die vielen verschiedenen Spieler*innen-Communities, die sich im Laufe der Jahre entwickelt haben, zusammenzuhalten bzw. allen ein gutes Spielerlebnis zu bieten.

„Magic Arena“ ist zwar für Anfänger*innen immer noch kein einfaches Spiel, aber intuitiv genug, dass man nach ein paar Stunden die Basics gut begriffen hat. Die sind natürlich immer noch dieselben: Es gibt Karten in fünf verschiedenen Farben; die beiden Spielenden ziehen und spielen abwechselnd aus ihren selbst zusammengestellten Decks und versuchen, durch Kreaturen und Zaubersprüche zu gewinnen. „Magic Arena“ ist mittlerweile mit der physischen Urversion von „Magic“ synchronisiert, sprich: Updates, Erweiterungen und neue Karten erscheinen mehr oder weniger zeitgleich da wie dort.

„Magic: The Gathering Arena“ ist für Windows, MacOS und Android erhältlich und frei spielbar. Die iOS-Version soll demnächst folgen.

Der Nachteil der digitalen „Magic“-Version: Man sitzt nicht gesellig nebeneinander im selben Raum und spielt (was Covid-bedingt derzeit aber ohnehin weiterhin schwierig ist). Der Vorteil der digitalen Version: Hier ist es nicht nötig, die Karten in den sogenannten Booster-Packs zu kaufen, denn in „Arena“ kann man sie sich auch erspielen. Zwar konfrontiert einen das Game von Anfang an mit Paywalls, doch lässt man sich davon nicht schrecken, stellt sich bald heraus, dass kostenfreies Spielen ohne Probleme möglich ist.

Gesellschaftspolitische Verantwortung

Durch den anhaltenden Boom von Sammelkartenspielen ist auch der Klassiker „Magic: The Gathering“ nun wichtiger als je zuvor. Weil aber viele Karten mittlerweile in die Jahre gekommen sind, ist es auch wichtig, gesellschaftspolitische Statements zu setzen - Stichwort Inklusion. So wurde etwa vor kurzem ein nicht-binärer Planeswalker (eine der mächtigsten Kreaturtypen in „Magic“) eingeführt. Darüber hinaus sind auch schwarze Figuren aus dem „Magic“-Universum erst vor Kurzem mehr ins Zentrum des Spieles gerückt worden.

"Magic: The Gathering Arena"

Wizards of the Coast

FM4 Spielekammerl-Show: „Magic“-Special!

Heute (Donnerstag, 25. Februar) spielen wir in der FM4 Spielekammerl-Show monothematisch „Magic: The Gathering Arena“. Weil ich darin selbst noch Anfänger bin, haben wir uns als Gast einen Experten ins Boot geholt, und zwar Andreas Thaller, Gamesredakteur beim freien Radio Orange und langjähriger „Magic“-Spieler. FM4-Redakteur Chris Stipkovits wird auch dabei sein und mit Fragen reingrätschen, wenn Andreas und ich uns zu sehr in Fachgespräche verwickelt sollten. Schaltet rein und chattet mit! Die Spielekammerl-Show ist durchgehend live von 17 bis 21 Uhr.

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