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Flirtmachine

Anna Gerstendorfer

fm4 soundpark weekly

Neues von Flirtmachine, Sigrid Horn & der traurige Gärtner, Earl Mobley u.v.m.

Schmusen, flüstern, wegwischen: die österreichische Musikwoche im Überblick.

Von Lisa Schneider

Albumcover "What Else Can Break" von Mira Lu Kovacs

Play Dead/Ink Music

Vielleicht hat Mira Lu Kovacs mit „Stay A Little Longer“ den schönsten Song ihrer Karriere geschrieben, zumindest ist er - nach Eigenaussage - das Herzstück ihres gerade veröffentlichten Soloalbums. Eine musikalisch reduzierte Fahrt in die tiefsten Ecken von Herz und Hirn, treffsicher formuliert und gesungen, wie es aktuell nur Mira Lu Kovacs schafft. „What Else Can Break“ ist nicht umsonst eine Zeile dieses erwähnten, besten Liedes, es gibt dem Album den Titel.

Von Herz und Hirn zu Herz und Herz: Hearts Hearts haben ihr neues, drittes Album veröffentlicht, es heißt „Love Club Members“. Irgendwo zwischen Autotune, Beach Boys und 70er-Jahre-Anzügen, auf die unser aller Eltern wohl neidisch starren würden, sind sie galant ins Studio 2 spaziert und haben dort eine FM4 Session für euch aufgenommen. OSKA war der Ehrengast am Mikro.

Außerdem gab’s zum Albumrelease auch noch ein neues Video zur Single „Naked“. Es beweist, dass in besagten Anzügen sogar Badminton gespielt und auf Bäumen herumgelegen, herumgehangen werden kann. Guter Aufruf, den man dem verliebten Gegenüber eigentlich immer zurufen kann: „Let us find a boring place“. Die Gefühle kümmern sich um die nötige Wildheit.

Flirtmachine - „Whisper“

Wer ihn verpasst hat, einen der besten Songs des letzten Jahres, er sei hier noch einmal erwähnt: „Lovers“ heißt er und kam von der jungen Salzburger Band Flirtmachine. Es ist eine Band, auch wenn Sänger, Schreiber und Gitarrist Robert Gerstendorfer die Strippen zieht und auch die Ideen hat. So wie beim jüngsten Release „Whisper“. Da war auf einmal ein Gitarrenriff da, zu gut, es nicht in ein Lied zu verpacken. So ist es: „Whisper“ basiert auf fünf Tönen, die sich in scheinbarer Endlosschleife wiederholen. Es braucht manchmal nicht mehr. War besagte Single „Lovers“ noch im Rotz und liebevollen Schrammelpunk der frühen The Cure verankert, geht’s auf „Whisper“ aber ruhiger, behaglicher und psychedelischer zu. Ein paar Länderecken weiter, in Tirol, könnte das der Band MOLLY sehr gut gefallen. Wo MOLLY sich aber in sieben bis zehnminütige Shoegaze-Monster hineinsteigern und -spielen, arbeiten Flirtmachine entlang der schlanken Linie eines klassischen Popsongs: eine gute Lösung, auch dieses Genre mehr der breiten Fläche an Zuhörer*innen zuzuführen.

Sigrid Horn & der traurige Gärtner „Ned echt“

„Es ist das wichtigste Musikvideo, das ich jemals gemacht habe, und auch das schönste und hochwertigste meiner bisher 32 veröffentlichten Musikvideos geworden“ schreibt der traurige Gärtner in einem Mail and die FM4-Redaktion. Das klingt vielversprechend und ist es auch. Er hat sich mit Sigrid Horn zusammengetan und gemeinsam das Lied „Ned echt“ aufgenommen. Da treffen Gegensätze aufeinander, den Gärtner kennen wir normalerweise so gar nicht traurig sondern eher laut, schrill und lustig. Sigrid Horns Musik ist der sanfte Gegenpart, und in „Ned echt“ vereinen sie ihre Stärken, Vorstellungen und gemeinsamen Ansichten. Das Video ist groß und so die Inhalte: Es geht um toxische Maskulinität und was passiert, wenn diese auf Ablehnung stößt, es geht um psychische und physische Gewalt gegen Frauen.

Skofi & Skyfarmer - „WischWeg“

Stefan Trischler hat letztwöchig an dieser Stelle schon auf Skofi & Skyfarmer hingewiesen. Das Video zum Lied „WischWeg“ ist so schön downtempo-smooth und in DIY-Ästhetik gestaltet, es muss hier noch ein größeres Plätzchen bekommen. Deutschrap und House, das ist der Frühfrühlingssoundtrack, der die kommende EP „0.02“ ankündigt.

Earl Mobley - „Stay“

Gut und irgendwie gut verschmust, so haben wir Earl Mobley mit seiner ersten EP und Liedern wie „Cuddle Me“ oder dem hervorragenden „For You To Hide“ kennengelernt. Konstantin Heidler spielt, singt und schreibt sonst für die Wiener Gitarrenliebhaber Vague, sein Soloprojekt hat er letztes Jahr gestartet. „Stay“ heißt die neue Single, zu der es jetzt auch ein Video gibt. Es macht das Lied gleichzeitig schöner, gruseliger und trauriger. So, wie gute Videos eben arbeiten.

My Friend Peter - „Within“

Der Rausschmeißer des Tages kommt aus der psychedelischen Ecke. My Friend Peter veröffentlicht seine Musik genretechnisch passend am Label Numavi, zum schon älteren Lied „Within“ gibt’s jetzt ein Video. Dafür hat er sich mit dem in Kalifornien geborenen und aufgewachsenen, mittlerweile in Wien lebenden Filmemacher Kevin Pham zusammengetan. Der hat unter anderem auch schon sehr gute Videos für Culk oder DIVES gedreht.

Auch noch gut und gut zu wissen

  • Wem der Name Gran Bankrott tatsächlich noch gar nichts sagt, der muss nicht viel tun, nur das neue Video zur Single „Tanzbein“ anschauen. Darin gibt’s Referenzen querbeet durch die Gran Bankrott-Karriere. Und natürlich mit all den über die Jahre entwickelten Alter Egos.
  • Knallt gut, diesmal auch ohne Grimes-Vergleich: Anthea hat ihre neue, technoid-fiebrige Single „XEA“ veröffentlicht. Sie ist gleichzeitig der Titeltrack ihrer ersten EP, und die kommt bald.
  • Wenn er nicht gerade einer unendlich langen Liste an anderen österreichischen Acts seine Produktions- und überhaupt musikalischen Skills borgt, macht Marco Kleebauer gern auch noch selbst, allein, Musik. Sogar mit eigener Stimme.

FM4 Soundpark Weekly

In dieser wöchentlichen Rubrik servieren Lisa Schneider und Andreas Gstettner-Brugger musikalische Häppchen aus Österreich. Neue Bands und Songs, Videos und Konzerthighlights quer durch den stilistischen Gemüsegarten.

  • Ende April werden KIZMET & MDK via Honigdachs ihr Album mit dem vielsagenden Titel „Odyssee“ veröffentlichen, zuvor gibt’s noch eine Videosingle mit einem Kreiml & Samurai-Feature. „Nächster Schluck“ heißt das gute Stück, und vor allem das Video ist voyeuristisch-gut an diverse Dokus auf diversen österreichischen Privatsendern angelehnt. Gasthaus am Land, der Raika-Kalender an der Wand, das Bierglas ist meist voll, der Aschenbecher auch. Ein Sittengemälde.
  • Singer-Songwriter Wenzel Beck hat sich den großen Saal des Wiener Konzerthauses gemietet, ein Mikro und eine Kamera (für einen One-Take) aufgestellt und sein Lied „Ohne Angst“ so ganz puristisch neu und live aufgenommen.
  • Let’s bury shadows“ singen Please Madame an ihren Indiegitarren, es geht ums Niederbrennen von Demagogie, Xenophobie und dem restlichen Unrat, den die moderne Gesellschaft halt so mitschleppt.
  • Wir bleiben im Fahrwasser Indiepop. Na gut, ein bisschen Funk und Trompete noch dazu, und schon sind wir beim neuen Song von Color The Night, er heißt „Head Over Heels“.
  • DJ und Produzent Testa hat gemeinsam mit Mo Cess letzten Freitag eine gemeinsame EP „Lamo“ veröffentlicht, sie erscheint via Duzz Down San. Und die Einladung ist gut: „Von vorne bis hinten durchhören = 1 nices Erlebnis, so wie eine Viertelstunde Kettenkarussell fahren … versprochen“.
  • Die Parramata-Familie wächst: das Label, bei dem mittlerweile Acts wie Hearts Hearts oder OSKA zuhause sind, hat mit der jungen Singer-Songschreiberin helianth eine weitere Künstlerin im Roster. Ihre erste Single heißt „sounds and shapes“.
  • Ein Lied, um euer aller Arsch hochzukriegen: Toby Whyle veröffentlicht mit „Pity“ seine dritte Single, der Drive ist gedrosselt, aber die Aussage klar. Selbstmitleid hat zwischen all den Gitarren keinen Platz.
  • Letzten Donnerstag im Soundpark haben wir eine exklusive FM4 Session von Hearts Hearts gehört, wir wissen seither, wie das neue Solo-Album von Mira Lu Kovacs und die neuen Lieder von u. a. Flirtmachine, Anthea oder Flora Fauna klingen.
  • Und in der Sonntagnacht mit Alex Augustin gab’s ein Interview mit Julia Lacherstorfer zur aktuellen Platte „Spinnerin“ und unter anderem neue Musik von Hearts Hearts, pauT oder Mira Lu Kovacs.

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