FM4-Logo

jetzt live:

Aktueller Musiktitel:

Hot Summer Nights, Timothée Chalamet, Alex Roe

A24

„Hot Summer Nights“ & „The Kid Detective“ sind zwei Filme mit fragwürdigen Protagonisten

Zwei Filme, die auf Neo-Noir-Elemente setzen, sind jetzt hierzulande zu sehen. Dabei handelt es sich um den Coming-of-Age-Film „Hot Summer Nights“ mit Timothée Chalamet und „The Kid Detective“ mit dem ehemaligen „O.C., California“-Star Adam Brody.

Von Philipp Emberger

„Hot Summer Nights“ steigt zu Beginn des Films gleich direkt mit dem Ende der Geschichte ein. Für die Erkenntnis, dass es für den Protagonisten Daniel (Timothée Chalamet) brenzlig wird, muss man aber aufgrund des berechenbaren Drehbuchs wirklich keine Gerda Rodgers sein. Bis es zu dem angedeuteten Ende kommt, muss der introvertierte 17-jährige Daniel aber zuerst noch seinen Sommer im Jahr 1991 bei Tante Barb im Küstenort Cape Cod im Bundesstaat Massachusetts verbringen. „Sending me away for the summer. What a cliché“, verkündet der 17-jährige Daniel vor dem Grab seines kürzlich verstorbenen Vaters stehend. Zu diesem Zeitpunkt weiß er noch nicht, dass es gar noch klischeehafter wird, denn in seinem Sommerdomizil vertreiben sich die Rich Kids mit übermäßigem Drogenkonsum auf ihren Luxusbooten die Zeit.

Hot Summer Nights, Timothée Chalamet, Alex Roe

A24

Maika Monroe und Timothée Chalamet in „Hot Summer Nights“

Versorgt werden sie vom örtlichen Bad Boy und Kleindealer Hunter Strawberry (Alex Roe), um den sich zahlreiche Gerüchte ranken. Diese betreffen nicht nur seine Penisgröße, sondern auch sein ausuferndes Aggressionspotenzial. Bei ersterem bestehen noch Zweifel, bei letzterem sind sich die Bewohner*innen aber sicher. Als Daniel nach Cape Cod kommt freundet er sich mit Hunter an, sie werden Buddys und schließlich Geschäftspartner. Das Drogengeschäft expandieren sie vor allem dank Wiffzack Daniel ordentlich. Brenzlig wird es für Daniel dann, als sich zwischen ihm und Hunters Schwester McKayla (Maika Monroe) eine Beziehung anbahnt.

In der ersten Hälfte setzt „Hot Summer Nights“ auf eine wilde Erzählweise. Ein unbekannter und phasenweise nerviger Erzähler referiert brav über die Hintergrundgeschichte der Protagonist*innen, die Angesprochenen durchbrechen dabei regelmäßig die vierte Wand. Ähnlich wild wie die Erzählung der Geschichte ist auch die Genre-Verortung des Films: Neo-Noir trifft Coming-of-Age trifft Crime trifft Liebesdrama.

Hot Summer Nights, Timothée Chalamet, Alex Roe

A24

„Hot Summer Nights“ ist auf Blu-Ray und DVD erhältlich und steht auf diversen Streamingplattformen zum Leihen bereit.

Nostalgie-Büchse

In seinem Regiedebüt setzt Elijah Bynum auf viel Retro-Feeling. Im Autokino spielt es Terminator 2, in der Spielhalle wird Street Fighter gespielt und die etwas zu oberflächlich geratenen Charaktere lehnt Bynum sehr eindeutig an reale Stars an. Lässig mit der Zigarette im Mund erinnert Hunter Strawberry mehr als nur einmal an James Dean in seinen besten Zeiten. In diesem Nostalgie-Mix verliert sich der Regisseur allerdings auch phasenweise und schafft mehr Durcheinander als klare zeitliche Verortung. Die Songauswahl sowie die Kostüme sind nicht immer akkurat und wer genau hinblickt, findet auch mehrere Referenzen, die mit den 90ern eher nichts zu tun haben.

Überzeugender ist dann schon die visuelle Erzählung des Coming-of-Age-Dramas. Knallbunte Farben durchzucken die Neo-Noir-Finsternis, zum Beispiel wenn Hunter in der Dunkelheit mit seiner neuen Freundin vor dem leuchtenden Riesenrad Geschlechtsverkehr hat.

Wenn man über das oberflächliche und durchschnittlich geratene Drehbuch hinwegsieht, verbirgt sich hinter „Hot Summer Nights“ aber ein stylischer Film mit unterhaltsamen Momenten. Die gehen einerseits auf das Konto der Schauspieler Timothée Chalamet, Alex Roe und Maika Monroe. Gerade Chalamet beweist einmal mehr, wieso er in den letzten Jahren zu einem der gefragtesten Nachwuchsschauspieler*innen Hollywoods aufgestiegen ist. Für „Hot Summer Nights“ stand er direkt im Anschluss des Erfolgsfilms „Call Me By Your Name“ vor der Kamera und beweist, dass er wohl ein Faible hat für sommerliche Rollen.

Hot Summer Nights, Timothée Chalamet, Alex Roe

A24

„Hot Summer Nights“ setzt auf viel 90s-Feeling

Ein ramponierter Adam Brody als Detektiv

Ein anderer Film, der Elemente des Film Noir in die Erzählung einbaut, ist der 2020 erschiene „The Kid Detective“ von Regisseur Evan Morgan. Dabei ist gerade zu Beginn der Filmtitel ziemlich wörtlich zu nehmen.

The Kid Detective, Adam Brody

Level Film

„The Kid Detective“ wird auf diversen Streamingplattformen zum Leihen angeboten.

Von seinem Baumhaus-Büro aus hat der Kid-Detective Abe Applebaum (Adam Brody) einst jede verschwundene Katze im verschlafenen Ort Willowbrook gefunden. Als Anerkennung für die erfolgreiche Detektivarbeit gab es lobende Zeitungsartikel und lebenslang gratis Eis. Knapp 15 Jahre später ist vom Erfolg aber nichts mehr übrig. Abe ist Anfang dreißig und ziemlich ramponiert. Immer noch schlägt er sich mit Fällen von vermissten Haustieren rum, seine Erfolglosigkeit treibt ihn in Alkohol- und Drogensucht. Ein neuer großer Auftrag könnte für Abe und sein angeschlagenes Geschäft nun aber eine zweite Chance sein. Das ehemalige Wunderkind soll in einem Mordfall ermitteln.

Der aktuelle Mordfall könnte etwas mit dem Fall eines vor einigen Jahren verschwundenen Mädchens zu tun haben. Und dieser ungelöste Vermisstenfall lastet immer noch schwer auf Abe und der gesamten Kleinstadt. Regisseur und Drehbuchautor Evan Morgan verknüpft die simple, aber solide Krimistory mit schwarzem Humor und er entwirft einen eindringlichen Blick auf den dysfunktionalen Protagonisten. Hinter dem eher seichten Filmtitel „The Kid Detective“ steckt dann eine düstere Krimikomödie.

Adam Brody is back

Mit „O.C., California“-Feschak Adam Brody hat Regisseur Morgan ein gutes Händchen beim Casting bewiesen. Vielschichtig bringt Brody den einsamen Detektiv auf den Bildschirm. Die Last der Erwartungen, mit denen der einst gefeierte Nachwuchsdetektiv kämpft, vermittelt Brody glaubhaft. Nach seinem Durchbruch in der Hitserie „O.C., California“ hat der Teenieschwarm selbst um den Erfolg in Hollywood gekämpft.

The Kid Detective, Adam Brody

Level Film

Die unbeschwerten Sommer in Orange County sind für Adam Brody vorbei.

Stilistisch hat sich Regisseur Morgan bei seinem Langfilmdebüt zumindest teilweise vom Film Noir inspirieren lassen. Die Beleuchtung ist zwar deutlich aufgehellt, der Plot, das Charakterdesign und die Erzähltechnik lassen aber wenig Zweifel an der genretechnischen Verortung aufkommen. Das macht „The Kid Detective“ zu einem überraschend guten Krimi-Comedyfilm mit einigen Twists und unterhaltsamem schwarzen Humor.

mehr Film:

Aktuell: