FM4-Logo

jetzt live:

Aktueller Musiktitel:

Laura Veirs

Laura Veirs

Der Song zum Sonntag: Laura Veirs - „The Panther“

Laura Veirs aus Portland hat den Lockdownblues und zitiert in „The Panther“ eines der bekanntesten Gedichte von Rainer Maria Rilke.

Von Christoph Sepin

Das sollte eigentlich alles gar nicht so klingen, als fertig produzierter, veröffentlichter Track - oder doch. Laura Veirs Gitarre verhallt mitten im Raum, als ob sie doch ein gutes Stück vom nächsten Aufnahmegerät entfernt wäre, die Stimme der Musikerin aus Portland ist ebenso weit weg, doppelt sich, wiederholt sich, ohne viele Effekte. Das könnte eine Demoversion eines Songs sein und trotzdem wirkt das alles beabsichtigt so. Absichtlich unfertig und roh, um die Lyrics von „The Panther“ zu unterstreichen.

Laura Veirs Biografie ist eine spannende: Sie hat früher mal in einer Punkband gespielt, hat bei geologischen Ausgrabungen in China gearbeitet und mit Sufjan Stevens, k.d. lang und Neko Case Lieder geschrieben. Sie hat ein Kinderbuch veröffentlicht und hostet einen Podcast für Eltern und Musik. Und jetzt adaptiert sie Rainer Maria Rilkes Gedicht „Der Panther“, um daraus ihr eigenes Lied zu machen.

Zumindest zu Beginn ist der Song fast deckungsgleich mit Rainer Maria Rilkes Gedicht „Der Panther“, wen Laura Veirs singt: „His vision is weary it cannot hold anything but endless bars, no world.“ Was früher für viele als Gedicht Symbol der eigenen Adoleszenz gewesen ist, Wunsch nach Freiheit, Gefühl von Gefangenheit in einem Status Quo, aus dem man (noch) nicht rauskommt, das ist 2020 zum Allgemeinzustand für die Welt geworden. Blicke, die vom Vorübergehen der Stäbe müde geworden sind, nach all den Monaten der Lockdowns und Seltsamkeiten. Ein Wunder, dass Rilkes Text in den letzten zwölf Monaten nicht schon öfter zitiert wurde.

Wobei sich das alles ja gar nicht unbedingt nur auf Pandemiezeiten beziehen muss. Es gibt Momente, in denen wir uns gefangen fühlen, sagt Laura Veirs über „The Panther“. Wegen äußeren Einflüssen oder wegen etwas in uns drin. Oder beides. Und sie hofft, dass dieses Gefühl der Einschränkung, wie alles, auch vorbeiziehen wird.

  • Alle Songs zum Sonntag auf FM4
  • Auch die geschätzten Wissenschafts- und Popjournalist*innen Thomas Kramar und Heide Rampetzreiter machen sich in der Presse am Sonntag zum jeweils selben Song ihre Gedanken.

Alles bleibt simpel und schlicht, wenn Laura Veirs nur von ihrer Gitarre und ein paar Extrastimmen begleitet wird, die dem Lied eine leicht schaurige Komponente geben. Einmal werden Gitarrensaiten nur in Repetition vor sich hingespielt, um nochmal auf die sanfte Verzweiflung der Lyrics hinzuweisen. Wiederholungen und alles dreht sich im Kreis: „Pacing round, round and round a ring.“

„The Panther“ ist kein großes Lied, es hat keine Hooks und nicht einmal wirklich einen Refrain. Dafür ist es vollgepackt mit nachvollziehbaren, echten Emotionen. Gekünstelt wirkt hier wenig, höchstens ein bisschen überspitzt, alles wie im Moment entstanden. Als hätte da zufällig jemand den Aufnahmeknopf gedrückt, während Laura Veirs vor sich hinmusiziert hat. „I know how you feel“, singt sie dann. „Pacing round.“ In Richtung des Panthers aus dem Gedicht und wohl auch in Richtung der ganzen Welt.

Aktuell: