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Nano Diamond Battery

NDB Technology

Startup verspricht 28.000 Jahre Strom mit Akkus aus Atommüll

Das Startup-Unternehmen NDB Technologies will Akkus bauen, die sich mehrere tausend Jahre lang selbst aufladen können - nicht nur für kleine Stromverbraucher wie Sensoren und Fernbedienungen, sondern sogar für Smartphones, Laptops und Fahrzeuge. Der Haken daran: Im Inneren der “Nano Diamond Batterie” soll aus Atommüll gewonnenes Material stecken.

Von Christoph „Burstup“ Weiss

Die Forschung zur sogenannten Radionuklidbatterie hat schon in den sechziger Jahren des vorigen Jahrhunderts begonnen. Diese Form der Batterie wandelt die thermische Energie oder die Betastrahlung spontanen Kernzerfalls in elektrische Energie um. In den siebziger Jahren wurden Radionuklidbatterien sogar einige Jahre lang in Herzschrittmachern verwendet. Ihr Vorteil: Sie sind wartungsfrei und können über Jahre bis Jahrzehnte hinweg elektrische Energie liefern. Wegen der Gefahr, die vom radioaktiven Isotop in der Batterie - damals noch Promethium - ausging, wurde dieses Experiment aber bald wieder gestoppt.

Batterien aus Abfall von Atomkraftwerken

An der Universität Bristol glaubt man seit 2016, dass solche Batterien auch mit dem Kohlenstoff-Isotop Carbon-14 gebaut werden können - gewonnen aus schwach radioaktivem Abfall von Atomkraftwerken. Die Strahlung soll dann mit verschiedenen Materialen eingedämmt werden, unter anderem mit einer künstlichen Diamanthülle. Aus dem Forschungsprojekt ist die Firma NDB Technology hervorgegangen. Ihr CEO Nima Golsharifi sagt im FM4-Interview, dass von der Diamantenbatterie keine Gefahr ausgehen wird: “Die Methode, mit der wir das Isotop umhüllen, stellt sicher, dass keine radioaktive Strahlung nach außen dringen kann. Die Tests, die unser Material durchlaufen muss, werden zeigen, dass diese Anforderung erfüllt ist. Wir sind sehr zuversichtlich, dass es damit kein Problem geben wird.”

Nano Diamond Battery

NDB Technology

Auf der Website der Firma ist auch das Bild eines Raumschiffs zu sehen, dazu der Slogan: “NDB to power space solutions”. Zumindest in der unbemannten Raumfahrt würden selbst ladende Batterien aus radioaktivem Material wohl zu weniger gesundheitlichen Bedenken führen. Neben diesen gibt es aber auch Skepsis hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der Diamantbatterie. Kritiker sagen, dass eine Batterie aus Carbon-14 bei der Selbstladung nicht viel Energie erzeugen könne. Mehr als Herzschrittmacher, Sensoren, Uhren und Fernbedienungen - also Geräte, die sehr wenig Strom brauchen - könne man damit nicht betreiben.

Im Internet kursiert seit einigen Monaten das Bild einer Diamantenbatterie von NDB, auf der die Aufschrift 100 μw, also 100 Mikrowatt, zu sehen ist. Nima Golshafari sagt, diese im Netz vielfach geteilte Grafik sei ein Fake. Auf den Bildern, die von seiner Firma stammen, gäbe es keine Angabe zur Leistung. Der tatsächliche Energieumsatz der geplanten Nano Diamond Battery könne viel höher sein: “Das Proof of Concept, das wir haben, ist sehr leistungsfähig. Derzeit können wir Mobiltelefone und andere tragbare Geräte damit betreiben.”

Fast zu gut um wahr zu sein

Angeblich keine Gesundheitsgefährdung, bis zu 28.000 Jahre Selbstladung, genügend Leistung für Handys, Laptops und sogar für E-Autos, behauptet NDB Technologies - all das klingt fantastisch, quasi fast zu schön um wahr zu sein. Nima Golshafari sagt, dass ihn die Skepsis nicht überrasche, weil in der Geschichte jede revolutionäre Technologie anfangs nur langsam akzeptiert wurde: “Doch wir arbeiten hart daran, diese Erfindung wirklich auf den Markt zu bringen. Dann wird jeder Mensch sehen können, dass sie wirklich funktioniert und es sich nicht nur um leeres Gerede gehandelt hat.”

NDB Technologies schließt derzeit Verträge mit Firmen in Singapur und China ab und will schon in zwei Jahren das erste Produkt auf den Markt bringen. Dann stellt sich die Frage, ob wir wirklich Atommüll mit uns herumtragen wollen - falls die Erfindung nicht ohnehin ein Hoax war, um Venture-Capital an Land zu ziehen.

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