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Collage mit Filmstills aus "Dreamland" und "Shadow in the Cloud"

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FILM

Kobolde, Kunst und Killer: 3 neue Filme fürs Heimkino

„Shadow in the Cloud“, „Labyrinth of Cinema“ und „Dreamland“: Drei neue Filme für das Wohnzimmer-Kino, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Von Christian Fuchs

Vorsichtig optimistisch darf man jetzt endlich der Öffnung der Kinos entgegenblicken, unter welchen Auflagen wird sich noch zeigen. Dass sich das Medium Film im dunklen Saal, als Gemeinschaftserlebnis, ganz anders entfaltet als im Wohnzimmer, diese Wahrheit predigen Cinephile ja schon lange.

Bis dahin gibt es aber eben nur Heimkino-Optionen, wobei an dieser Stelle auch auf die fast vergessenen silbernen Scheiben hingewiesen sei, mit ihrer unschlagbaren Bildqualität und dem Bonusmaterial. Hier ein paar sehr unterschiedliche Filme, die dem Schreiber dieser Zeilen unlängst untergekommen sind.

Filmstills aus "Shadow in the Cloud", Frau in einem historischen Flugzeug

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Machos und Monster: „Shadow in the Cloud“

Wer Gremlins nur aus der gleichnamigen Horrorkomödie kennt, lernt in diesem Film etwas dazu. In Wirklichkeit haben die fiesen Kobolde nämlich einen militärischen Ursprung. Wenn im 2. Weltkrieg die Flugzeuge der Alliierten aus technischen Gründen abstürzten, machte man ausgerechnet Gremlins dafür verantwortlich. „Shadow in the Cloud“ beginnt mit einem animierten US-Werbespot, der auf die monströsen Gefahren in der Luft aufmerksam macht.

Als die junge Maude Garrett im Kriegsjahr 1943 einen US-Bomber betritt, ahnt sie noch nichts von bösartigen Kreaturen. Die Soldaten an Bord reichen schon als Bedrohung. Maude, die eine mysteriöse Fracht mitbringt, wird von der männlichen Crew äußerst abschätzig behandelt. In eine enge Geschützkabine gesperrt, muss sie die sexistischen Bemerkungen der jungen Männer via Kopfhörer über sich ergehen lassen.

Lange Zeit spielt „Shadow in the Cloud“ tatsächlich nur in dieser winzigen Kabine. Die Regisseurin Roseanne Liang will aber viel mehr als ein klaustrophobes Kammerspiel zeigen. Der Gremlin kommt ins Spiel, feindliche japanische Flugzeuge, überdrehte Action. Und dazu untermalt ein Retro-Synth-Soundtrack, wie direkt aus „Stranger Things“ übernommen, das Weltkriegs-Szenario.

„Shadow in the Cloud“ ist bei Amazon Prime zu finden, „Labyrinth of Cinema“ bei Mubi und “Dreamland” auf beiden.

Nicht nur die Story dieses Films ist ungewöhnlich, sondern auch die Entstehungsgeschichte. Die erste Drehbuchvorlage stammt vom Autor Max Landis, der wegen Missbrauchsvorwürfen aus dem Projekt ausschied. Roseanne Liang überarbeitete die bizarre Geschichte. Aber auch wenn sich die Regisseurin um einen feministischen Touch bemüht und Chloë Grace Moretz in der Hauptrolle ihr Bestes gibt: Der Stilmix funktioniert nicht. Selbst wenn „Shadow in the Cloud“ nur kompakte 75 Minuten dauert, geht er einem ganz schön auf die Nerven.

Filmstills aus "Shadow in the Cloud", Frau in einem historischen Flugzeug

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Durchgeknallte drei Stunden: „Labyrinth of Cinema“

Man könnte den letzten Film des Regie-Exzentrikers Nobuhiko Ôbayashi so beschreiben: In der japanischen Stadt Onomichi schließt ein altes Kino seine Pforten für immer. In einer letzten Vorstellung laufen berühmte Kriegsfilme in einem Lichtspiel-Marathon. Eine Gruppe junger Besucher*innen wird auf magische Weise selber zum Teil des Geschehens. Die Mädchen und Burschen finden sich als Akteur*innen in den Filmen wieder.

So eine Inhaltsangabe würde aber auch zu einem Blockbuster von Steven Spielberg passen - oder einem beliebigen Fantasyepos. Nobuhiko Ôbayashi hat aber ganz andere Ambitionen. „Labyrinth of Cinema“ ist Essaykino, ein wirrer und irrer Mix aus Schrifteinblendungen, Animationen, Filmzitaten und historischen Fakten.

Alles ist bewusst artifiziell und theatralisch an „Labyrinth of Cinema“, das muss man mögen. Das Ensemble agiert vor Green-Screen-Hintergründen, die ihre Künstlichkeit gar nicht erst verstecken. Wer wenig Affinität zur japanischen Geschichte hat oder zu radikalen Verfremdungen, wird sich also schwertun. Sehr schwer, denn „Labyrinth of Cinema“ dauert drei durchgeknallte Stunden.

Dass sich am Ende eine pazifistische Botschaft deutlich herauskristallisiert, macht das wahnwitzige Werk sympathisch. Und man muss auch den Regisseur lieben, der schwerkrank, mit Anfang 80, noch sein Opus Magnum realisierte. Weniger anstrengend wird der Film dadurch aber nicht.

Filmstill aus "Labyrinth of Cinema": Frau in Schuluniform vor großem Gebäude

Mubi

Lovers on the run: „Dreamland“

Als im Jahr 1967 „Bonnie & Clyde“ in die Kinos kommt, verändert das die Filmgeschichte. So einen Streifen gab es bislang aus Hollywood nicht: Realistisch, romantisch und blutig-brutal. Die Outlawballade passte perfekt zum rebellischen Zeitgeist der späten Sixties.

Filme über Gangsterpaare auf der Flucht vor Gesetz und Ordnung bilden fast ein kleines kriminelles Subgenre. „Gun Crazy“, „The Getaway“, „Badlands“, „Natural Born Killers“ oder „True Romance“ sind berühmte Beispiele, erst im Vorjahr überraschte „Queen & Slim“ mit einem afroamerikanischen Blickwinkel auf das Thema. „Dreamland“, das Spielfilmdebüt des jungen Regisseurs Miles Joris-Peyrafitte, kehrt nun zu den Wurzeln zurück.

Wie auch „Bonnie & Clyde“ ist der Film in den 1930er-Jahren angesiedelt, während der Zeit der Weltwirtschaftskrise, als auch verheerende Staubstürme weite Teile der USA bedrohen. In diesem Szenario treffen zwei sehr unterschiedliche Menschen in der texanischen Provinz aufeinander.

In „Dreamland“ ist die Rollenverteilung aber anders als in den klassischen Lovers on the run-Filmen. Margot Robbie, geübt in der Darstellung militanter Außenseiterinnen, spielt eine gesuchte Bankräuberin, Finn Cole ist ein junger Farmerssohn, der ihr bald verfallen ist. Die hitzige Chemie zwischen den beiden konträren Figuren stimmt.

Filmstill aus "Dreamland": Gangsterpaar auf der Flucht, Frau am Steuer eines Autos, Mann zielt mit Maschinenpistole nach hinten

Mubi

Was nicht ganz funktioniert ist der Look des Films. „Dreamland“ flirtet mit Terrence Malicks malerischen Bildern, schaut aber letztlich viel zu glatt und stylish aus. Eine dunkle Poesie entwickelt die Story des ungleichen Pärchens dennoch. Es ist das Pathos der Freiheit, des Ausbruchs, der gefährlichen Liebe, dem man sich schwer entziehen kann.

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