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Die Honigdachs Crew bei der FM4 Blockparty

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FM4 Blockparty

Ein kollektiver Abriss im Radiokulturhaus mit der Honigdachs Crew

Das Wiener Independent Label Honigdachs hat gestern abend dem Radiokulturhaus ordentlich eingeheizt. Mit am Start bei der dritten FM4 Blockparty waren österreichischen Hip-Hop-Legenden wie Kreiml & Samurai, Monobrother & viele mehr.

Von Melissa Erhardt

„Alles hat ein Ende nur die Nacht ist jung.“ Damit haben sich gestern Abend die Rapper rund um das Wiener Independent Label Honigdachs nach einem rund 50-minütigen, durchwegs ballernden Set aus dem Radiokulturhaus verabschiedet. Nach den ersten beiden (bereits großartigen) Blockpartys mit Eli Preiss und Slav und den jeweiligen Friends stand der dritte und letzte Abend unter der leuchtenden FM4-Boombox ganz unter dem Motto Kopfnicken statt Moshpitten.

Soundtechnisch war es ein Abend voller feinstem Boom-Bap-Sound, inhaltlich gespickt mit einer großen Portion Zynismus und Ironie. Sich selbst nicht immer ganz so ernst nehmen und dabei trotzdem gegen ihre leistungsorientierte Umwelt stacheln - das kann die Bande rund um Monobrother, Kreiml & Samurai, Kardinator und & Co ganz gut. Frei nach dem Motto: „Degenerierung statt Selbstoptimierung“ steht im Endeffekt, wie auch gestern, aber immer der Spaß und der auszuleben wollende Schweinehund im Vordergrund.

Die Familie supportet sich gegenseitig

Haben sich so manche vor der Show noch ambivalent dem Fakt gegenüber geäußert, dass es ja kein Publikum und damit auch keinen Applaus geben wird (Kardinal Kaos: „Es wird wahrscheinlich ein bissl mehr von einem Soundcheck haben, so ganz ohne Publikum…“), hat sich diese Sorge spätestens nach dem Opener-Track von dem zwischen Wien, Graz und Berlin pendelnden Fate in Luft aufgelöst: Denn die 15 motivierten (und natürlich getesteten) Labelkollegen vor Ort haben mehr Stimmung gemacht, als so manche Artists sich das von ihren saalfüllenden Publika wohl wünschen würden. In einer fast schon Call & Response artigen Manier hat man da gegenseitige Texte mitgerappt, mitgetanzt, sich aufgehyped und ist auch mal schnell eingesprungen, wenn sich die eine oder andere Zeile auf dem Weg zwischen motorischer Arbeitsanweisung des Gehirns und Artikulationsorgan verloren hat.

FM4 Blockparty: HipHop Sessions aus dem RKH

An drei Abenden im April haben wir Eli Preiss, Slav und die Honigdachs-Bande eingeladen, exklusive Live-Sets mit Gemeinschaftscharakter im ORF RadioKulturhaus zu spielen. Hier gibt’s alle Videos von den Partys.

Für die musikalische Untermalung des Abends hat DJ und Produzent Alligatorman gesorgt, der in einem einstündigen Mix mit fast nahtlosen Übergängen ein Sample nach dem anderen rausgehauen hat. Die Oldschool-Beats sind dabei nur einmal einem etwas trappigeren Sound gewichen, und zwar als Heinrich Himalaya, das Alter Ego von Rapper Fozhowi aus dem Salzkammergut, mit rosaroter Brille und Heidi-Zöpfchen seinen von food for thought produzierten Track „Monat Minus“ performt hat. Unterbrochen wurde das Set auch nur ein einziges Mal, als das Label auf ihre Spendenaktion für die SOS Balkanroute hingewiesen haben, die noch bis 1. Mai über ihre Homepage läuft.

Ein Kollektiv in seiner reinsten Form

Ganz anders als bei den ersten beiden Blockpartys hat es bei der gestrigen Show keinen Hauptact gegeben. Oder besser gesagt: Der Hauptact war Honigdachs. Vor knapp 10 Jahren etabliert, hat uns das Independent-Label seither ununterbrochen mit Österreichs versiertestem Mundart-Rap und den süßen, aber nicht weniger kritischen Hymnen des Dolcefarniente versorgt. Eine Show wie gestern hat es aber noch nie gegeben: Dass fast alle Acts, die jemals etwas auf Honigdachs gemacht haben, auf einer Bühne stehen - das war auch für das Label ein Novum. Angefangen von der Grazer Entourage mit Fate, siebzig prozent (die mit „Steckbrief Vaccine“ den einzigen unveröffentlichten Track des Abends zum Besten gegeben haben), MDK und Kizmet über den oberösterreichischen Dunstkreis rund um Heinrich Himalaya, DRK und Kardinator bis hin zu den Wiener Legenden Kreiml & Samurai, dem Stuwerboy Monobrother und dem Wahlwiener Digga Mindz war es ein großes Spektakel, das da gestern im Radiokulturhaus stattgefunden hat – mal philosophischer, mal schwermütiger, mal kritischer.

Die Honigdachs Crew bei der FM4 Blockparty

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Viel Neues im Hause Honigdachs

Auch Release-technisch ist übrigens einiges präsentiert worden. Kizmet und MDK haben um Mitternacht nicht nur ihr Album „Odyssee“ veröffentlicht, von dem sie den Track Fundament zum Besten gegeben haben, auch von den anderen 2021 erschienenen Alben – darunter Fates Milch für die Fliegen und Kardinators Rasenmäher – sind erstmals Tracks live performt worden: „Für uns ist das eigentlich der erste Gig, das wird eigentlich so eine Art Release“, erzählt uns Kardinal Kaos vor der Show. Release, Live-Performance und einfach ein Zusammenkommen der großen Honigdachs-Familie – der Abend war einiges gleichzeitig. Oder um es mit den Worten Samurais zu sagen: „Es ist extrem schön. Es ist so schön, ich weiß gar nicht wie schön es ist. Es erinnert mich an meine eigene Familie. Ihr seids olle die besten.“

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