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Sam Fender

Sam Fender

Der Song zum Sonntag: Sam Fender - „Aye“

„Seventeen Going Under“ heißt das neue Album des mit dem Brit Award ausgezeichneten Sam Fender und erscheint im Oktober. Wie groß das wird, zeigt jetzt schon der Song „Aye“.

Von Christoph Sepin

„Hey Sam“, damit beginnt Sam Fender seinen, auf seiner Website veröffentlichten Brief an sich selbst in der Vergangenheit, seinen „Open Letter To 17 Year Old Self“. „Hey Sam“, und dann geht’s um Vorstellungen von und Nachrichten aus der Zukunft. „Mit 17 Jahren fangen die Herausforderungen an“, schreibt er und bereitet sich selbst vor: Auf sein ADHS, auf Schularbeiten, die er nicht schaffen wird, auf Schultage, an denen er fehlen wird. „The only thing that ever had your attention was music.“

Während dem Lockdown habe er angefangen, nach innen zu blicken, weil es keine Dinge gab, auf die man zeigen kann und von denen man sich inspirieren lassen kann, so Fender in einem sehr lesenswerten Gespräch mit dem Guardian. Im selben Interview bespricht er auch seinen neuen, wütenden und politischen Track „Aye“: „I don’t feel I have an identity with politicians on either side“, sagt er darüber, wie schwer er sich tut, sich im politischen Spektrum einzuordnen. „I’m not a fucking patriot anymore, I’m not a fucking liberal anymore“, singt er dazu in „Aye“ in sein Mikrofon.

Es geht also um Desillusion, darum, sich nicht aufgehoben zu fühlen und nicht gehört zu werden. Und wer sich stumm fühlt, muss manchmal schreien. Sam Fender macht das in „Aye“, in einem Rundumschlag gegen System, Politik, Korruption, Lügen, Enttäuschungen: „They don’t act up for the camera, they just sit back and command them“, so beginnt seine Geschichte, Lyrics fassen dann all das Übel der Welt in wenigen Sekunden zusammen, von Hollywood Whitewashing zur Atombombe: „They watched the atom bomb reduce two cities to dust and paint the whole narrative as totally just“.

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  • Auch die geschätzten Wissenschafts- und Popjournalist*innen Thomas Kramar und Heide Rampetzreiter machen sich in der Presse am Sonntag zum jeweils selben Song ihre Gedanken.

Dazu ein Klatschen als Beat wie der Zeiger der Uhr in dieser Reise durch die dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte. Fast schon lamentierend darüber Sam Fender: „Poor hate the poor, hate the poor, hate the poor, hate the poor“, wie der traurigste Kreislauf, den er da besingt. Der Blick auf die Welt draußen und drinnen: „I’m a scumbag making my peace with the internal drag“, da eine Zeile. „Making my thesis on the faceless man“, dann schon die nächste.

„Seventeen Going Under“ wird Sam Fenders nächstes Album heißen und am 8. Oktober erscheinen. Mit seiner ersten Platte „Hypersonic Missiles“ war er schon auf Platz 1 der britischen Charts und wurde mit einem „Critics’ Choice Award“ bei den Brit Awards 2019 ausgezeichnet. Sein zweites Album wird diese Erfolge wohl mindestens erreichen bzw. darüber hinauswachsen. Hier der Rock’n’Roll-Entwurf als Reaktion auf die Zeit, verstaubt ist da nix an den Gitarren und Emotionen, sondern mittendrin in der Aktualität.

Kunst ist das puristische Heilmittel gegen alle internen Konflikte und du suchst dir eine Karriere darin aus, schreibt er zum Finale seines Briefs an sich selbst. „It’s an honour to do what you do.“ Und wenn er dann auf der Bühne steht und seine Songs singt, so geht’s weiter, dann steht da vielleicht ein anderer junger Mensch, der wiederum ähnliches gerade erlebt oder erlebt hat. „This is what you were meant to do, kid, keep on ignoring the ‚plan B‘ rhetoric. And keep on keepin on“.

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