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Sonnencreme

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Was macht Holz in der Sonnencreme?

Tote Korallenriffe, Mikroplastik in der Nahrungskette und die Gefahr von Hormonstörungen. In den letzten Jahren herrschte viel Trubel rund um Sonnencremes. Ein Wiener Start-Up will für diese Probleme eine Lösung bieten – und entwickelt Sonnencreme aus Holz und Stroh. Dafür gab es eine Auszeichnung der Plattform Green Start.

Von René Froschmayer

Deprimierend sind die Bilder des Great Barrier Reefs, die in den letzten Jahren um die Welt gingen. Wo einst quietschbunte Korallen in der Strömung des Ozeans tanzten und unzählige, einzigartige Meerestiere lebten, herrscht nun ein monotones grau. Verantwortlich dafür ist die Korallenbleiche. Bei dem Prozess verlieren die bunten Nesseltierchen ihre Farbenpracht und sterben schlussendlich ab. Auslöser für diese schreckliche Entwicklung ist, wie zu erwarten, der Mensch.

Sonnencreme als Korallenkiller

Neben erhöhten Wassertemperaturen als eine Folge der Klimaerwärmung ist auch Sonnencreme in den Ozeanen für die Korallenbleiche verantwortlich. Mehrfach wurden die schädlichen Effekte in Studien belegt. Schon geringe Mengen an Sonnenschutzmittel können schädliche Effekte auf sensible Ökosysteme, wie eben Korallenriffe, haben. Aber auch viel näher bei uns richten sie Schaden an, in den Bergseen der Alpen zum Beispiel. Da reicht dann oft schon ein einzelner, eingeschmierter Badegast.

Im Fall der Korallenriffe müssen mit Sonnencreme eingeschmierte Badende gar nicht in die Nähe der Riffe gelangen. Ausschlaggebend für die negativen Eigenschaften von Sonnencremes sind die derzeitig verwendeten UV-Blocker. Eines ist klar: Keine Sonnencreme ohne UV-Blocker. Aber müssen diese zwangsweise schädlich für die Umwelt sein?

Lignin: die eierlegende Wollmilchsau in der Sonnencreme

Der Schlüssel zu einer sauberen Sonnenschutzcreme könnte Lignin sein. Und das ist praktisch überall, sogar in der halbvertrockneten Pflanze in der WG-Küche. Lignin ist einer der Hauptbestandteile aller Landpflanzen. Es sorgt für Stabilität und leitet die Verholzung von Pflanzenteilen ein. Das geniale an Lignin sind seine Eigenschaften: Es ist UV-absorbierend, hat einen Anti-Aging-Effekt für die Haut und kann sogar als unbedenklicher Emulgator eingesetzt werden. Nachteilige Effekte auf die Gesundheit hat es keine – wir nehmen es schlussendlich tagtäglich als Ballaststoff auf. Doch bisher wurde Lignin nur selten genutzt und fiel in rauen Mengen als Abfallprodukt der Holz- und Papierindustrie an. Dem Umstand will ein Wiener Start-Up nun ein Ende bereiten.

Auf dem Bild sieht man einen Kolben mit gelöstem Lignin.

Lignovations GmbH

Holz statt Erdöl

„Unser Ziel ist es, der Bioökonomie in Österreich zum Durchbruch zu verhelfen. Viele Inhaltstoffe in gängigen Sonnenschutzcremes stammen aus der Erdölindustrie, vor allem die UV-Blocker. Mit unserer Anwendung von Lignin ermöglichen wir eine umweltschonende und auch gesundheitlich unbedenkliche Alternative.“, erklärt Martin Miltner. Er ist Geschäftsführer des Start-Ups Lignovations.

In den Sonnenschutzmitteln ist das Lignin ein echter Allrounder – es ersetzt Emulgatoren und beugt auch gleich die Hautalterung vor. Bei der Auswahl der Rohstoffe ist das Start-Up sehr flexibel. Eigentlich kann jede beliebige Pflanzenbiomasse, in der Lignin vorhanden ist, verwendet werden. Der Fokus liegt aber auf der Verwertung von Reststoffbiomasse, wie Weizenstroh, Sägemehl oder Sägespänen.

Lignin als Lösung vieler Probleme?

Bei Sonnencreme hören die Einsatzmöglichkeiten von Lignin aber noch nicht auf. „Neben Sonnencreme sehen wir auch noch andere Anwendungen in der Kosmetik. Wir können es eigentlich überall einsetzen, wo UV-Schutz gefragt ist“, erklärt Geschäftsführer Miltner. Auch für schützende Verpackungsmaterialien, als Nahrungsergänzungsmittel und sogar für die Textilindustrie könnte sich Lignin eignen.

Noch wird zusammen mit Industriepartnern an der genauen Zusammensetzung der Biosonnencreme getüftelt. Laut Plan soll die Sonnencreme aus Holz und Stroh im Herbst oder Winter 2023 auf den Markt kommen. Für die umweltschonenden und sauberen Anwendungen von Lignin wurde Lignovations von der Start-Up-Initiative Green Start des österreichischen Klima- und Energiefonds als eines von drei Gewinnerprojekten ausgezeichnet. Damit winken neben finanzieller Unterstützung auch Coachings für die Umsetzung der Ideen.

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