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JARVIS Erscheinungsbild als Hologramm

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Wie funktioniert die erste Kunstkurator-KI?

Zum zehnten Mal findet die Biennale in der rumänischen Hauptstadt Bukarest statt. Das besondere an der diesjährigen Ausgabe: sie wird nicht von einem Menschen kuratiert. Die künstliche Intelligenz JARVIS ist die erste kuratierende KI der Welt. Ihren Ursprung hat sie in Wien.

Von René Froschmayer

HAL 9000, Skynet oder Agenten in der Matrix – künstliche Intelligenzen (kurz: KI) sind ein überaus beliebtes Element des Science-Fiction Genres. In den genannten Beispielen werden KIs als bösartig dargestellt. Weitaus friedlicher ist JARVIS, die erste Kunstkurator-KI der Welt. Den Namen teilt sich die Intelligenz mit Tony Starks (aka Iron Man) KI-Butler aus dem Marvel-Universum. Im Gegensatz dazu ist die Kurator-KI JARVIS aber real. Ihre Kurations-Jungfernfahrt beschreitet die künstliche Intelligenz bei der diesjährigen Biennale in Bukarest.

Der KI-Kurator tritt dort in Form eines Hologrammes (siehe Titelbild) in Erscheinung. Dabei stellt sich die Frage: Wie funktioniert der Kurationsprozess einer KI?

Datenbanken als unerschöpfliche Wissensquellen

„JARVIS besitzt eine nicht enden wollende Datenbank. Allein das Ausmaß der Arbeit, die wir in sie stecken beschränkt ihr Volumen“, erklärt JARVIS’ Schöpfer Prof. Razvan Ion. Als CEO leitet der Professor für Philosophie den Kunst- und Kulturverein „DerAffe“ in Wien, aus dem JARVIS „geboren“ wurde.

Künstliche Intelligenz ist die Fähigkeit einer Maschine, menschliche Fähigkeiten wie logisches Denken, Lernen, Planen und Kreativität zu imitieren.

KI ermöglicht es technischen Systemen, ihre Umwelt wahrzunehmen, mit dem Wahrgenommenen umzugehen und Probleme zu lösen, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen.

KI-Systeme sind in der Lage, ihr Handeln anzupassen, indem sie die Folgen früherer Aktionen analysieren und autonom arbeiten.
(Auszug aus der Definition des Europäischen Parlaments)

Aktuell umfasst JARVIS’ Datenbank rund 900 Werke. Diese wurden aus Museen-, Universitäts- und Galleriedatenbanken in die KI eingespeist.

Um Kunst kuratieren zu können, braucht JARVIS wichtige Schlüsselinformationen. Dabei handelt es sich unter anderem um Definitionen und Zusammenhänge. Der Lernprozess ähnelt dem eines Kindes. Die Kunstwerke erfasst die Kurator-KI in Form von beschreibenden Texten, die in gut sortierten Archiven den Werken beigelegt sind.

„Bei der Auswahl der Kunstwerke orientiert sich JARVIS an dominanten Eckpunkten in den Werken. Das können zum Beispiel Objekte, Farben oder bestimmte Worte sein. Die KI versucht durch diese Analyse die Kunstwerke zu verstehen“, zeigt Prof. Ion auf. Bei der Kunstselektion stützt sich JARVIS auf selbst-verfasste Konzepte, die die Wünsche der Auftraggeber*innen beinhalten. Die KI kombiniert Funktionen von Textverarbeitungssoftwaren und Suchmaschinen, um Kunstwerke zu selektieren.

Wie emotional ist die Kunstkuration?

Prof. Ion erklärt, dass der KI-Kurator wie dessen menschlicher Konterpart handelt. Wie Kurator*innen aus Fleisch und Blut kann auch JARVIS für Festivals, Ausstellungen und Co beauftragt werden. Die Art der Kunst soll dabei für die KI keine Rolle spielen. So soll es für JARVIS auch möglich sein Line-Ups für Musikfestivals zusammenzustellen.

Emotionen für spezifische Kunstwerke und Künstler*innen empfindet die künstliche Intelligenz nicht. Das sei, so Prof. Ion, für eine Kunstkurationen auch nicht nötig: „Wie viele Emotionen für die Kunstwerke empfindet wohl eine Person, die seit 30 Jahren Ausstellungen kuratiert?“. Der Selektionsprozess ist für ihn kein emotionaler.

Neue Chancen für die Kunstszene

Ihre menschlichen Kolleg*innen kann die Kurator-KI bisher nicht ersetzen. Den Turing-Test, um die Menschlichkeit einer KI zu testen, wird auch JARVIS (noch) nicht bestehen. Dafür bietet die künstliche Intelligenz andere Chancen, die die Kunstlandschaft revolutionieren könnten. Laut dem Schöpfer soll JARVIS es möglich machen, jedes jemals angefertigte und digital erfasste Kunstwerk in kurzer Zeit zu verarbeiten. Ein Mensch kann da nicht mithalten. Prof. Razvan Ion hofft, dass auch die Vernetzung der Kunstwelt durch JARVIS gestärkt wird. Die KI könnte vor allem gleichgesinnte Künstler*innen enger zusammenbringen, die andernfalls eventuell nie voneinander erfahren hätten.

Freunderlwirtschaft, egal ob in der Politik oder in der Kunstlandschaft, ist für demokratische Prozesse schädlich. Das sieht auch Prof. Ion so. Diesen Dorn soll JARVIS aus dem Auge der Kunstszene entfernen. Dass die KI nicht menschlich ist soll dabei helfen. „JARVIS hat keine Freund*innen, Verwandte oder Lover“, ergänzt Prof. Razvan Ion. Menschliche Tendenzen könnten damit vermieden werden. Jedoch sei festzuhalten, dass Algorithmen und KIs bereits vorherrschende Ungleichheiten replizieren und verstärken können. Man denke an das durchaus artverwandte Beispiel war der polarisierende AMS-Algorithmus, der Arbeitssuchende kategorisierte.

JARVIS’ Schöpfer hofft, dass die KI helfe das teils verstaubte Image von Kunstausstellungen attraktiver zu gestalten. „Junge Menschen aus der Gen Z und ein Teil der Millenials sehen sich kaum Kunst in Museen und Ausstellungen an“. JARVIS biete die Chance das zu ändern, weil sie einfach spektakulär sind. „KI-Kurator sind ein Schritt zu einer demokratischen und für junge Menschen attraktiveren Kunstszene. Wir müssen auch weiterhin Technologien in unser Leben involvieren.“, fasst Prof. Razvan Ion zusammen. Zukünftig soll JARVIS sogar Ausstellungsräume designen.

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