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Geflüchtete am Bahnhof

APA/ROLAND SCHLAGER

Ukraine: Wir helfen euch zu helfen

Der Krieg in der Ukraine erschüttert viele Menschen und die Fluchtbewegung nimmt kein Ende. Es sind allein in den ersten drei Wochen des Krieges deutlich mehr Personen in die EU geflohen als 2015. Die Hilfsbereitschaft Österreichs ist groß, aber die Situation damit auch unübersichtlich. Mit diesem Guide versuchen wir, ein wenig Ordnung in die Vielzahl der Hilfsangebote in Österreich zu bringen.

Von Aischa Sane und Alina Schaller

Studierende fahren mit voll beladenen Autos in die ukrainischen Grenzgebiete. Familien machen ihre Wohnräume frei für Geflüchtete. Vereine sammeln Geld. Ganze Nachbarschaften engagieren sich ehrenamtlich. Und Musiker*innen organisieren riesige Benefizkonzerte. FM4 hat mit einigen der größten Hilfsorganisationen des Landes gesprochen, um herauszufinden, wie jetzt am besten geholfen werden kann. Denn das Gegenteil von gut ist gut gemeint.

Spenden, Spenden, Spenden

Die effizienteste Methode der Hilfe ist laut Nachbar in Not aktuell die Geldspende. Spenden ermöglichen es Hilfsorganisationen, gezielt im Krisengebiet, aber auch in den Nachbarländern und in Österreich zu unterstützen. Bedürftige Personen können so mit den richtigen Hilfsgütern versorgt werden. Mit dem Geld werden Lebensmittel, Hygieneartikel, medizinische Versorgung, Notunterkünften und andere notwendige Güter organisiert. Außerdem wird bis Ostermontag (18.4.) jede Spende für Nachbar in Not vom Katastrophenfonds der Regierung verdoppelt.

Geld spenden ist aber nicht die einzige Möglichkeit, zu helfen. Viele Gemeinden in Österreich haben Sammelaktionen für Sachspenden gestartet. So sammelt etwa das Land Tirol in örtlichen Feuerwehrstationen Schlafsäcke oder Hygieneprodukte für Babys. Aber Vorsicht: Bei Sachspenden ist immer wichtig, sich im Vorhinein darüber zu informieren, was aktuell gebraucht wird. Der logistische Aufwand ist ansonsten für Hilfsorganisationen und Freiwillige kaum zu bewältigen. Aktuell nicht gebrauchte Sachspenden sind mehr Aufwand als Hilfe, so Klaus Schwertner von der Caritas Wien. Hilfsorganisationen veröffentlichen meist täglich eine Liste an Benötigtem auf ihrer Homepage oder auf ihren Social-Media-Kanälen.

Geflüchtete am Bahnhof

APA/TOBIAS STEINMAURER

FM4-Tipp: Keine Form der Solidarität ist unkomplizierter und präziser als die Geldspende. Gespendetes Geld erlaubt es erfahrenen Hilfsorganisationen, besser auf die Bedürfnisse der Geflüchteten einzugehen. Unsere Empfehlung für eine Spende: Nachbar in Not.

Anpacken

Organisationen, die ukrainische Geflüchtete in Österreich unterstützen, freuen sich nicht nur über Spenden, sondern auch über helfende Hände vor Ort. Es gibt zahlreiche Möglichkeiten, sich freiwillig zu engagieren.

In der Engerthstraße in Wien hat die Freiwilligenorganisation Train of Hope ein Ankunftszentrum für Menschen aus der Ukraine eingerichtet. In einer Turnhalle können die Geflüchteten sich einige Stunden aufhalten und erhalten erste Informationen, medizinische und psychologische Betreuung sowie Essen und Trinken. Wer dort, aber auch andernorts in Wien Unterstützung leisten möchte, kann sich auf der Plattform where2help registrieren und wird dann vermittelt.

Auch die Caritas braucht dringend freiwillige Mitarbeiter*innen, die beispielsweise Sachspenden sortieren. Zu dem Zweck wurde die österreichweite Plattform füreinand geschaffen. Dort kann man sich per E-Mail registrieren.

Die Volkshilfe konzentriert sich auf die Unterstützung von Menschen in der Ukraine, trotzdem werden in Österreich freiwillige Helfer*innen gesucht. Freiwillige kümmern sich beispielsweise um die Versorgung der Haustiere von geflüchteten Personen und sortieren Sachspenden. Laut Paul Dickinger von der Volkshilfe braucht es im Moment vor allem Menschen mit ukrainischen und russischen Sprachkenntnissen. Anmelden können sich Personen online.

Das Rote Kreuz Österreich unterstützt österreichische Behörden bei der Betreuung von Menschen aus der Ukraine. Außerdem hilft das Team Österreich, eine Initiative des Roten Kreuzes und von Hitradio Ö3, Geflüchteten mit Übersetzungsdiensten und der Einrichtung von Ankunftsquartieren. Wer das Team Österreich im Einsatz unterstützen möchte, kann sich auf deren Website registrieren oder bei der App die eigenen Kenntnisse angeben. Gesucht werden vor allem Dolmetscher*innen.

Geflüchtete am Bahnhof

APA/ROLAND SCHLAGER

Wohin?

Eine dieser staatlichen Institutionen, welche das Rote Kreuz unterstützt, ist die Bundesagentur für Betreuungs- und Unterstützungsleistungen (BBU). Die staatliche Agentur ist für die Grundversorgung des Bundes zuständig und bietet für Schutzsuchende Betreuung, Unterstützung und rechtliche Beratung an.

Die BBU hat eigens zur Unterstützung ukrainischer Geflüchteter eine Hotline eingerichtet: hier beantworten russische und ukrainische Muttersprachler*innen alle Fragen. Achtung: Die Hotline ist nur für Ukrainer*innen selbst gedacht, alle anderen FAQs werden auf der Webseite beantwortet. Österreicher*innen, die Wohnraum - ein sogenanntes Nachbarschaftsquartier - anbieten möchten, können dazu ein Formular ausfüllen.

Von der Stadt Wien wurde der Flüchtlingsdienst der Diakonie als zentrale Anlaufstelle zur Vermittlung von Wohnraum für ukrainische Geflüchtete beauftragt. Viele bieten leerstehende Wohnungen oder WG-Zimmer an, so Roberta Rastl von der Diakonie. Sie betont, dass Unterbringung aber auch immer Betreuung heißt. Geflüchtete könnten sich zwar auch an Beratungsstellen wenden, aber besser ist es, wenn die Personen, die den Wohnraum anbieten, ihre neuen Mitbewohner*innen auch im Alltag unterstützen.

Geflüchtete am Bahnhof

APA/ROLAND SCHLAGER

Ein offenes Ohr hilft immer

Die persönliche Nachbarschaftshilfe sollte grundsätzlich nicht in Vergessenheit geraten. So meint Klaus Schwertner von der Caritas, dass man immer die Augen offen halten kann, ob vielleicht eine geflüchtete Familie ums Eck eingezogen ist oder vielleicht eine geflüchtete Studierende neben dir in der Vorlesung sitzt. Ein offenes Ohr hilft jedenfalls immer.

Die Diakonie organisierte bisher in Krisenzeiten auch Patenschaften: Dabei unterstützt ein sogenannter Buddy eine Person beispielsweise bei der Suche nach einem Studien- oder Arbeitsplatz oder bei der Wohnungssuche. Derzeit werden Patenschaften von der Diakonie noch nicht angeboten. Oft entstehen sie jedoch auf natürliche Art und Weise, etwa wenn Menschen einander am Bahnhof oder in der Schule kennenlernen. Schon jetzt gibt es von der Diakonie aber die Lernhilfe, bei der Freiwillige Geflüchtete etwa beim Sprachenlernen unterstützen. Dabei ist es nicht so wichtig, ob die Helfenden Ukrainisch oder Russisch beherrschen. Roberta Rastl von der Diakonie ist davon überzeugt, dass diese Art der Hilfe in Zukunft wieder wichtiger wird.

In Krisensituationen sind Geflüchtete außerdem besonders gefährdet, Opfer von Menschenhandel oder sexueller Ausbeutung zu werden. Sollte dir an Ankunftsorten von Flüchtlingen etwas auffallen, gib am besten Mitarbeiter*innen vor Ort Bescheid und versuche nicht selbst einzugreifen. Im Notfall steht auch der Euronotruf 112 jederzeit zur Verfügung.

Wie hilft das Rote Kreuz vor Ort in der Ukraine und was macht Sinn, wenn du helfen willst? Wir haben im FM4 Interview-Podcast mit Martina Schloffer gesprochen, die beim Roten Kreuz im Bereich Internationale Hilfe arbeitet.

Die Diakonie organisiert auch Patenschaften: Dabei unterstützt ein sogenannter Buddy eine Person beispielsweise bei der Suche nach einem Studien- oder Arbeitsplatz oder bei der Wohnungssuche. Es gibt auch die Lernhilfe, bei der Freiwillige Nachhilfe geben und Geflüchtete etwa beim Sprache Lernen unterstützen. Dabei ist es egal, ob Freiwillige Ukrainisch oder Russisch beherrschen. Roberta Rastl von der Diakonie ist davon überzeugt, dass diese Art der Hilfe in Zukunft wieder wichtiger wird.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Hilfsbereitschaft in Österreich groß ist und es unzählige Hilfsangebote gibt. Jede Person, die helfen möchte, muss sich selbst überlegen, welche Art der Hilfe am besten zu ihr passt, so die Organisationen. Eine der schnellsten und unkompliziertesten Weisen zu helfen ist und bleibt jedoch die gute alte Geldspende. Hier empfehlen wir die Aktion Nachbar in Not, da diese ein Zusammenschluss von vielen Hilfsorganisationen ist. Die Dachmarke Nachbar in Not ist seit dem Jugoslawienkrieg 1992 zu einer Stiftung mit den acht großen österreichischen Hilfsorganisationen und dem ORF als Medienpartner geworden. Das gemeinsame Ziel ist es immer, Menschen in Not bestmöglich zu helfen.

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