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Portraitfoto Paul Pfleger alias Paul & Pets

Stefan Pfleger

Paul & Pets: Analoger Pop für die Hauskatze

Er wird manchmal mit Beck Hansen verwechselt. Nicht nur äußerlich. Paul Pfleger, Mitglied bei Polkov und Stereoface, hat mit Paul & Pets ein geniales, zurückgelehntes Soloprojekt gestartet, das zwischen glitzerndem Gitarren-Pop und atmosphärischem Indie-Rock oszilliert.

Von Andreas Gstettner-Brugger

Paul Pfleger: „Meine Tante hat in der Zeitung einmal ein Foto gesehen und mich darauf angesprochen, dass ich ein neues Album herausbringen würde. Dabei war es ein Foto von Beck. Und eine Freundin hat mich wegen eines Pullovers mal darauf angesprochen, dass ich wie Beck aussehe. Diese Beck-Resonanz fühle ich gar nicht so wie andere Menschen. Aber die Art und Weise, wie Herr Hansen arbeitet, hat mich schon immer verblüfft.“

Auch wenn es einige Parallelen gibt, um Paul Pfleger als österreichischen Beck zu bezeichnen, gibt es weit mehr Referenzen in seinem Debüt „Domestic Monastic“. Da klingen die Beatles ebenso durch wie die Stones, ein bisschen Krautrock und Elektro. Aber das reicht auch schon mit Referenzen, denn das Paul & Pets-Solo-Album hat einen ganz eigenen Vibe.

Es ist eine detailverliebte und gleichzeitig reduzierte Soundlandschaft des strahlenden Indiepops mit grellen, psychedelischen Harmoniebögen und pastelligen Balladen. Ein meisterlicher Gegenentwurf zu glattpoliertem Gegenwartspop, der unsere Gehörgänge aufmachen und uns das Glück der Langsamkeit wiederfinden lässt. Und das alles kam so:

Wer hat hier wen an der Leine?

Paul Pfleger hat ein Dé­jà-vu. Vor acht Jahren, als die Band Polkov ihr Debütalbum herausgebracht hat, sind wir uns auch im FM4 Studio gegenübergestanden und haben über psychedelische Elemente und das luzide Träumen gesprochen. Damals hat Paul versucht, mit Übungen seine eigenen Träume zu beeinflussen. Es sei einfach zu anstrengend gewesen, daher habe er damit aufgehört. Schon damals hat das Unbewusste im Musikschaffen des Grazer Musikers einen Platz gehabt. Dieser Erkundung folgt er nun auch in seinen eigenen Songs. Denn neben seinen Beiträgen für Polkov und d Stereoface hat Paul Stücke geschrieben, die nirgendwo so richtig hineinpassen wollten.

Cover der Debütkasette von Paul & Pets

Paul Pfleger

Aus dem ganzen Material, das sich in den letzten Jahren angesammelt hat, sind in der Pandemie im eigenen Studio eigene Stücke entstanden. Die Erfahrung des Produzierens hat Paul Pfleger bei der Arbeit mit der Band Laurie seines Polkov-Kollegen Laurenz Jandl und mit Monsterheart sammeln können. Davon kommt auch sein Gespür für das behutsame Einsetzen von Instrumenten und Sounds, die sich nicht gegenseitig überlagern. In Paul & Pets-Songs wird nichts übereinandergeschichtet, bis die Töne keinen Platz zum Klingen haben. Es ist eher so, als würden die imaginierten Lieder Paul Pfleger an der Leine nehmen, um mit ihm durch ihre Entstehung zu wandern.

Manchmal ist es ja im richtigen Leben auch so, dass man sich fragt, wer ist denn eigentlich das Herrchen? Die Person, die das Futter bereitstellt, oder der Vierbeiner, der das Futter einfordert? Bei Paul Pfleger sind es auf alle Fälle Katzen, die den Grazer Musiker zum Futternapf dirigieren und ihn auch irgendwie zum Projektnamen Paul & Pets inspiriert haben. Zwar goutieren die Katzen das wohnzimmerliche Gitarrespielen von Paul oft mit Schnurren, im Studio geben sie jedoch nicht den Ton an. Dort regiert das analoge Setup von Paul Pfleger mit all seinen schönen, warmen Sounds und seinen menschlich wirkenden Tücken.

Paul Pfleger: „Ich habe ein notwendiges Grundvertrauen entwickelt in das Machen von Fehlern. Wenn ein Fehler mich wo hinführt, woran ich noch nicht gedacht habe, dann folge ich dem. Denn bei analogen Geräten ist es oft so, dass es für einen vorgestellten Song nur eine Einstellung gibt, die dann aber ganz anders klingt, als man es sich gewünscht hat. Ich versuche dann da sehr offen zu sein und dem zu folgen.“

Manchmal ist es ein Irrweg, manchmal kommt dann ein so schöner Song heraus, wie „Onemanshow“. Ein sich sanft einschleichender Tune mit luftigen Beats, sich entlangschlängelnder Gitarre und zarten Vocals. Eine Ballade die das Alleinsein und allein Arbeiten hörbar macht.

Zutaten für das einsame Kochen

Paul Pfleger war als Einzelkind schon früh damit konfrontiert, sich mit sich selbst zu beschäftigen. Da kam ihm die Musik gerade recht. Sie war auch immer präsent in seinem Elternhaus. Schließlich ist sein Vater Ewald Pfleger Gitarrist bei der Band Opus. In der Zeit des Alleinseins hat er sich aber auch von den musikalischen Wegen seines Vaters emanzipiert und seine eigenen Ideen verfolgt.

Eine gewisse Spannung entsteht auch durch die Text-Musik-Schere. Zu den vermeintlich umschmeichelnden Sounds und sphärischen Klängen verhandelt Paul Pfleger auch Themen, die dunkler sind, als sie zu Anfang scheinen. „Super Mario In Pain“ beispielsweise thematisiert das Gefühl, das wir alle wohl von Zeit zu Zeit kennen: Ferngesteuert durch das Leben zu gehen. In der Hektik der Alltagserledigungen, im Nachgehen der Verpflichtungen, von Termin zu Termin stressen - da kann man sich schon mal vorkommen, wie die Computerspielfigur, die nur mehr versucht, den Hindernissen auszuweichen, um auf das nächste Level zu kommen.

Paul Pfleger: „Es gibt die Sichtweise, dass in der Komödie die Tragödie unbedingt drinnen sein soll. Vielleicht ist es bei meinen Songs auch so. Die Songs sind für mich nicht wirklich ein ‚Emo-Outlet‘. (lacht) Aber unweigerlich steckt schon etwas von mir selbst drinnen. Es ist mehr ein Ventil, Dinge zu sagen, die man sonst vielleicht nicht so sagt.“

Tipps:

  • Ein langes Interview mit Paul Pfleger alias Paul & Pets und alles Songs von „Domestic Monastic“ gibt es am Sonntag 03.07. in der FM4 Soundparknacht zu hören.

Ein großes Thema auf „Domestic Monastic“ ist eben das Alleinsein. Dieses Gefühl muss nicht unbedingt ein trauriges sein, sondern kann vielleicht auch Kraft spenden. So pendeln die emotionalen Ausdrücke zwischen dieser kraftspendenden Ruhe und verzweifelter Einsamkeit.

So reduziert die Musik ist, so werden auch in den Texten diese Themen nur behutsam angedeutet. Mit wenigen Tönen, Worten und Bildern schafft Paul Pfleger ein geschmackvolles Gesamtkunstwerk. Es sei wie beim Kochen. Lieber mit wenigen, guten Zutaten ein Mahl bereiten, als zu versuchen, mit vielen Gewürzen die durchschnittliche Qualität mehrerer Gemüsesorten aufzupeppen. Und da manchmal mehrere Köche den Brei verderben, hat sich Paul dazu entschlossen, mit Paul & Pets die Freiheit zu genießen, sein ganz eigenes Süppchen zu kochen. Und das schmeckt einfach wunderbar. Bleibt nur zu Hoffen, dass das Debüt „Domestic Monastic“ mit seinen acht Songs nur die Vorspeise auf einen reichhaltigen Hauptgang ist.

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