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Junge Frau mit rötlichen Haaren in schwarzem Mantel von hinten, Straße vor ihr ist unscharf

Pixabay/Olexy @Ohurtsov

Zur Regierungshalbzeit: Bundesjugendvertretung kritisiert Versäumnisse in der Jugendpolitik

Bislang sei nur ein Fünftel der jugendrelevanten Maßnahmen im Regierungsprogramm umgesetzt worden, bemängelt die Interessenvertretung aller Kinder und Jugendlichen in Österreich. Die weitgehende Untätigkeit führt zu einer Vertrauens- und eventuell auch Demokratiekrise.

Von Livia Praun

Von einer Krise in die nächste: Ob Corona, Krieg, Klima oder nun starke Teuerungen. Besonders junge Menschen bekommen diese Krisen stark zu spüren. Und trotzdem wird ihnen nicht ausreichend zugehört: „Die Politik spricht wenig über Jugendthemen, und Themen, die die Jugend betreffen, werden meistens hintangeschoben und haben keine Priorität", kritisierte Fiona Herzog, eine der Vorsitzenden der Bundesjugendvertretung, bei einer Pressekonferenz am Donnerstag.

Alles, was irgendwie beschlossen wird, ob es um Pensionen oder sonstige Reformen geht, betrifft junge Menschen und entsprechend muss man einfach mehr auf ihre Bedürfnisse hören.
- Fiona Herzog, Vorsitzende der Bundesjugendvertretung

Psychische Gesundheit: Enormer Aufholbedarf

Und das, obwohl die Lage sehr ernst ist, besonders im Bereich der psychischen Gesundheit. Zwar würde die Regierung mit Projekten wie „Gesund aus der Krise“ wichtige Schritte tätigen, jedoch reiche das nicht aus, um den Bedarf zu decken. Dieser ist nämlich durch die Pandemie enorm gestiegen: Jede*r zweite Jugendliche und jedes dritte Kind leidet unter psychischen Problemen.

Die Bundesjugendvertretung (BJV) ist die in Österreich gesetzlich verankerte Interessenvertretung aller Menschen bis 30 Jahre. Sie hat 59 Mitgliedorganisationen und ist seit 2001 aktiv.

Und trotzdem gebe es Bundesländer, „in denen es keinen einzigen kassenfinanzierten Kinder- und Jugendpsychiater gibt“, erklärt Sabrina Prochaska, auch Vorsitzende der BJV. Damit werde der Zugang zu Therapie abhängig vom eigenen Einkommen oder dem der Eltern: "Diese Situation können wir nicht akzeptieren, weil wir wissen: jedes psychische Problem, das nicht unmittelbar behandelt wird, verschlimmert sich.“ Um das zu verhindern, fordert die BJV einen langfristigen Ausbau der kassenfinanzierten Therapieangebote.

„Wir befürchten da eine Demokratiekrise."
- Sabrina Prochaska, Vorsitzende der Bundesjugendvertretung

Junger Mann mit Rucksack von hinten, eine Straße entlanggehend

Pixabay/Jesús Rodriguez

Mehr Kinderarmut durch Teuerungen

Ein weiterer Bereich, bei dem es Aufholbedarf gibt, ist die Kinderarmut. Bereits jetzt ist laut der Volkshilfe eines von fünf Kindern armutsgefährdet; durch die aktuelle Teuerungswelle werde diese Zahl weiter steigen, erklärte Herzog. Die Auswirkungen von Kinderarmut seien vielfältig - sie bedeute nicht nur finanzielle Ausgrenzung, sondern habe auch langfristige Auswirkungen auf Gesundheit, Bildungschancen und Perspektiven der Kinder.

Maßnahmen wie Einmalzahlungen reichen hier nicht aus, um die Teuerungen zu bewältigen, meint Prochaska: „Gerade Menschen und Familien, die schon jeden Euro umdrehen müssen, haben in paar Monaten von diesen 180 Euro nichts mehr.“ Positiv sieht die BJV etwa die Erhöhung von Familien- und Studienbehilfe.

Fehlendes Vertrauen in die Politik

Für Herzog und Prochaska ist eine Kursänderung der Politik im Jugendbereich vor allem deswegen wichtig, weil sich laut einer Ö3-Umfrage 80% der Jugendlichen von der Politik nicht gehört und vertreten fühlen. Das sei alarmierend:

„Wenn 80 % der jungen Menschen sich von der Politik nicht vertreten fühlen, ist es ganz klar, dass es dann auch dazu führt, dass man weniger zu Wahlen geht, dass man sich weniger beteiligt an politischen Prozessen.“ Fiona Herzog, Vorsitzende der Bundesjugendvertretung

„Wenn eine ganze Generation sich abgehängt und nicht von der Politik vertreten fühlt, dann ist das ein klares Zeichen“, führte Prochaska weiter aus. Daraus ergebe sich die dringende Notwendigkeit, Kinder und Jugendliche mehr in Entscheidungen einzubeziehen. Und das in den verschiedensten Bereichen, denn Jugendpolitik sollte nicht nur im Jugendstaatssekretariat Platz haben: „Alles, was irgendwie beschlossen wird, ob es um Pensionen oder sonstige Reformen geht, betrifft junge Menschen und entsprechend muss man einfach mehr auf ihre Bedürfnisse hören“, erklärt Herzog.
Abschließend warnt sie: „Wichtig ist, dass sich junge Menschen von der Politik ernst genommen fühlen, sonst ist die nächste Krise eine Demokratie-Krise.“

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