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"Babylon" - Bühnenauftritt

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Damien Chazelle kehrt mit „Babylon“ ins La-La-Land zurück

Das Grauen hinter dem Glamour entfaltet sich bildgewaltig in dem neuen, mit Superstars besetzten Film von Damien Chazelle. „Babylon“ ist ein knapp dreistündiges Drama über Hollywood in den 1920er und 30er Jahren, am Übergang von Stumm- zum Tonfilm.

Von Natalie Brunner

Der oscarprämierte Regisseur Damien Chazelle erschafft mit seinem neuen Film „Babylon“ ein Epos, indem er bekannte Anekdoten aus den frühen Jahren von Hollywood zu einem Narrativ verknüpft, das um vier Charaktere kreist. Sie alle werden von dem Studiosystem und den Bossen auf verschiedene Art ausgebeutet und zerbrechen letztendlich an der Traumfabrik. Davor gibt es aber viel Rausch und Exzess.

"Babylon" - eine große Party

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„Babylon“ beginnt mit einer unglaublichen Partyszene, einer kokainbestäubten Orgie, bildgewaltig inszeniert. In einem der Separees kollabiert eine minderjährige Schauspielerin beim Sexspiel mit einem Angehörigen der Chefetage. Sie wird durch die Hintertür entsorgt - eine Szene, die sehr an die reale Vergewaltigung und den Mord an der Nachwuchsschauspielerin Virginia Rappe im Jahr 1921 erinnert. Das wird zwar nicht weiter ausgeführt, macht aber klar, dass wir uns in den kommenden Stunden auf einem Terrain bewegen, wo Moral ein dehnbarer und frei interpretierbarer Begriff ist, und dass wir es weniger mit einem historischen Sittengemälde und mehr mit einer Analogie auf die Gegenwart zu tun haben.

Brad Pitt navigiert unbeeindruckt als aalglatter, aber empathisch agierender Dandy und Stummfilmsuperstar durch dieses Treiben. Das Zentrum des Films ist Margot Robbie in der Rolle von Nellie LaRoy, einer manischen, jungen Frau, besessen vom Wunsch, auch dem Rest der Welt klarzumachen, dass sie ein Star ist. Die Energie dieser Figur ist ansteckend und reißt die Zuseher*innen mit in einen Wirbel aus Erfolg, Kokain und Spielsucht.

"Babylon" - Drei Männer auf einem Filmset mit vielen Statisten

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„Babylon“ ist ein hektisches Melodram, das versucht, die Geschichte von Hollywood und seinen Opfern so zu erzählen, dass die unsichtbar gemachten Minderheiten auch ihren Platz bekommen. Diego Calva spielt den aus Mexiko stammenden Manny Torres, der sich vom Assistenten, dem wortwörtlich auf den Kopf geschissen wird, zum Studioleiter emporarbeitet. Er beginnt, die rassistischen Strukturen der Traumfabrik zu übernehmen, um in dem System aufsteigen und überleben zu können. Jovan Adepo spielt Sidney Palmer, einen brillanten, afroamerikanischen Jazztrompeter, der auf Mannys Initiative auch im Tonfilm zu sehen ist. Manny ist es wiederum, der Sidney dafür einer rassistischen „Blackface“-Demütigung aussetzt.

„Babylon“ hat vom deutschen Verleih den Untertitel „Rausch der Ekstase“ verpasst bekommen. Es ist ein Rausch der Gigantomanie, aber auch ein heftiger Kater, inklusive Blut, Kotze, Sperma und Scheiße. Der Film ist eine dreistündige, ambivalente Hass- und Liebeserklärung, die nicht müde wird zu zeigen, wer für all den glamourösen Spaß teuer bezahlen musste.

Am 30. Jänner im FM4 Filmpodcast: Babylon & Amsterdam

Zwei aufwändige historische Filme von gefeierten Regisseuren, die mit Superstars in der Besetzung glänzen - und die beide an den Kinokassen durchgefallen sind. Damien Chazelles Hollywood-Saga „Babylon“ und die historische Verschwörungs-Komödie „Amsterdam“ von David O. Russell haben einiges gemeinsam. Pia Reiser und Christian Fuchs nähern sich beiden Werken und den Macher*innen dahinter an. Und werden mehr als fündig.

Zu hören am Mitternach auf FM4 und im FM4 Filmpodcast!

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