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Charli XCX

Terrence O’Connor

Muss ein Artist kommerziell erfolgreich sein, um als Popstar durchzugehen?

Künstler:innen wie Kim Petras oder Charli XCX sind kommerziell weit nicht so erfolgreich, wie ihre Popstar-Ästhetik und hingebungsvollen Fan-Bubbles vermuten lassen würden. Damit erhalten sie sich ein Stück ihrer kreativen Freiheit.

Eine Kolumne von Verena Bogner

Egal, ob auf Stan-Twitter (X), also der Bubble, die sich obsessiv mit Musik und Stars beschäftigt, oder auf TikTok: Scrollt man als Pop-Liebhaber:in durch seine Feeds, poppen immer wieder Clips und Posts von und über Künstler:innen wie Kim Petras, Troye Sivan oder Charli XCX auf. Neue Songs, Album-Ankündigungen oder Fotoshootings, die einfach nur “Slay!” oder “Mother is mothering” schreien – es ist klar: Es muss sich hierbei doch um lupenreine Popstars handeln, oder?

Ist man Teil dieser Bubble, die unter anderem von Pop-Update-Accounts wie @PopCrave geprägt wird, kann man schon mal zu der festen Überzeugung gelangen, dass man hier Zeug:in einer großen Popstar-Karriere ist. Hier ist “Feed the Beast” von Kim Petras das Album des Jahres und “Rush” von Troye der ultimative Sommerhit. Der Haken: Befindet man sich außerhalb dieser Blase und/oder wirft einen Blick in die Charts, sieht die Sache schon ein wenig anders aus. Denn eigentlich hat “Feed the Beast” in den Billboard 200 nur Platz 44 erreicht und ist nach nur zwei Wochen wieder ganz aus den Charts gerutscht. Und auch “Rush” war von den Top 10 weit entfernt.

Wer hören will, muss fühlen - der FM4 Musikpodcast

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Der Releaseherbst ist voll mit großem Pop: Miley Cyrus und Selena Gomez veröffentlichen am selben Tag neue Songs, Taylor Swift bricht weiterhin Rekorde. Im FM4 Musikpodcast reden Verena Bogner und Christoph Sepin über Entwicklungen in der Popwelt, über Millenial-Nostalgie und über die Zukunft der Heartbreak-Musik.
Wer hören will, muss fühlen – der FM4 Musikpodcast am 31.08.2023, 21 Uhr auf FM4 und überall wo es Podcasts gibt.

“Was passiert, wenn ein Popstar nicht beliebt ist?”, fragte die “New York Times” kürzlich ganz frech und beschäftigte sich mit den extrem aktiven Bubbles von “Mittelklasse”-Stars wie Charli, Troye und Kim, aber auch Artists wie Rina Sawayama, Bebe Rexha oder Caroline Polachek. Die meisten dieser genannten Stars sind natürlich ganz klar Celebrities, hatten den einen oder anderen Hit und spielen regelmäßig in ausverkauften, mittelgroßen Venues. Aber sie sind eben lange keine so großen Mainstream-Stars, wie man als Fan oder jemand, der zufällig über ihre Musik stolpert, denken mag. Rina Sawayama füllt keine Stadien oder spielt Konzerte auf Stadthallen-Basis.

Sie alle sind Nischenphänomene, strahlen aber eine unübersehbare Superstar-Aura aus, die an die ganz großen Popstars wie Britney oder X-Tina erinnert. Kommerziell schlägt sich diese Aura nicht so ganz nieder – aber muss sie das überhaupt? Was, wenn das “popular” in Popstar nicht länger für fette Zahlen stehen muss, sondern vielmehr für eine Ästhetik, Meta-Botschaften und eine loyale, begeisterte Fanbase? Was, wenn Popstar nicht länger ein Begriff ist, der sich auf Geld und Zahlen bezieht, sondern auf die Berühmtheit per se, auf jemanden, der treue Fans um sich schart, Fotoshootings abliefert, die uns an Gaga oder Britney erinnern, in seinen Songs anderen Popstars Tribut zollt und gelegentlich in Interviews über die Schattenseiten des Ruhms spricht?

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Was all diese Artists gemeinsam haben, ist das Spiel mit ihrem Status, das Kommentieren des Pop-Business und die unbeugsame Liebe zu Pop als Genre, das für sie mehr ist als ein Synonym für den großen Kommerz. Für sie ist Pop eine Musikrichtung, in der alles erlaubt ist. Sie experimentieren mit Sounds und Lyrics, die sie sich auf den größten Bühnen dieser Welt ohnehin nie erlauben könnten, ohne zu viele Menschen vor den Kopf zu stoßen. Wenn Kim Petras über “Slut Pop” singt und uns erklärt, dass sie die “Throat Goat” ist, oder Charli auf ihrem Song “Vroom Vroom” Bubblegum-Pop mit stechenden elektronischen Beats vermischt, die einem beinahe das Trommelfell zerreißen, dann ist schnell klar, dass hier niemand die Absicht hat, in die Liga der ganz großen Legacy-Pop-Stars aufzusteigen, und sich von Major Labels und der breiten Masse kreativ einschränken zu lassen.

Diese junge Generation von Artists ist mit einem stabilen Erfolg auf mittlerer Fame-Stufe zufrieden und erkennt die Vorteile darin, spitze Popmusik für eine Bubble zu produzieren, die meist nicht groß genug ist, um die Charts maßgeblich zu beeinflussen. Sie beweisen, dass sich Pop und eine Indie-Attitude nicht zwingend ausschließen müssen. Und das Schönste an der ganzen Sache: Sie können es sich jederzeit anders überlegen. Denn Charli XCXs dann doch ziemlich klassisches Pop-Album “Crash” schaffte es auf Platz 7 der Charts. Den Charterfolg ihres “Barbie”-Songs “Speed Drive” kommentierte sie übrigens so:

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