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Amen Dunes "Death Jokes" Album Pics

Michael Schmelling

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Everything everywhere all at once: „Death Jokes“ von Amen Dunes

„Death Jokes“, das neue, siebente Album von Amen Dunes, ist zärtlich und poppig, chaotisch, überladen, melancholisch und seltsam wie das Leben selbst.

Von Katharina Seidler

Am Anfang war das Chaos. Und seither? Herrscht eigentlich immer noch Chaos. Das moderne Leben ist launisch und chaotisch, es schlägt Purzelbäume, man ist überglücklich und dann zu Tode betrübt. Auftritt: Damon McMahon und das neue Album seines Musikprojekts Amen Dunes. Es heißt „Death Jokes“ und es beginnt: mit Chaos.

Eine Minute dauert die titelgebende Klangcollage am Beginn des neuen Amen Dunes Albums, und vier weitere solcher Intrumentalstücke folgen im Lauf der Platte: Minutenlange Samplegewitter aus Youtubeschnipseln, Stimmen und Musik, Fernsehlachen und Rhythmusstudien aus der Drummachine. Klavierspiel, das McMahon extra für die Aufnahmen des neuen Werks gelernt hat, trifft auf Protestgesänge, Stand-Up-Comedy-Schnipsel oder Woody Allen-Sager, wie aufmerksame Rezipient:innen im Internet bemerkten. Es ist, als zappte man akustisch durch die Welt, in der auch nicht immer alles schön oder entspannend klingt.

Amen Dunes "Death Jokes" Album Pics

Michael Schmelling

„Death Jokes“ von Amen Dunes ist am 10.5.2024 bei Sub Pop erschienen.

Es gibt natürlich auch Songs auf „Death Jokes“, echte Songs, wunderschöne sogar, und wie man bei einem Album, das die Lächerlichkeit des Todes schon im Namen trägt, annehmen kann, geht es in diesen Songs um nicht weniger als alles – um Tod und Leben und all die Wirrnisse dazwischen.

Wenn er wollte, könnte Damon McMahon ein Popstar sein. Seine folkigen Indiepop Songs sind zärtlich und schwelgerisch, er schreibt Melodien für die Ewigkeit und ist mit seinem markanten Vibrato ein begnadeter Sänger. Allein ihm fehlt die Lust. Seit sieben Alben verwehrt sich Damon McMahon nun schon dem Weltruhm, auch wenn er ihm mit seinem letzten Album „Freedom“ aus 2018, das weithin als Meisterwerk wahrgenommen wurde, schon gefährlich nahe kam. Er ließ ihm sechs Jahre Funkstille folgen; nun schlägt er weiter munter Haken und dehnt seine Lieder auf bis zu neun Minuten aus. Das Füllhorn aus Samples schüttet er auch über die poppigsten Momente von „Death Jokes“ aus, und stellenweise laufen so viele Spuren übereinander, dass man denkt, es hätte sich irgendwo im Browser ein Popup mit Musik geöffnet.

Im Leben ist nie alles nur schön. Störgeräusche funken tagtäglich in die Harmonie, wir müssen mit Uneindeutigkeiten und Meinungsverschiedenheiten zurecht kommen. All das hört man auch in der Musik von Amen Dunes. In den Texten lässt er ebenso viel Interpretationsspielraum, oder aber er verschleift die Worte so stark, dass man sie kaum mehr versteht.

„Somewhere in the middle is where the lessons are learned
I’ll be seeing you when all is done
I will see you through hellfire, little love"
("Purple Land“)

Er mache Musik, so Damon McMahon, um sich im menschlichen Leben zurechtzufinden - to navigate human existence. Wenngleich er mit Amen Dunes keine Antworten auf die großen Fragen anbietet, wirft er mit seiner sanften Stimme doch eine Art Anker aus: Da gibt es sehr viel Schönes zu entdecken zwischen Anfang und Ende. Und wie fandest du so das Leben auf der Erde?

„Called you up just to talk
Once more before you’re dead
What’d you think of life on earth?“
(„I don’t mind“)

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