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Aktion von sichersein gegen Abschiebungen nach Afghanistan

Todor Ovtcharov

mit akzent

Afghanistana

Afghanistan ist kein sicheres Land. Trotzdem sind Abschiebungen dorthin aus Österreich möglich.

Von Todor Ovtcharov

Es gibt eine ganz kurze Nummer aus dem Pink Floyd-Album „The Final Cut“. Sie heißt „Get your filthy hands off my desert!“. Geschrieben wurde sie 1983, kurz nachdem die Sowjetunion Afghanistan angegriffen hatte. In dem Song wird auch über den israelischen Ministerpräsident Begin und den Falklandkrieg gesungen. Nach diesem Lied wurde Pink Floyd im gesamten „Ostblock“ verboten. 35 Jahre später will man in Europa das Wort Afghanistan verbieten.

Letztes Jahr wurde ein Abkommen zwischen der EU und Afghanistan unterzeichnet, das Abschiebungen erleichtern soll. Afghanistan gilt als ein sicheres Land, trotz der andauernden Gewalt und der Konflikte mit den Taliban. Eigentlich war es in den letzten 100 Jahren dort nie sicher.

Mit Akzent

Die unaussprechliche Welt des Todor Ovtcharov und sein satirischer Blick auf das Zeitgeschehen - jeden Mittwoch in FM4 Connected und als Podcast.

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Egal ob Briten oder Sowjets, Nato oder die USA, irgendwer versucht immer, Frieden nach Afghanistan zu bringen. Und dort leben außer Taliban und Opiumherstellern auch gewöhnliche Menschen. Menschen, die ihre Kinder zur Schule schicken und einfach nur friedlich leben wollen. Viele Generationen nacheinander verkaufen ihr letzes Hemd, um zu überleben.

Ich erinnere mich an ein Fernsehinterview mit einer Nato-Mitarbeiterin. Sie hat erklärt, wie man - nachdem die Taliban kurzfristig weg waren - die Macht von der Bevölkerung übernommen hat. “Wir müssen dagegen kämpfen, dass, wenn wir einen Soldaten mit Schuhen versorgen, er sie nicht am Flohmarkt verkaufen muss, um Geld an seine Familie im Bergdorf zu schicken.” Ich glaube, dass es normal ist, vor solchen Lebensumständen zu flüchten.

Ich kenne einige afghanische Flüchtlinge in Wien. A hat mir mal erzählt, dass er vier Stunden angehängt unter einem LKW an der türkisch-griechische Grenze verbracht habe, ohne einen Laut von sich zu geben. Es wurde im gesagt, dass jeder, der erwischt wird, zusammengeschlagen und zurückgebracht wird. A hat seine Reise schon hinter sich. Trotzdem kann er jederzeit abgeschoben werden.

Die öffentliche Meinung in Österreich ist stark gegen afghanische Flüchtlinge. Ein psychisch gestörter Afghane mit Drogenproblemen hat unschuldige Passanten in der Nähe des Wiener Prater angegriffen und fast getötet. Davor hat ein Bruder seine eigene Schwester getötet, um die Familienehre zu schützen, da die Schwester unabhängig sein wollte. Diese schrecklichen Geschichten, verstärkt durch das Echo der Boulevardmedien, bringen eine tiefe Abneigung gegen alle Afghanen in die Bevölkerung. Es werden auch Menschen abgeschoben, die die Sprache gelernt und einen Job gefunden haben.

Aktion von sichersein gegen Abschiebungen nach Afghanistan

Todor Ovtcharov

Die Initiative sichersein engagiert sich gegen Abschiebungen nach Afghanistan.

Am Montag wurde von unterschiedlichen NGOs, die im Flüchtlingsbereich tätig sind, am Heldenplatz eine Performance organisiert, die sich gegen Abschiebungen nach Afghanistan richtet. Am Boden ließ jeder seine Schuhe stehen, als Zeichen von dem, was Leute zurücklassen, wenn sie ihre Heimat verlassen. Danach wurde “Ode an die Freude” gesungen. Das war ein wunderschöner Akt des Mitgefühls mit den Flüchtlingen, aber es bringt wenig weiter. Afghanistan ist kein sicheres Land. Die Chancen der Menschen für eine gute Zukunft dort sind kaum existent.

Die EU muss bis 2020 1,2 Milliarden Euro an Afghanistan zahlen. Wo landet dieses Geld eigentlich? Bei den Menschen oder in den Taschen der korrupten Politiker? Uns Europäern ist das egal. Unser Engagement endet an der Staatsgrenze. Was mit den Abgeschobenen passiert, interessiert uns nicht. Hauptsache, sie sind nicht da. Um sicher zu sein, dass uns niemand mit einem Messer angreift. Unsere Hände sind sauber. Um Pink Floyd zu paraphrasieren: Our clean hands won´t even reach their desert.

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