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Alex Lahey

Alex Lahey

Frischer Gitarrenpop aus Australien

Alex Lahey und ihr gewitztes, ironisches, tiefsinniges Debutalbum.

Von Eva Umbauer

Alex Lahey versprüht soviel Energie, dass ich fast glaube, die Telefonleitung könnte während unseres Gesprächs bersten. Konzerte spielen, Interviews geben, je mehr, desto besser, findet die junge Australierin aus Melbourne.

Das US-Plattenlabel Dead Oceans führt Alex Lahey aus Australien hinaus in die Welt. Es ist gerade insgesamt, so scheint es jedenfalls, eine gute Zeit für Musik aus Australien. Angus & Julia Stone, die noch nicht so bekannten Geschwister Emily & Jesse Lubitz, die sich Tinpan Orange nennen, Alex Cameron oder Alex The Astronaut. Letztere Alex ist eine in New York lebende Australierin, die Musik macht, und nicht zu vergessen Gordi, die eine Freundin von Alex Lahey ist. Wo Gordis Sound recht experimentell sein kann, konzentriert sich Alex Lahey lieber auf klassischen Gitarrenpop, mit dem einen oder anderen elektronischen Tupfer.

Auch ein Saxofon kommt gelegentlich vor in der Musik von Alex Lahey. Alex studierte einmal Jazz-Saxofon an der Musikuniversität, hörte aber wieder auf damit, weil ihr dieses Studium dann doch zu reglementiert war. Stattdessen schloss sie sich dem kultigen Partykollektiv Animaux an. Nach einem ersten Minialbum - „B Grade University“ - unter ihrem eigenen Namen veröffentlichte Alex Lahey nun endlich ihr erstes komplettes Album.

„I Love You Like A Brother“, heißt das Debutalbum von Alex Lahey, die von 90er-Jahre-Gitarrenpop, wie ihn die US-Band Weezer spielte, inspiriert ist, aber auch von den Strokes oder den Vaccines, oder von Courtney Love und ihrer Band Hole, den Riot-Grrl-Frauen von Sleater-Kinney oder Kim Deal und ihrer Band, den Breeders. Nicht zu vergessen, die Ramones. Da kommt also der Punk-Spirit der Alex Lahey her, der sich so wunderbar durch ihr Album zieht.

Die legendäre US-Punk-Band The Ramones hing als Poster im Kinderzimmer von Alex Lahey. Auf die Ramones war Alex durch ihren Vater gekommen, einen gebürtigen Briten, der zuhause gerne Platten von The Clash oder Paul Wellers Band The Jam auflegte. Die Mutter von Alex Lahey ist griechischstämmig und hörte ebenfalls recht viel Musik, etwa die große Country-Sängerin Dolly Parton, über die Alex Lahey sagt, dass sie mit Songs wie „Coat Of Many Colours“ wohl die beste Songwriterin, die je gelebt hat, ist.

There’s No Money

In einem der Songs von Alex Lahey geht es dann auch um ihre Familie, nämlich bei „No Money“, einem schönen, langsameren Song samt cooler Drum-Machine, in dem Alex singt: „My little brother’s married at 22, and my mum is seeing someone new.“ Das ist eine autobiografische Songzeile. Der jüngere Bruder von Alex Lahey heiratete tatsächlich mit 22 – und zog zu seiner Frau nach New York, während die Mutter weiter verheiratet ist mit dem Vater von Alex, aber nun eine neue Partnerschaft hat. Das alles war durchaus erst einmal verwirrend für die junge Frau, die gerade von einer Tour heimgekommen war und sich Gedanken über ihre finanzielle Situation als Musikerin machte. Im bittersüßen Song heißt es weiter: „Time moves slowly when there is no money and I have nothing to do.“

Alex Lahey

Alex Lahey

„I Love You Like A Brother“ von Alex Lahey ist bei Dead Oceans erschienen.

Ebenso berührend ist der Song „Backpack“, in dem es um einen Freund von Alex Lahey geht. Beide hatten diesen, ja, blöden Spaß - wie Alex Lahey heute sagt -, dass er, Inky, mit 33 Jahren sterben wird. „It’s hard to put my arms around you when your backpack is on“, singt Alex Lahey in diesem Song, in dem sie auch sinniert, dass das Leben wohl zu kurz ist, um richtig sesshaft zu werden. Im Song „I Want U“ heißt es: „You are the kind of person who likes going to the movies alone“ und in „Awkward Exchange“ singt Alex Lahey: „Get out of my bed, get out of my head“. Mit einfachen Worten sagt Alex Lahey viel. Ihre Texte sind gewitzt, ironisch, aber auch tiefsinnig. Und um Genderfragen geht es auf „I Love You Like A Brother“ ganz nebenbei auch, mit Songzeilen wie „We couldn’t marry, even if we want to“ oder „You don’t like sports and I don’t like dresses, luckily for us our parents got the message“.

Mit viel Freude und Geschwindigkeit brettert Alex Lahey durch ihr Album, setzt aber immer wieder Momente zum Nachdenken hinein, und die großen Refrains sind sowieso ein Hammer. Nein, Gitarrenpop ist nicht tot, Gitarrenpop lebt. Alex Lahey könnte auch eine Laptop-Musikerin sein, aber ihre Liebe zur klassischen Band ist unüberhörbar. Wo es jetzt oft heißt, alle wollen Solo-Artists sein und nicht mehr eine Band gründen, Alex Lahey straft sie alle Lügen. This band is my life, heißt es bei Alex Lahey, und heraus kommen Songs wie „Everyday’s The Weekend“, „Lotto In Reverse“ oder „Let’s Call It A Day“. Alex Lahey und ihr frischer confessional pop, genau danach hat unsere trockene Kehle gelechzt, bitte mehr davon!

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