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Bildschirmfoto aus "Space Invaders"

Taito

Urangriff der Pixelaliens

Videospiele wurden in den USA geboren, doch die Welt erobert haben sie von Japan aus. Jetzt ist „Space Invaders“, der erste japanische Games-Blockbuster, bereits 40 Jahre alt geworden.

Von Robert Glashüttner

Vor knapp zehn Jahren wollte ich endlich meinen eigenen Videospielautomaten besitzen. Um Platz zu sparen, habe ich mich für einen im sogenannten Cocktail-Format entschieden – der Automat war also gleichzeitig ein Beistelltisch. Das Gerät („Cosmic Guerilla“) habe ich bis heute, und es ist einer von vielen „Space Invaders“-Automaten bzw. „Space Invaders“-Klonen, die Ende der 70er Jahre Japan und die USA erobert haben.

Erstaunliche 40 Jahre ist es nun her, dass die Invasion der pixeligen Außerirdischen erstmals in die Spielhallen gekommen ist. Bis heute hält sich das Gerücht, dass das Game so immens populär war, dass es nach der Veröffentlichung in Japan bald eine Knappheit an 100-Yen-Stücken gegeben haben soll. Die Menschen hätten so viele Münzen in die „Space Invaders“-Automaten geworfen.

Videospielautomat "Cosmic Guerilla" im Tischformat

Robert Glashüttner

„Cosmic Guerilla“ aus 1979, einer von vielen „Space Invaders“-Klonen.

Aliens in Reih’ und Glied, die in strenger Formation immer schneller hin und her zappeln und sich dabei auch langsam von oben nach unten arbeiten: Dieses Spielprinzip ist bis heute erstaunlich motivierend und herausfordernd. Mein kleines Schiffchen am unteren Bildschirmrand lässt sich nach links und rechts bewegen, und es kann genau einen Schuss abfeuern. Danach muss ich warten, bis ein Gegner getroffen wird oder das Projektil das Spiel verlässt, bis ich wieder schießen kann. Jeder Fehlschuss kostet also Zeit und bringt mehr Hektik ins Spiel. Geistesgegenwart und gutes Zielen zahlen sich also aus, vor allem dann, wenn nur noch wenige Aliens wie die gesengten Säue über den Bildschirm rasen. Die Spielhallen-Klassiker sind eben immer noch ziemlich hardcore – 40 Jahre am Buckel hin oder her.

Neustart der Games-Industrie

„Space Invaders“ hat die gerade erst begründete Videospielindustrie Ende der 1970er aus der Stagnation geholt. Nachdem „Pong“ (1972) in seinen zig Varianten ein paar Jahre zuvor die Welt erobert hatte, kam nichts Substanzielles mehr nach - bis eben die Pixelaliens zur Rettung eilten. Damit war dann die Saat für die sogenannte Goldene Ära der Videospiele gelegt worden und es folgten viele Hits, die heute Klassiker sind: „Asteroids“ (1979), „Pac-Man“ (1980), „Donkey Kong“ (1981), und so weiter.

Interessanterweise war aber auch „Space Invaders“ eine weitere Fortsetzung des „Pong“-Prinzips: Wo anfangs ein eckiger Ball mittels zwei Schlägern von zwei Personen hin- und hergespielt wurde, ist man danach zu einer um 90 Grad gedrehten Ein-Spieler-Variante übergegangen („Breakout“, 1976), in der mit dem Ball dann bunte Ziegel abgeschossen werden mussten. Nun brauchte man nur noch den Schläger mit einem Raumschiff und die Ziegel mit Aliens ersetzen - fertig war der extraterrestrische Angriff!

Bildschirmfoto aus "Space Invaders Infinity Gene"

Taito

Der aktuellste Teil der Serie ist „Space Invaders Infinity Gene“ aus 2009.

One-Man-Show

Als der Ingenieur Tomohiro Nishikado 1977 seine Arbeit an „Space Invaders“ aufgenommen hatte, begann eine reine One-Man-Show: Programmierung, Gamedesign, Artwork und Sounds – alles kam aus einer Hand. Das Spiel war zwar ursprünglich noch in schwarz-weiß dargestellt und ist mit bunten Folien aufgepeppt worden, wegen der vielen Action war es für die damalige Zeit dennoch ein technisches Feuerwerk.

Auch spielerisch war „Space Invaders“ bahnbrechend: Es war das erste sogenannte Shoot ’em up (kurz: Shmup), eine Games-Gattung, die gut zehn Jahre später gemeinsam mit Fighting Games die Videospielhallen beherrscht hatte und bis heute eine treue Fangemeinde hat. Auch der - nicht nur für Shmups - relevante Highscore, also der Punktestand in einer Partie, kam erstmals mit „Space Invaders“ ins Videospiel.

Kein Wunder also, dass ich meine persönlichen Pixelaliens auch 2018 immer noch gerne an den Strom hänge und selbst „Clueless Gamer“ Conan O’Brien Jahrzehnte später noch von „Space Invaders“ fasziniert ist.

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