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Milch im Glasflascherl

Nadine Cobbina

Bio-Milch in Glasflaschen wird den Planeten nicht retten

Seit Anfang Juni gibt es in Supermärkten in Österreich wieder heimische Milchprodukte in Glasflaschen zu kaufen. - Molkereien und der Handel setzen dabei auf pfandfreies Einwegglas. Was bedeutet das für die Umwelt?

Von Nadine Cobbina

Vor allem handelt es sich um Produkte aus dem „Premium“-Segment, Bio-Milch und -Joghurt, häufig mit dem Zusatz „Bergbauern“ versehen. Mit der Rückkehr zur Glasflasche würden die Anbieter nach eigenen Angaben dem vielfach geäußerten Wunsch ihrer KundInnen nach weniger Plastik und weniger Müll nachkommen.
Die Vorstellung, dass Glas prinzipiell besser für die Umwelt sei, stimmt aber nur bedingt.

Der Wunsch nach Mehrweg

In vielen Zero-Waste-Gruppen im Web wünschen sich UserInnen schon lange Milch oder Joghurt im Glas zurück, kombiniert mit einem neuen Glas-Pfandsystem. Verständlich, da so eine Menge Müll verhindert werden könnte. Das würde aber auch den Handel in die Pflicht nehmen.
Die Renaissance der Milch im Glas kommt hingegen in der Einweg-Flasche daher, mit der erst recht wieder Müll anfällt. Warum wird nicht auf ein Mehrweg-System gesetzt?

„Für den Handel bedeutet Einweg: aus dem Auge und aus dem Sinn. Weil sie ansonsten Kosten haben, die die Lagerung betrifft und die Manipulation der Flaschen. So landen die Flaschen im Müllcontainer und die KonsumentInnen kümmern sich darum. Hofer hat zum Beispiel gar keine Mehrwegflaschen und kann somit die volle Fläche für Verkauf und Produktlagerung nutzen. Das ist schon auch einer der Gründe“, so Lukas Hammer von Greenpeace Österreich weiter.

Die Anbieter der Milch, wie etwa die Firma „Schärdinger“, argumentieren, dass sich Mehrweg im Moment nicht rentiere, da der „Transport- und Reinigungsaufwand eines Pfandsystems annähernd so hoch wie die Kosten der Produktion neuer Flaschen“ sei.

Das Öko-Problem „Einwegglas“

„Mehrwegflaschen aus Glas sind 4x klimafreundlicher als Einwegflaschen aus Glas“, sagt dagegen Lukas Hammer von Greenpeace Österreich, und das aus mehreren Gründen:

„Eine Einwegflasche aus Glas wird nach einmaligem Gebrauch weggeschmissen. Sie wird zwar recycelt, das ist gut, doch die Flaschen müssen auch gereinigt werden und unter sehr hohem Energieaufwand eingeschmolzen. Dann wird noch über 1/3 neues Material benötigt, daraus werden neue Flaschen gewonnen.“

Die Mehrweg-Faustregel besagt: Ab mindestens 15 Umläufen und maximal 200 Kilometern Transportweg hilft ein Mehrwegprodukt, die Umwelt zu schonen.

„Zurück zum Ursprung“, die Bio-Marke von „Hofer“, räumt ein, dass mit dem Glasflaschen-Konzept noch nicht der Gipfel des Umweltschutzes erreicht ist. Einweg-Glas bleibe „leider beginnend von der energieaufwendigen Produktion über den Transport bis hin zur Entsorgung oder dem Recycling das ökologische Schlusslicht in der CO2-Bilanz bei vergleichbaren Verpackungen wie Getränkekartons oder PET-Flaschen.“

Handel und Abfüller orientieren sich aber an den großen Konzernen wie etwa Coca Cola, die zum Beispiel auch die Mehrweg-Pet-Flasche vom Markt verdrängt haben, erklärt Greenpeace.

Dass die Bio-Milch jetzt in der Einwegflasche kommt, könnte dem Image von Bio-Produkten und der Umwelt schaden, ärgert sich auch Volker Hölzl, der seine Diplomarbeit zur Vermarktung von Bio-Milch im Lebensmitteleinzelhandel verfasst hat. Er sieht die Marken in der Pflicht, das Label „Bio“ in seinem Wert nicht zu mindern, sondern wirklich ökologisch nachhaltige Lösungen zu finden.

Ökologisch nachhaltig wäre ein Mehrweg-System, am besten mit PET-Flaschen. Da es das derzeit nicht gibt, scheint es momentan besser, beim TetraPak zu bleiben.

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