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Julian Schmid

Jan Hestmann/FM4

FM4 Parteitage

Julian, der Weltenretter

Bei den letzten Wahlen hat es der Klagenfurter mit 24 Jahren als bisher jüngster männlicher Abgeordnete ins Parlament geschafft. Jetzt kämpft er mit seiner Partei gegen schlechte Meinungsumfragen und um den Wiedereinzug ins Hohe Haus. Im Interview spricht der erklärte Bud Spencer-Fan über seine Blitzkarriere, Shitstorms und wie die Grünen breitere Wählerschichten gewinnen wollen.

Von Claudia Unterweger

„Ich will den Jungen im Parlament eine Stimme geben und mit euch die Welt retten!“ verkündet Julian Schmid, der Jugendsprecher der Grünen. Mit einem breiten Lächeln und seinem Markenzeichen, einem Kapuzenpulli, tritt er zum Interview in der FM4-Redaktion an. Die „grüne Zukunftshoffnung“, wie der 28-Jährige Parlamentarier oft bezeichnet wird, will dringend ein Selfie vor dem FM4-Logo posten, danach ist er bereit für das Gespräch.

• Julian Schmid, geboren 1989 in Klagenfurt
• Matura 2007 am BRG Viktring, Landesschulsprecher 2006/2007
• 2012 Bachelorabschluss in Politikwissenschaft an der Uni Wien
• 2010-2013 Grüner Bezirksrat in Wien-Wieden
• Seit Oktober 2013 Grüner Abgeordneter im Nationalrat

Bei der Nationalratswahl 2013 konnten die Grünen über 12 Prozent der Stimmen einfahren. Aktuelle Umfragen sagen nur noch schmale 4 bis 6 Prozent voraus. Die Turbulenzen der letzten Monate waren vielfältig: parteiinterne Streitereien mit den Jungen Grünen, Rücktritt von Eva Glawischnig, hastiger Wechsel an der Parteispitze mit neuem Führungsduo Ulrike Lunacek und Ingrid Felipe. Geschwächt sind die Grünen auch durch den Parteiaustritt des Gründungsmitglieds Peter Pilz. Er musste seinem Gegenkandidaten Julian Schmid den erhofften 4. Platz auf der Grünen-Bundesliste überlassen – und macht nun den Grünen mit eigener Liste Pilz Konkurrenz.

Im aktuellen Wahlkampf scheint es bei den Grünen eine Arbeitsteilung zu geben: auf den Plakaten posiert Spitzenkandidatin Lunacek, auf Instagram und Whatsapp ist der „Junge für die Jungen“ Julian Schmid umso präsenter. Mit seinem „5-Punkte-Plan für die Jugend“ trommelt er für mehr Bildung, Mietzinsobergrenzen und ein österreichweites Jugendticket.

Im Interview spricht Julian Schmid über seinen persönlichen Zugang zu Politik und warum er taktisches Wählen für gefährlich hält.

Claudia Unterweger: Julian Schmid, Sie sind seit Wochen auf Wahlkampftour. Ihre Konkurrenz von der FPÖ trifft man üblicherweise in Discos oder auf Kirtagen. Wo trifft man Sie? Vor Hipsterlokalen?

Julian Schmid: Überall. Ich bin mit dem Elektroauto quer durch Österreich unterwegs. Wir waren ja bei den letzten bundesweiten Wahlen die stärkste Partei bei der Zielgruppe U30, dementsprechend sind wir nicht so eng fokussiert. Da sind die Hipsterlokale genauso dabei wie Discotheken, das Rieder Volksfest oder die Ars Electronica.

Wie sieht der typische Grünwähler aus?

Andere fragen vielleicht Meinungsforscher, wir haben direkt auf den Straßen gefragt: Wie darf man sich den Dresscode des typischen Grünwähler, der typischen Grünwählerin eigentlich vorstellen? Das Ergebnis hat sich FM4 Reporter Christoph Sepin gleich selbst angezogen.

Passiert es oft, dass Sie auf NichtwählerInnen treffen?

Gerade ErstwählerInnern überlegen, ob sie überhaupt wählen gehen sollen. Aber ich merke auch, dass im Vergleich zum letztem Wahlkampf eine Re-Politisierung passiert ist. Die Bundespräsidentschaftswahl letztes Jahr war da sehr wichtig, wo ja „unser“ Kandidat Alexander Van der Bellen Gott sei Dank gewonnen hat, und es ganz knapp war, dass Österreich von der FPÖ übernommen wird. Auch Trump oder Brexit macht vielen Jungen Angst. Die erkennen, dass die Europäische Union gar keine Selbstverständlichkeit ist, sondern man darum kämpfen muss. Das mobilisiert viele Junge, wählen zu gehen.

Kommen Sie aus einem politischen Elternhaus?

Ja, schon. Mit meinen Eltern wurde am Küchentisch immer auch über Politik geredet. Mein Vater hat sich neben seinem Beruf als Lehrer auch journalistisch betätigt. Er hat kleine Kärntner Aufdeckergeschichten geschrieben. Ich habe auch zwei ältere Brüder, aber wir ticken politisch nicht alle gleich.

Die FM4 Parteitage

Mit den FM4 Parteitagen liefern wir Entscheidungshilfen für all diejenigen, die noch immer nicht wissen, wen sie bei den Nationalratswahlen am 15. Oktober wählen sollen.

In fünf ausführlichen Sendungen in der FM4 Homebase bringen wir euch die Parlamentsparteien und deren Positionen im Wahlkampf näher.

Die FM4 Politik-Erziehung bereitet in aller Kürze die Facts zu den Parteien auf. Wir besuchen die Jugendorganisationen der Parteien im Wahlkampf, am Stammtisch oder im Parteilokal. Wir führen ausführliche Interviews mit den jungen Kandidaten der Parteien, die an wählbaren Plätzen auf den Bundeslisten kandidieren und Politikwissenschafterin Petra Bernhardt von der Uni Wien analysiert mit uns Plakate, Social Media Postings und Imagevideos der Parteien.

Alle Termine für die FM4 Parteitage

  • 2. Oktober (Montag): Die Grünen
  • 4. Oktober (Mittwoch): Neos
  • 5. Oktober (Donnerstag): ÖVP
  • 9. Oktober (Montag): FPÖ
  • 11. Oktober (Mittwoch): SPÖ

jeweils in der FM4 Homebase (19-22:00)

Wenn Jugendliche politisch aktiv werden wollen, engagieren sie sich meistens in einer NGO. Sie hingegen sind schon mit 13 Jahren einer Partei beigetreten. Warum?

Ich hab nichts gegen Parteien. Es herrscht ja im Moment oft eine Anti-Stimmung gegen Parteien und gegen Politik. Wenn wir ein besseres System entwickeln, als die jetzige repräsentative Demokratie, finde ich das super. Aber es ist das Beste, was wir im Moment haben. Im Parlament, in den Landtagen, in den Gemeinderäten wird entschieden, wie wir unsere Schulen organisieren, wie hoch die Mieten sind, ob wir Grenzkontrollen oder leistbare Öffi-Tickets haben. Oder ob unser Planet völlig in den Arsch geht. Deshalb war es für mich ganz klar, dass ich mich an der Demokratie beteiligen will, und zwar genau da, wo die Gesetze beschlossen werden.

Warum zu den Grünen?

Sie müssen wissen, ich bin aufgewachsen in Kärnten, damals von der FPÖ unter Jörg Haider regiert. Mitten im Wahlkampf ist er zu uns in die Schule gekommen und hat an der Schule Wahlwerbung gemacht. Das darf man eigentlich nicht als Politiker. Meine Freunde und ich haben Anti-Schwarz-Blau-Anstecker verteilt. Da ist der Schulwart zu mir gekommen, hat mir den Anstecker von der Jacke runtergerissen und mich angeschrien, dass wir das nicht dürfen, weil das der Landeshauptmann ist und das Konsequenzen für die Schule hat. In der Musikstunde haben wir dann beschlossen: Wir gehen zu den Grünen. Die stehen für ein ganz anderes Weltbild als die FPÖ.

Viele haben das Gefühl: Man kann kein Vertrauen mehr in die Parteipolitik haben. Können Sie das nachvollziehen?

Naja, ich kann schon einiges nachvollziehen. Unsere Generation hat diese alten politischen Rituale satt. Als ich als Abgeordneter zum ersten Mal in eine Parlamentssitzung reingekommen bin, war ich selbst total schockiert. Da lernst du teilweise mehr Schimpfwörter als irgendwas anderes.

Julian Schmid im Parlament 2013

APA/GEORG HOCHMUTH

Julian Schmid im Rahmen der konstituierenden Sitzung des Nationalrats 2013

Sie waren Landesschulsprecher, schon mit 20 sind Sie im Klagenfurter Gemeinderat gesessen, wenig später waren Sie im Landesparteivorstand der Grünen und Bezirksrat in Wien. Studiert haben Sie Politikwissenschaft. Würden Sie sagen, Sie sind der geborene Politiker?

Das ist nichts, was man das ganze Leben macht. Aber derzeit passt es für mich. Und das politische Handwerk zu erlernen, das bringt es schon, auch wenn das Quereinsteigertum so hochgelobt wird. Allein was ich in den letzten vier Jahren im Parlament gelernt habe, hat mich ordentlich weitergebracht.

Ihrer Partei ging es schon mal besser. Laut der Website neuwal.com halten die Grünen in Umfragen derzeit bei schwachen 4%. Wie gehen Sie persönlich damit um?

Klar, das letzte halbe Jahr war eindeutig für uns eine große Herausforderung. Deshalb rennen wir jetzt um jede Stimme. Gestern haben wir noch um 2 Uhr in der Früh am Schwedenplatz in Wien um Stimmen gekämpft. Das ist um diese Uhrzeit nicht leicht, weil nicht mehr jeder alles versteht, was du sagst.

Wie überzeugt sind Sie davon, dass es die Grünen überhaupt noch ins Parlament schaffen?

Davon bin ich absolut überzeugt. Ich hoffe auch, dass wir wieder zweistellig werden. Damit konnten wir in der letzten Gesetzgebungsperiode unfassbar viel umsetzen: Bildungsreform, Ökostromgesetz, Uni-Milliarde. Wenn die Regierung eine Zweidrittel-Mehrheit gebraucht hat, waren wir die Einzigen, die dafür im Parlament die nötigen Mandate hatten. Denn die FPÖ duckt sich immer, wenn es darum geht, Verantwortung zu übernehmen. Starke Grüne machen einen riesigen Unterschied, sogar wenn andere regieren.

GrünwählerInnen haben mir in einem Interview gesagt, dass sie erstmals aus Angst vor Schwarz-Blau nicht Grün wählen werden, sondern die SPÖ. Was sagen Sie denen?

Ich weiß, dieses taktische Wählen ist in den letzten Jahren ein Trend geworden. Aber wovon werden wir beeinflusst? Von Umfragen. Da man muss sich schon überlegen: Wer macht denn diese Umfragen? Man muss wissen, ob man wirklich seine Stimme davon abhängig machen will. Das finde ich hochriskant.

Was schlagen Sie denn vor?

Ich finde, man sollte mit dem Herzen wählen. Man soll das wählen, wofür man steht. Bei uns Grünen ist klar: keine Regierung mit der FPÖ. Jede andere Partei lässt im Moment offen, ob sie mit den Blauen regiert.

Viele haben den Eindruck, sie wissen aber gar nicht mehr, worin sich die Parteien voneinander unterschieden. Wenn Sie Ihre Anliegen mit denen der Jungen Grünen vergleichen, die jetzt als KPÖ Plus zur Wahl antreten, wo sagen Sie: da kann ich nicht mehr mit, das ist mir zu links?

Was ist links, was ist rechts? Ich bin einfach ein Grüner. Ist das links, wenn man einen Mindestlohn und Respekt für ArbeitnehmerInnen fordert, die ihre Jobs 40 Stunden machen und zu wenig zum Leben verdienen? Oder wenn man Mietobergrenzen fordert, weil die Mieten explodieren und ganz wenige damit spekulieren und unfassbar viel Geld verdienen? Finden Sie das links? Ich finde das einfach normal.

Sie wollen also die Abgrenzung zu den Jungen Grünen, die sich abgespalten haben, so jetzt nicht treffen?

Ist nicht notwendig. Ich glaube, das sind 8 Leute oder 12 Leute.

Julian Schmid jubelt beim Grünen Bundeskongress

APA/JOHANNES BRUCKENBERGER

Julian Schmid, nachdem er sich beim Bundeskongress der Grünen im Juni 2017 gegen Peter Pilz in der Abstimmung um den 4. Platz auf der Grünen Bundesliste durchgesetzt hat.

Die Partei verlassen hat auch Peter Pilz, weil Sie statt ihm den prominenten 4. Platz auf der Wahlliste ergattert haben. Wie ging es Ihnen mit der Zuspitzung von Ihnen beiden als Konkurrenten um den Einzug in den Nationalrat?

Es war sehr turbulent, nachdem ich die Stichwahl beim Bundeskongress gewonnen hatte. Damit hat keiner gerechnet, dass der Pilz das macht. Dann ist ein Shitstorm losgebrochen, und auch die Kommentare in den Medien sind teilweise wirklich ins Untergriffige hinein gegangen. So was lässt mich natürlich nicht kalt. Aber aus dem Parlament bin ich die Verrohung gewohnt.

Die Grünen geben nach außen hin ein bildungsbürgerliches Bild ab. Wenn Sie verkünden: „ich vertrete uns Junge im Parlament“, welche Gesellschaftsschichten meinen Sie denn da?

Das Durchschnittsalter im Parlament ist 54 Jahre, dementsprechend muss ich dort alle in meiner Generation vertreten.

Aber haben Sie den Eindruck, dass Ihre Partei insgesamt stärker auf Menschen zugehen sollte, die nicht aus der bürgerlichen Schicht kommen?

In Wirklichkeit haben wir das ja immer schon getan. Wir haben selbst genug Leute bei uns, die eine Lehre gemacht haben. Aber klar brauchen wir ganz viel Unterstützung. Auch von denen, die bisher noch nicht zu den klassischen WählerInnen der Grünen gehören. Ich selbst habe studiert, aber genau deshalb war es mir wichtig, jetzt im Sommer eine Schnupperlehre zu machen. Fünfeinhalb Wochen lang Einblick zu bekommen in verschiedene Lehrlingsjobs im Einzelhandel, KFZ-Bereich, Hotelgewerbe, am Bau…

Viele haben Ihren Auftritt als „Kurzzeit-Lehrling“ für einen wenig glaubwürdigen PR-Gag gehalten. Wie sehr werden Ihnen solche Auftritte eigentlich von Partei-Strategen aufs Auge gedrückt? Haben die für Sie diese Lehrlingsplätze gecheckt?

Nein, nein, nach einer Parlamentsführung mit einer Berufsschulklasse hat mir mal ein Lehrling gesagt: „Du redest über Lehrlingspolitik und willst mich vertreten, hast aber keine Ahnung von meinem Leben und von meiner Arbeit!“ Diese Kritik hat mir zu denken gegeben. Und dann habe ich selbst bei den Firmen angefragt. Was ich gelernt habe ist, dass es wirklich mehr Respekt für die Lehre braucht. Deswegen habe ich ein Programm entwickelt, wo ich als Mindestlehrlingsentschädigung 700 Euro durchsetzen will, weil es gerade in weiblich dominierten Branchen teilweise minimale Lehrlingsentschädigungen gibt, die keiner versteht.

Plakatkampagne mit Julian Schmid - Öffi für alles

APA/HERBERT PFARRHOFER

Julian Schmid bei der Präsentation der Plakate für die Wiener Gemeinderatswahlen 2015

Kommen wir zurück zum Image als Politiker. ÖVP-Obmann Kurz ist noch in Erinnerung mit seinem Geilo-Mobil, Sie mit Ihrem Bussi-Werbeplakat aus dem letzten Wien-Wahlkampf. „Ich bin Öffi für Alles“ war da zu lesen. Das Plakat ist damals als sexistisch verurteilt worden. Denken Sie sich heute eigentlich: den Wahlkampfberater hätten wir feuern sollen?

(Lacht) Nein, überhaupt nicht. Das Plakat war natürlich umstritten, aber es hat den Zweck erfüllt. Es hat Aufmerksamkeit auf unser Anliegen gelenkt, leistbaren öffentlichen Verkehr für alle zu ermöglichen. Das Geilo-Mobil von Kurz war das Gegenteil davon. Ein riesiger Hummer, der so viel Öl verbraucht, dass du den Planeten beim aufs-Gas-Drücken fast rausspülst.

Die Art, wie mit Ihnen geworben wird, hat sich dennoch verändert. Zum Beispiel, was Ihre Oben ohne-Fotos betrifft, die Sie früher gepostet haben. Muss man als Politiker, der vor allem jüngere Leute ansprechen will, so werben?

Da wird immer so irrsinnig viel reininterpretiert! Als ich in die Politik gegangen bin, habe ich mir fest vorgenommen, dass ich mich nicht verstelle. Ich will, so wie meine Freunde und ganz viele andere meiner Generation, trotzdem noch immer auf Instagram ein Foto aus meinem Urlaub posten können. Ich habe eben ein bisschen eine andere Kommunikation als die alte Politik. Und auch bei meinem Einzug damals ins Parlament habe ich festgestellt: ok, ein Anzug wäre für mich eine Verkleidung. Dann habe ich beschlossen, dass ich meinen Kapuzenpulli auch im Parlament trage.

Haben Sie mittlerweile einen Anzug?

Nein.

Abgesehen von Ihrem Kapuzenpulli gelten Sie als unauffälliger Abgeordneter. Was war denn Ihre bisher größte Leistung in Ihren vergangenen 4 Jahren als Volksvertreter?

Mein größter persönlicher Erfolg ist, dass ich vielen jungen Menschen in Österreich die Demokratie ein bisschen näher bringen konnte. Dass sie gesehen haben: hey, ich habe einen Vertreter drin im Parlament! Beim Thema Zentralmatura hat im Nationalrat niemand außer mir artikuliert, wie unzufrieden viele damit waren. Meine Rede über die Zentralmatura ist online 300.000 Mal angeschaut worden.

Wo sehen Sie ihre größten Stärken?

Ich bin ein empathischer Mensch. Mich interessiert das Leben anderer Menschen, ich glaube das ist in der Politik kein Nachteil. Und ich bin ein unerschütterlicher Optimist. Trotz des Pessimismus, der im Moment alles überlagert.

Wo sehen Sie ihre größten Schwächen?

Das werde ich Ihnen nicht verraten.

Wenn Sie sich die politische Laufbahn Ihres fast gleichaltrigen Konkurrenten Sebastian Kurz anschauen, denken Sie manchmal: In dem Tempo würde ich das auch gerne schaffen?

Hm, das ist schon eine riesige Verantwortung. Ich selbst bin ja mit 24 ins Parlament gekommen. Und ich finde es schon beachtenswert, in diesem Alter Staatssekretär oder Außenminister zu sein. Aber gleichzeitig klingt das nach einer sehr großen Herausforderung. Ich bin froh, dass ich jetzt im Parlament - hoffentlich - eine zweite Periode habe, um zu üben und meine Stärken besser auszuspielen.

Blicken wir nach vorne. Nennen Sie eine zentrale politische Forderung, von der Sie bei eventuellen Koalitionsverhandlungen nicht abrücken würden?

Also, erstens einmal: Koalitionsverhandlungen wird Ulrike Lunacek führen. Aber wir Grüne haben das zentrale Anliegen, dass es wirkliche umweltpolitische Reformen gibt. Ausstieg aus den Verbrennungsmotoren ab 2030. Und eine Ökologisierung des Steuersystems: wir fordern Steuern auf Energie und Umweltverschmutzung - und Steuern auf großes Kapitalvermögen, Finanztransaktionen und von großen Konzernen. Gleichzeitig müssen wir die Steuern auf Arbeit spürbar senken. Und die explodierenden Mieten in den Griff kriegen. Außerdem muss Österreich klar pro-europäisch bleiben. Ohne diese Punkte wird es wohl nicht gehen.

Was davon sollte nach dieser Wahl raschestens passieren?

Es braucht alles gleichzeitig, eine Gesamtreform! Aber am schnellsten müssen wir Schluss machen mit der Lüge, dass Österreich umweltpolitisch so super ist. Wegen der Klimakrise haben wir einfach keine Zeit mehr zu verlieren. Dieselsubvention abschaffen und das Geld in öffentlichen Verkehr investieren, der auch für Junge leistbar ist.

Wie sieht Ihr Plan B aus, falls Sie es diesmal nicht als Abgeordneter ins Parlament schaffen?

Ich trage gerade ein T-Shirt mit der Aufschrift: „Es gibt keinen Planet B“. Ich denke im Moment nur an den 15. Oktober und renne um jede Stimme. Ich will Österreich wirklich verändern.

Was, wenn das die Wählerinnen und Wähler nicht wollen?

Naja, ich habe ja schon ein paar Schnupperlehren gemacht (lacht). Nein, schauen Sie: man muss sich klare Ziele setzen, und die muss man sich bildlich vorstellen. Anders wird man sie niemals erreichen.

Sie stehen also jeden Tag in der Früh auf und visualisieren all diese Dinge, die sie schaffen wollen?

So zirka kann man sich das vorstellen, mit Kaffee.

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