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Telefonbetrüger werden immer dreister

Telefonbetrug ist in Bulgarien ein „Riesengeschäft“. Und die Betrüger zeigen sich sehr anpassungsfähig gegenüber polizeilichen Maßnahmen.

Von Todor Ovtcharov

Mitten in der Nacht läutete das Telefon im Haus meines Vaters in einem bulgarischen Dorf. Er hebt ab, sofort fängt eine Stimme zu weinen und zu seufzen an. „Oh mein Gott! Hilfe! Hilfe“, weinte die Stimme. „Wer bist du?“, fragt mein Vater. „Ich bin es, ich!“, antwortete die Stimme. „Wer bist du, denn „ich“?, fragt er noch ein mal. In dem Moment hört die Stimme mit dem Weinen auf und verflucht meinem Vater in einem klaren Nordbulgarischen Dialekt. Es war klar, dass der Anrufer bermerkt haben dürfte, dass sich mein Vater vom Weinen dieses hypotetischen „Ichs“ nicht rühren ließ. Das ist nur ein Teil des in Bulgarien blühenden Geschäfts der Telefonbetrügerei.

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Telefonbetrüger rufen nicht grundlos in Dörfern an. Dort leben oft ältere Menschen, die ein leichtes Opfer sind. Sie versuchen zuerst, das Opfer zu schocken und ihm zum Beispiel einen Namen eines nahen Verwandten herauszulocken. Danach erzählen sie, dass dieser Verwandte in einen Unfall verwickelt wurde und verwundet sei, und dass man dringend Geld für seine Operation brauche. Die verschreckten älteren Leute sind sofort bereit, zu helfen, sie schicken jemanden mit Geld. Als der Schock überstanden ist, rufen die älteren Leute ihren Verwandten an - und wecken sie meist aus dem Schlaf auf. Erst dann begreifen, sie, dass sie betrogen wurden.

Man sagt, dass allein im Jahr 2017 die Telefonbetrüger in Bulgarien ungefähr 5 Milionen Leva (2,5 Millionen Euro) „erwirtschaftet“ haben sollen.

Das bulgarische Innenministerium hat eine Präventionskampagne organisiert. Im Fernsehen wurden Reportagen über die meistverbreiteten Betrugsmethoden gezeigt. Auch das brachte ein Ergebnis: Die Telefonbetrüger fingen an, sich als Polizisten auszugeben, die Telefonbetrüger bekämpfen. Sie zogen von den Dörfern in die Städte.

Neulich wurde über einen betrogenen Menschen berichtet. Er wurde von einem „Major Petrov“ angerufen, der ihn aufforderte, als Bürger mitzuhelfen, eine Bande Betrüger zu fangen. Dazu müsse er nur Geld geben, um die Betrüger anzulocken. Der Mann sammelte seine ganzen Ersparnisse und übergab sie dem „Major“.

Danach riefen ihn die Betrüger wieder an und dankten ihm für die Hilfe und forderten ihn zur weiteren Hilfe auf. Dieses mal sollte der Anführer der Betrüger gefangen werden. Der Mann hatte kein Geld mehr, doch er nahm das Geld für die Wasserversorgung des Plattenbaus, in dem er lebte und einsammelte und übergab es dem angekommenen „Oberst Ivanov“. Die Summe betrug 100.000 Leva (50.000 Euro).

Allein im Jahr 2017 gab es in Bulgarien ungefähr 11.000 Beschwerden über Telefonbetrüger. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft sagte, dass 2/3 der Verbrechen unaufgeklärt geblieben sind. Die Sprecherin der Staatsanwaltschaft wurde selbst von Betrügern angerufen. Zwei Mal.

Man sagt, dass die Telefonbetrüger immer einfallsreicher werden: Einige geben sich als Ministerpräsident Borissov aus. Ich glaube, bald fangen sie an, zu sagen, sie seien Gott. Und es wird immer noch Leute geben, die daran glauben werden.

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