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Donaufestival

Wider den Stillstand: Donaufestival 2018

Nadah El Shazly, Mhysa, Scout Niblett, James Holden, Godspeed! You Black Emperor uvm.: Das Lineup des Donaufestivals 2018

Von Katharina Seidler

Das Donaufestival hat sein gesamtes Programm für 2018 bekannt gegeben. Unter dem Motto „Endlose Gegenwart“ werden Kirchen und Säle in Krems an zwei Frühlingswochenenden wieder zum Schauplatz für gelebte Avantgarde und angewandte Horizonterweiterung.

Dieser Gegenwart entkommen wir nicht mehr. Wir sind immer online, immer erreichbar, immer wissen alle, wo wir sind. Wir kaufen die ganze Nacht ein, die Fabriken stellen rund um die Uhr Waren her, die Polkappen schmelzen unaufhaltsam und immer tobt irgendwo ein Krieg. „Das donaufestival 2018 fragt nach Brüchen mit dem Betriebssystem der endlosen Gegenwart und dem Potential von Be- und Entschleunigungen, Übertreibungen und Verweigerungen“, heißt es im Programmtext des künstlerischen Leiters Thomas Edlinger dazu. Ansatzstellen dafür bietet das heurige Programm genug.

FM4 präsentiert: Donaufestival 2018

Von 27.4. bis 6.5.2018 an zwei Wochenenden in Krems.

Alle Programminfos hier.

Blitz und Donner gehen etwa bereits am Eröffnungstag über Stadtsaal, Minoritenkirche und Hallen nieder, wenn die amerikanischen Noise-Rock-Berserker Lightning Bolt mit einem lang vermissten Österreich-Konzert auf die kanadischen Postrock-Gottheiten Godspeed You! Black Emperor treffen. „We are trapped in the belly of this horrible machine, and the machine is bleeding to death“ - hinter der bei Godspeed beschworenen Apokalypse steht aber immer auch die Hoffnung auf einen neuen Morgen.

Am selben Tag kann man mit Laurel Halo in den verdrehten Pop ihres Letztjahres-Meisterwerks „Dust“ eintauchen, oder bei der Performance „Medusa Bionic Rise“ des Kollektivs The Agency in einem Fitness-Parcours die Wieder-Erfindung und Propagierung eines neuen Zukunfts-Menschen zwischen Designerdroge und Selbstoptimierungs-Wahn erleben.

Godspeed You Black Emperor

David Visnjic / donaufestival

Godspeed You! Black Emperor

Scout Niblett wird mit ihrer messerscharfen Gitarre an ihren früheren Donaufestival-Gig, eines der zweifellos besten Konzerte, ja wirklich, aller Zeiten, anschließen, und die Schwergewichte des gewaltigen Bass-Grollens Justin Broadrick (aka Jesu oder JK Flesh) und Kevin Martin (aka The Bug) treffen mit ihrem gemeinsamen Projekt ZONAL auf die amerikanische Protestmusik-Göttin Moor Mother.

Eine besondere Doppelkonstellation ergibt sich außerdem aus der Zusammenarbeit von Daniel Lanois und Aaron Funk alias Venetian Snares. Ersterer ein renommierter Produzent, feinsinniger Soundflächen-Architekt für Menschen wie U2, Brian Eno oder Bob Dylan, letzterer kanadischer Breakcore-Berserker mit dem Wahnsinn in den Augen, haben die beiden vor Kurzem ein gemeinsames Album für die britische Label-Instanz Planet Mu angekündigt.

Die aus dem letzten Jahr bereits gut bewährte Dominikanerkirche im Zentrum von Krems wird auch heuer zur Festivalbühne. Das heimische Tanz- und Performance-Kollektiv Liquid Loft inszeniert dort mit der „Church of Ignorance“ eine babylonische Sprachverwirrung, bei der die Teilnehmenden zwischen Körpersprache und Sprachfetzen aus europäischen Sprachinseln, die als mp3s durch ihre sich bewegende Münder strömen, eine eigene Form der Verständigung suchen.

Ein Highlight im Musikprogramm ist der Auftritt der ägyptischen Musikerin Nadah El Shazly. Aus einer Vergangenheit zwischen Punk, Postpunk und einer Erziehung im deutschen Gymnasium in Kairo erwachsen bei ihr wundersame Klanggebilde zwischen arabischer Musiktradition, Free Jazz und experimenteller Impro-Elektronik.

Dem Freejazz hat sich auch Clubmusik-Freigeist James Holden verschrieben, der sowohl mit seinen bisherigen fantastischen Soloalben als auch mit seinem Label Border Community schon immer am Aufbrecher der Strukturen von Club-Traditionen interessiert war. Auf Holdens neuestem Werk „The Animal Spirits“ wandelt er gemeinsam mit seiner Band The Animal Spirits (mit Mitgliedern wie Etienne Jaumet oder Tom Page von Rocketnumbernine) auf den Spuren von spirituellem Jazz und Krautrock und findet dort zur tanzbaren Hypnose.

James Holden

Laura Lewis

James Holden

Aus Südafrika reist das Musik- und Performance-Duo FAKA zum Donaufestival, das den südafrikanischen Club-Hype der letzten Jahre Gqom mit exzentrisch-queerer Inszenierung, Noise, Pop und sogar verfremdetem Gospel-Soul kurzschließt.

Die Musik der US-amerikanischen Multimediakünstlerin Mhysa indessen entwickelt zwischen futuristischem R’n’B, dekonstruierter Clubmusik und der reservierten Kühle ihrer Stimme eine Faszination, die einen ebenso mitreißt wie auch auf Abstand hält.

Und dann wäre da natürlich noch die 8-stündige Freecore-Schiene des Donaufestivals, as waves go by, die die Gegenwart ins noch stärkere Makro-Objektiv fasst und bei der man am Abschlusstag noch auf Seelenheil und Katharsis hoffen darf.

In der seit letztem Jahr neu begründeten Theorieschiene des Donaufestivals treffen einander die beiden Musikjournalisten-Kaliber Jens Balzer und Simon Reynolds zum Gespräch; und wer dem Festivalteam sein komplettes Vertrauen schenkt, hat bei der täglichen, wegen großen Erfolgs wiederholten Überraschungs-Schiene des Donaufestivals „Stockholm Syndrom“ die Gelegenheit zu unerwarteten Erlebnissen.

Noch lange ist nicht alles gesagt, was zwischen blühenden Marillenbäumen in Krems passieren wird. Unter anderem darf noch die soziale Plastik „Passing through metal“ der israelischen Künstlern Oreet Ashery nicht unerwähnt bleiben. Die deutschen Post-Punk-Erneuerer Friends of Gas spielen hierbei in einem Raum voll 40 Menschen, die in kontemplatives Stricken versunken sind. Das verstärkte Klappern der Stricknadeln als verharren in einem friedlichen Moment trifft so also auf ein lautes Anschreien und Anspielen gegen eine feindliche Gegenwart.

Die permanente Multimedia-Installation „Premise Place (edit 1)“ von Ryan Trecartin und Lizzie Fitch in der Kunsthalle Krems stellt inzwischen Fragen nach Identität im Hyperkapitalismus aus Youtube-Tutorials und Trash-TV.

Zwischen babylonischer Sprachverwirrung, Fitness-Trainigscamp, zerhäckselter Clubmusik und elegischem Postrock, ägyptischer Experimentalelektronik und freigeistigem Jazz möchte man meinen, dass sich die Gegenwart ruhig ein bisschen in die Länge ziehen kann. Nur allzu bequem macht sie es uns nicht.

Die Tagesprogramme

TAG 1: 27. April 2018

Sound

  • Godspeed You! Black Emperor 
  • Laurel Halo 
  • Lightning Bolt
  • Lanark Artefax
  • Grouper
  • MOPCUT
  • DJ-Line: Inou Ki Endo
     
    Performance
  • The Agency: Medusa Bionic Rise
  • Kunstraum Niederoesterreich goes donaufestival
    uvm.


 
 
TAG 2: 28. April 2018

Sound

  • ZONAL & Moor Mother 
  • MHYSA 
  • Orson Hentschel 
  • Lotic
  • Nobody (Willis Earl Beal)
  • In My Talons
  • Umfang
  • DJ-Line: Nene Hatun

Talk

  • Jens Balzer im Gespräch mit Simon Reynolds:
    Absent Futures, Present Pasts - Temporalities
    Today’s Music
     
    Performance
  • The Agency: Medusa Bionic Rise
  • Liquid Loft: Church of Ignorance
    uvm.
Liquid Loft performance still

Chris Haring / Liquid Loft

Liquid Loft

TAG 3: 29. April 2018

Sound

  • The Space Lady
  • Demdike Stare LIVE AV w/Michael England
  • Gravetemple
  • EX EYE
  • Lawrence English
  • Daniel Lanois x Venetian Snares
     
    Performance
  • The Agency: Medusa Bionic Rise
  • Liquid Loft: Church of Ignorance
    uvm.
     
    Permanent: Art
  • Ryan Trecartin: Premise Place (edit 1) - Multimedia-Installation (Kunsthalle Krems)
Lizzie Fitch / Ryan Trecartin, Premise Place (edit 1) (2009)

Ryan Trecartin Courtesy Sammlung Goetz, München

Lizzie Fitch / Ryan Trecartin, Premise Place (edit 1) (2009)

TAG 4: 04. Mai 2018

Sound

  • Amnesia Scanner 
  • James Holden & The Animal Spirits
  • FAKA
  • Sote presents: Parallel Persia
  • Coby Sey
  • Lafidki
  • DJ-Line: DJ Angel
     
    Performance
  • Ryan Trecartin/Felix Rothenhäusler: The Re’Search
  • Barbis Ruder: CHANNELING #likemetoo
    uvm.

TAG 5: 05. Mai 2018

Sound

  • Nadah El Shazly
  • Manuel Göttsching
  • Pan Daijing
  • Perc
  • Philippe Halais
  • Jakuzi
  • Mouse on Mars: Dimensional People Ensemble
  • DJ-Line: Floriano. In Gedenken an Philipp L’Heritier
     
    Performance
  • Ryan Trecartin/Felix Rothenhäusler: The Re’Search
  • Rudi van der Merwe: Trophée
  • Barbis Ruder: CHANNELING #likemetoo
  • Oreet Ashery: Passing through Metals
    uvm.
     
     
    TAG 6: 06. Mai 2018

Sound

  • as waves go by (mit Justin Walter, Gosheven, Rotten Bliss, Chra, Big|Brave, Jon Silver, Mit Händen und Füßen)
  • Circuit des Yeux
  • Molly Nilsson
  • Big|Brave
  • Deerhoof
  • Friends of Gas
  • Matana Roberts & Kelly Jane Jones
  • Scout Niblett
     
    Performance
  • Rudi van der Merwe: Trophée
  • Oreet Ashery: Passing through Metals
    uvm.
     

Permanent: Art

  • Ryan Trecartin: Premise Place (edit 1) - Multimedia-Installation (Kunsthalle Krems)

Aktuell:

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