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Griller mit Fleisch drauf

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Mit Akzent

Was sind wohl „Ausländersachen“?

Egal wie lange wir in diesem Land leben, die Einheimischen erwarten von uns, dass wir „Ausländersachen“ treiben.

Von Todor Ovtcharov

J. seufzt und sagt: “Egal, wie viele Jahre ich in diesem Land lebe, egal, wie sehr ich versuche, nicht herauszustechen und wie die Mehrheit zu sein, ich bleibe für immer eine Ausländerin. Und die Einheimischen erwarten von mir, dass ich Ausländersachen treibe.” Ich denke nach, was laut den echten Bio-Österreichern wohl Ausländersachen sind.

An erster Stelle stehen da wahrscheinlich Probleme:

  • Dreck - als echter Ausländer muss man wohl immer Dreck erzeugen, dann ist man ein dreckiger Ausländer.
  • Seltsames Essen - egal, ob man aus Thailand oder aus Kroatien kommt, man erwartet von einem, dass man Insekten und Regenwürmer isst.
  • Verbrechen - man kann wohl Pazifist und ein Gandhi-Anhänger sein, aber es wird immer erwartet, dass man eine Pistole oder wenigstens einen Schlagring mithat.
  • Man trägt seltsame Kleidung - es muss keine Burka sein. Aber jeder, der keine Lederhose anhat ist ein verdächtiger Ausländer.
  • Man spricht mit einem unverständlichen Akzent - ich kenne einen Bulgaren aus Berlin, der alle deutschen Dialekte kann, von Sächsisch bis Kärntnerisch. Das Problem ist, dass er Bogdanov heißt. Dieses -ov verrät ihn immer.
  • Und schließlich: Ausländer jammern immer - Das heißt, sie kennen ihren Platz nicht. Wenn es ihnen nicht gefällt, dann sollen sie gefälligst verschwinden!

J. erzählt mir über ihre Nachbarn im 16. Bezirk. Ihre Lieblingsbeschäftigung sei es, in einem Auto zu sitzen (meistens in einem BMW) und laute deutsche Schlagermusik zu hören. Die, die nicht ins Auto passen, bleiben draußen und tanzen um das Auto herum. Da die Musik zu laut war, hat J. gebeten, die Musik ein bisschen leiser zu stellen. Die Antwort war: “Wenn es dir nicht gefällt, dann geh nach Hause, du dreckige Ausländerin!”

J. erzählt mir auch von einem Bekannten, der in einer winzigen Wohnung in Wien wohnte. Er wollte gerne ein Grillsteak essen. Er kaufte sich einen Griller und entschied sich, schnell in seinem Hinterhof zu grillen. Schon als er mit dem Griller auf den Hof kam, fühlte er sich beobachtet. Er erwartete, dass ihm jemand von oben etwas auf den Kopf schüttet. Und dass jemand danach wegen ihm die Polizei, die Feuerwehr, die Rettung und die Cobra holt.

Deswegen entschied er sich, doch nicht im Hinterhof zu grillen und nahm seinen Griller zur Grillzone auf der Donauinsel mit. Als er endlich da war, stellte er fest, dass er vor lauter Aufregung sein Steak zu Hause vergessen hatte. Er ließ seinen Griller da und fuhr schnell nach Hause, um das Steak zu holen. Als er wieder auf der Insel war, war sein Griller verschwunden. Er saß alleine da mit einem Steak in der Hand. Er fragte die Leute rundherum, ob sie jemanden gesehen hätten, der sich mit einem Griller entfernt hatte. Sie sagten, sie hätten niemanden gesehen, aber dass es wohl ein Ausländer gewesen sein müsse.

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