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Travis Scott

APA/AFP/Daniel LEAL-OLIVAS

Hiphop-Lesekreis

Travis Scott versteckt sich hinter dunklen Autoscheiben

Mit „Astroworld“ setzt Travis Scott einem abgerissenen Vergnügungspark in Houston ein akustisches Denkmal. Trotz privater Bande mit dem Kardashian-Klan wünscht sich Scott aber auch mehr Privatsphäre - der FM4 HipHop-Lesekreis analysiert.

Von Stefan „Trishes“ Trischler

Der Weg des Travis Scott führte über einige Umwege. Er wuchs recht behütet in der Vorstadt von Houston auf, verbrachte aber auch einige Jahre bei der Großmutter im nicht so idyllischen Viertel mit dem popkulturell aufgeladenen Namen South Park. Musik spielte in der Familie eine sehr große Rolle: Schon der Großvater war Jazz-Komponist, Vater und Onkel spielten Soul - und brachten auch dem großen DJ Premier Schlagzeug und Bass näher! Travis’ Traum, statt dem College die Rap-Musik zu seiner Karriere zu machen, wurde aber sehr skeptisch gesehen, und der junge Musiker musste sich nach seinem Studienabbruch zuerst in New York und dann in L.A. einige Monate ohne die gewohnte Unterstützung seiner Eltern durchschlagen.

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Zu seinem Glück wurden nach seinem ersten mit einem Freund gedrehten Video zuerst T.I. und dann Kanye West auf den gerade einmal 20-jährigen Musiker aufmerksam. Auf Wests Crew-Album „Cruel Summer“ durfte er dann nicht nur an einigen Beats mitarbeiten, sondern sogar einen Vers an der Seite seiner prominenten Kollegen kicken.

In der Folge färbte Scotts Stil hart auf Kanye West ab (ähnlich wie früher bei Rhymefest oder Kid Cudi), die verzerrten 808 Kicks und die Autotune-Experimente von Yeezus lassen sich zu einem guten Teil auf den Einfluss des jungen Producers zurückführen. Den Vokal-Effekt unserer Zeit hat Travis Scott nämlich auch mehr und kreativer eingesetzt als viele andere, und das hat spätestens nach dem großen Hit „Pick Up The Phone“ auch den Rest der HipHop-Welt stark verändert.

Der Titel des neuesten Albums „Astroworld“ ist eine Hommage an den gleichnamigen Vergnügungspark gegenüber dem Baseball-Stadion der Astros, der seit den 60ern ein wichtiger Platz für die Kids von Houston war, bis er 2005 abgerissen wurde. Seitdem erinnert nur ein braches Feld an den Spaß von früher. „It took the fun out of the city,“ sagt Travis Scott selbst, er will diesen wieder zurückbringen. Am Cover betritt man seine Astroworld aber durch einen vergoldeten Kopf - und Being Travis Scott ist eher keine leichte Komödie.

Die Dämonen, die ihn verfolgen, verschiedene Substanzen und natürlich die holde Weiblichkeit sind grob zusammengefasst die Themen auf „Astroworld“ - musikalisch in ein sehr schlüssiges und gut durchhörbares Klangkonzept gepackt. Das ist durchaus erstaunlich, da es eine Platte mit vielen Experimenten ist: Tame Impala dürfen da ebenso produzieren wie Hit-Boy oder WondaGurl, einen Gastauftritt von Drake gibt es ebenso wie von James Blake - und Stevie Wonder darf sogar seine geliebte Mundharmonika auspacken!

Dass ihm die Liaison mit Kylie Jenner aus dem Kardashian-Klan (und das daraus resultierende Baby Stormi) mehr Medien-Interesse von ungewohnter Seite eingehandelt hat, scheint ihn allerdings im Gegensatz dazu nicht sehr glücklich zu machen. Davon handelt auch der Song 5% Tint, der sich stark auf die Atlanta-Helden von Goodie Mob bezieht. Da wünscht sich Travis Scott nämlich verdunkelte Autoscheiben, die nur 5% des Lichtes durchlassen - in Österreich dürfte er das nur für den Rücksitz so handhaben.

Im HipHop-Lesekreis hat Astroworld zur Lagerbildung geführt: Natalie Brunner und Mahdi Rahimi sind sehr dagegen, Ole Weinreich und meine Wenigkeit mit Einwänden eher dafür.

FM4 HipHop-Lesekreis Travis Scott - 5% Tint

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