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Antilopen Gang beim FM4 Überraschungskonzert im Weekender Innsbruck

Christian Stipkovits

Überraschungskonzert

Laute Mittelfinger zum Abschluss

Schweiß, Euphorie und Wehmut mischten sich letzte Nacht im Weekender in Innsbruck. Der Club sperrt dieses Wochenende nämlich zu. Das FM4 Überraschungskonzert mit der Antilopen Gang war die vorletzte Show, und Koljah, Panik Panzer und Danger Dan erwiesen sich als würdige Abrissbirnen.

von Daniela Derntl

Mit dem goldenen Presslufthammer zerlegte die Antilopen Gang am 26. Mai den Weekender - und vor allem das Publikum. Der Schweiß tropfte von der Decke, im Moshpit und beim Crowdsurfen verloren Menschen ihre Stimme, ihre Schuhe, ihre Scham. Wer die Antilopen Gang kennt, kennt auch ihre frenetische Live-Energie, doch dieses Mal war das Level noch um einiges höher. Grund dafür war die mitgebrachte Punk-Band, die sich als ein weiteres starkes und wichtiges Glied im stolz ausgestreckten Mittelfinger der Band erwiesen hat. Die BesucherInnen freut’s!

Politische Kontroverse

Der Mittelfinger hat sich an diesem Abend auch gegen die FPÖ gerichtet, die das Antilopen Gang-Konzert am 10. Juni beim Linzer Bubbledays Festival torpedieren wollte. Grund dafür: die im Song „Baggersee“ herbei gerufenen „Atombomben auf Deutschland“. Daraufhin hat der Linzer SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger als Kulturvermittler im Gemeinderat agiert, den Song „Pizza“ im Plenum vorspielen lassen und gemeint, dass die FPÖ nicht alles als extremistisch bezeichnen solle, was ihnen nicht in den Kram passt. Und dass man sehr leicht erkennen könne, dass die Texte der Band sarkastisch und ironisch gemeint seien. Dem wiederum widerspricht die Antilopen Gang im FM4-Interview dezidiert:

„Tatsächlich hat der Linzer Bürgermeister gesagt, das könne man auch mit Ironie verstehen. Aber da hat er sich ein bisschen getäuscht. Also wir sind da eher auf Linie der FPÖ und sehen uns eher als Bedrohung und linksradikale Hass-Band.“

Dass sich jemand über den provokanten Text aufregen wird, war abzusehen. Dass es jedoch in Österreich und nicht in Deutschland passiert, hat die Band dann doch überrascht:

„Die Aufregung war erwartbar. Interessant ist, dass die Aufregung zuerst in Österreich kam. Die Österreicher sehen sich vielleicht einfach auch als Teil eines Großdeutschlands, zumindest die FPÖ, und fühlen sich direkt angesprochen, wenn eine Atombombe auf Deutschland fliegen soll. Aber wir haben uns über die Gratis-Werbung natürlich total gefreut. Wir haben da irgendwie Glück, dass da öfters Leute uns Promo-Kampagnen schenken, für die andere Leute mehrere tausend Euro an Agenturen zahlen.“

Eiter und Sekret

Ihren Hit „Beate Zschäpe hört U2“ hat die Antilopen Gang dann auch, quasi als Dank, der FPÖ gewidmet, und dass das Anti im Namen der Antilopen Gang total ernst zu nehmen ist, hat auch das Innsbrucker Publikum zu spüren bekommen. Häufig skandierte „Pizza“-Songwünsche wurden von Panik Panzer, dem „Fürst der Finsternis“, mit „Halts Maul“ quittiert, und den Inn bezeichnete er, der „Europameister im Triangelspiel“, als stinkende Plörre und kaltes, klares Abwasser: „Es bahnt sich seinen Weg, durch Eiter und Sekret“.

Das Publikum versteht die Witze der Antilopen Gang, die gegen Ende des Konzerts auch ihre ruhigere, gefühlvollere Seite zeigt. Besonders schön: Danger Dan alleine am Waldorf-Zarenbourg-Piano. Das Publikum quittiert seine „Richard-Clayderman’deske-Ballade“ von der Ölsardinenindustrie mit erhobenen Feuerzeugen, während „Tindermatch“ in einem atonalen Fußtrittgewitter verebbt.

Es folgt der „Enkeltrick“, den, laut Antilopen Gang, „die Polizei zu Schulungszwecken lizensieren wollte“, sowie der aktuelle Überhit „Pizza“. Das war dann eine einzige Raserei im Publikum, ein sich selbst knetender Teig im brennheißen Ofen, weiterbefeuert von einem Medley ganz alter Nummern, die die Band damals noch zu viert, mit ihrem verstorbenen Bandmitglied Jakob aka NMZS, produziert hat. Als allerletzte Nummer zerfickt dann „Fickt die Uni“ den Weekender.

Menschen taumeln, Schweißbäche stürzen, Gesichter strahlen. Ein würdiger Abschluss des Weekender-Clubs mit einer Band, die mit ihrer Mischung aus Punk-Rock und Hip Hop auch exemplarisch für die stilistische Bandbreite und Haltung steht, die der Weekender elf Jahre lang verfolgt hat. Danke dafür!

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