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Hände von einem Mann eine E-Gitarre spielend

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Money for nothing

Stoitscho will ein Rockstar sein. Rockstar hört sich viel sexier an, als Fliesenleger.

Von Todor Ovtcharov

Stoitscho kommt aus dem bulgarischen Städtchen Rakovski bei Plovdiv. Rakovski ist dafür bekannt, dass es dort eine katholische Minderheit gibt. Sogar der Papst hat Rakovski schon mal besucht. Die Menschen in Rakovski kommen sich deshalb irgendwie cooler vor, als der Rest von Bulgarien.

Seine Mutter ist Krankenschwester und sein Vater Fliesenleger. Stoitscho hat sich geschworen, nie Fliesenleger zu werden. Er spielt seit frühem Kindesalter Gitarre. Angefangen hat er als klassischer Musiker, damals spielte er Bach. Vielleicht, weil er ihn von der katholischen Kirche kennt. Seine Eltern schickten ihn nach Wien – eine Stadt bekannt für die klassiche Musik und ihre katholischen Kirchen.

Stoitscho fühlt sich gut mit der Gitarre. Sie steht ihm auch gut. Zuerst bemerkten das die Mädels. Nur standen sie weniger auf Bach. Also trennte sich Stoitscho von Bach. Stoitscho wurde ein Gitarrist, ein Rockstar, ein Hipster. Money for nothing, chicks for free...

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In Wien spielt Stoitscho in verrauchten Löchern mit fraglicher Reputation für miserablen Lohn. Seine Band hat einen Rapper aus Brooklyn. Funky hip-hop from Brooklyn to Rakovski. Der Rapper hat eine Garçonniere in Brooklyn geerbt, die er vermietet. Das erlaubt ihm ein cooler Rapper aus Brooklyn zu sein, der nie arbeiten muss. Er reist in der Welt herum. Stoitscho hat eine Wohnung in einem Plattenbau in Rakovski geerbt. Allerdings will sie niemand mieten, da niemand in Rakovski leben will. Stattdessen bekommt Stoitscho böse Emails von seinen Nachbarn, weil er nicht zu den Hausversammlungen erscheint, wo sie gerade eine Firma auswählen, die die Ratten vernichten soll. Seine Nachbarn glauben, dass Stoitscho ein viel zu cooler Rockstar aus Wien ist, dem die Ratten in Rakovski egal sind.

Um ein Rockstar sein zu können, arbeitet Stoitscho als Reinigungskraft, als Parkplatzwächter und als Flyerverteiler. Er schafft es irgendwie über die Runden zu kommen. Seine Eltern schicken ihm kein Geld mehr, seit sie erfahren haben, dass er Bach aufgegeben hat. Seine Mutter ruft ihn regelmäßig aus Rakovski an. Einmal kam sie unerwartet nach Wien und ging zu einem seiner Konzerte. Stoitscho sagt, dass er seine Mutter noch nie trauriger und enttäuschter gesehen hat, als nach diesem Konzert. Während die Fans applaudierten, weinte sie. Sie versuchte ihn nach Rakovski zurückzuholen. Sie sagte ihm: wenn er schon nicht in Wien Bach spielt, dann soll er wenigstens in der Kirche in Rakovski Bach spielen. Stoitscho umarmte seine Mutter und blieb in Wien.

Ich bin froh darüber. Stoitscho hat einen Traum. Sein Traum macht ihn glücklich. Die Fans seiner nicht so bekannten Band vergöttern ihn. Auf den Bühnen der verrauchten Löcher ist Stoitscho aus Rakovski größer als Keith Richards. Der Rapper aus Brooklyn rappt etwas, was niemand versteht. Stoitscho spielt Gitarre. Der Hausbesitzer aus Brooklyn hört auf zu rappen und Stoitscho spielt sein Solo. Keith Richards und Johann Sebastian Bach wären sicherlich stolz auf ihn.

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