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Szenenbild "Jurassic World: Fallen Kingdom"

UPI

Filmflimmern

Filmflimmern

Neu im Kino: „Jurassic Park: Fallen Kingdom“, „The Cleaners“, „Wildes Herz“, „Der Hauptmann“, „Swimming with Men“. Außerdem: Weinstein plädiert auf „nicht schuldig“, Woody Allen findet, er sollte der „poster boy von #metoo“ sein, Vorfreude auf „Suspiria“, Rückschau auf „Sex and the City“ und Hollywoods Angst vor der Vagina.

Von Pia Reiser

Jurassic World: Fallen Kingdom

Wie zu erwarten erfindet A.J. Bayona das Dinokino mit der fünften Ausgeburt aus dem „Jurassic Park“-Franchise nicht neu. Viel Rennen in freier Natur, viel Dinogebrüll. Diesmal müssen Chris Pratt und Bryce Dallas Howard die Insel-Dinosaurier vor einem Vulkanausbruch retten. Familienfreundliches Roar-Kino mit einigen CGI-Wow-Effekten. Christian Fuchs verleiht 6 von 10 monstrous roars.

The Cleaners

Sätze wie „Ich habe hunderte Köpfungen gesehen“ fallen in der österreichischen Dokumentation „The Cleaners“. Die Aufgabe sogenannter „content moderators“ ist es, sich die Beiträge - Bilder und Videos - anzusehen, die Facebook-User als „unangemessen“ melden. Der Großteil der „content moderators“ oder eben „cleaners“ lebt auf den Philippinen und muss sich täglich mit Videos, die Gewalt, Selbstmord, Folter oder Kinderpornographie zeigen, auseinandersetzen. Ca. 8 Sekunden hat jeder Cleaner, um sich zwischen „Ignore“ und „Delete“ zu entscheiden. Die Dokumentation nimmt einen mit auf eine dunkle Reise in die Welt der erschreckenden, digitalen Realitäten. Das Interview von Christoph Weiss mit den „The Cleaners“-Regisseuren Hans Block und Moritz Risewick ist noch via FM4 Player und in voller Länge als Podcast verfügbar.

Szenenbild "The Cleaners"

DOCS

Der Hauptmann

Regisseur Robert Schwendtke hat bisher recht formelhaftes Genrekino auf die Leinwand gebracht. Mit „Der Hauptmann“ bringt Schwendtke nun die wahre Geschichte des Soldaten Willi Herold ins Kino, der in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs die Uniform eines Hauptmanns findet, sie sich aneignet und eine Truppe an Soldaten um sich versammelt. Als die Gruppe, angeführt vom falschen Hauptmann, zu einem Konzentrationslager kommt, behauptet Herold, er habe Befehl, die Gefangenen zu exekutieren. Ein Schwarz/Weiss-Drama über die Struktur des Faschismus - mit Hang zur Groteske und zum Surrealen. Christian Fuchs verleiht 7 von 10 falschen Identitäten.

Szenenbild "Der Hauptmann"

Filmladen

Wildes Herz

Feine Sahne Fischfilet ist für ihr antifaschistisches Engagement ebenso bekannt und geliebt wie für ihre Songs, die zwischen Punk und Ska wobbeln. Die Doku „Wildes Herz“ ist alles andere als eine klassische Band-Doku, sondern vielmehr untersucht der Film den Rechtsruck Deutschlands. „Wildes Herz“ begleitet die Band auf einer Mobilisierungstour für die Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern 2016, tief in die deutsche Provinz und blickt zurück auf die Anfänge der Band. Die Doku ist auch ein Porträt von Monchi, dem Frontmann von Feine Sahne Fischfilet, dem Ex-Hooligan, der nun Songs linken Politikerinnen widmet. Ob man die Musik von Feine Sahne Fischfilet mag, ist komplett egal, „Wildes Herz“ ist ein Film über Engagement und die Kraft des politischen Potentials der Popkultur. Jan Hestmann hat Monchi zum Interview getroffen.

Szenenbild "Wildes Herz"

Polyfilm

Swimming with Men

Wenn Worte wie „warmherzige Sommerkomödie“ fallen, herrscht nicht nur Phrasenalarm, sondern man weiß auch genau, was auf einen zukommt. Gutgemeintes Progammkino-Futter für FreundInnen der bildungsbüergerlichen Toskanakomödie. Wenn dann noch „Ganz oder gar nicht in Badehosen“ im Pressetext steht, ist das quasi eh schon die Zusammenfassung des Films. In alter „Tante Charly“-Manier lässt der Film also Männer etwas an sich weiblich Konnotiertes machen. Hihihaha. Im Falle von „Swimming with men“ schließt sich ein Mann in der Midlife Crisis einer Synchronschwimm-Truppe an. Dann lieber gleich „Badende Venus“. Erika Koriska verleiht 4 von 10 solid underwater images.

szenenbild "Swimming with men"

thimfilm

Außerdem

  • Harvey Weinstein ist am 5. Juni erstmals vor Gericht erschienen - angeklagt wegen sexueller Übergriffe - und hat auf „nicht schuldig“ plädiert.
  • Weinsteins Arbeitsvertrag mit „The Weinstein Company“ kann man hier lesen. In dem 2015 aufgesetzten Vertrag findet sich auch eine Klausel dazu, wie sich Weinsteins „Fehlverhalten“ finanziell niederschlagen würde: “If your misconduct results in the company making an obligated payment to a person damaged by such misconduct, you will pay the company liquidated damages of $250,000 for the first such instance, $500,000, for the second such instance, $750,000 for the third such instance, and $1,000,000 for each such additional instance.”
  • Brian de Palma hat verkünden lassen, er schreibe bereits an einem Drehbuch zum Weinstein-Skandal; Genre: Horror.
  • Beeinflussen die Anschuldigungen gegen Schauspieler wie Kevin Spacey und Louis C.K unsere viewing habits? Nicht so sehr, wie man annehmen würde.
  • Woody Allen findet, er sei eigentlich der poster boy der #metoo-Bewegung, weil er noch nie eine Schauspielerin belästigt habe.
  • Eine erfreuliche Umkehr hat es in den letzten Jahren in Sachen Umgang mit Remake-Verkündungen gegeben: Jetzt wird nicht mehr automatisch die Heugabel gezückt und gebrüllt, dass an das Original ohnehin nie was rankommen kann, sondern man hat sich offenbar mit dem Gedanken angefreundet, dass auch bei einem Remake etwas Neues, Gutes, Visionäres rauskommen kann. Meine Netz-Blase explodiert täglich dreimal, weil ein neues Pixel aus Luca Guadagninos „Suspiria“ veröffentlicht wurde. Ein Film, mit dem wohl Dakota Johnson endgültig den Leder-&-Eiswürfel-Mief der „50 Shades“-Reihe abschütteln kann. Momentan wird auch gerätselt, ob Tilda Swinton in „Suspiria“ nicht nur Madame Blanc, sondern auch einen alten Mann spielt.
  • Vor 20 Jahren lief „Sex & the City“ zum ersten Mal im Fernsehen. Zeit für eine Rückschau. Genauso wichtig wie die jetzt besonnene Rückschau ist aber das Erinnern an die damalige Begeistertung, hier Pamela Russmanns Artikel aus dem Jahr 2001.
  • Als wärs aus einem Pumuckl-Fiebertraum, werden jetzt Tarantino und Pacino zum ersten Mal zusammenarbeiten.
  • Ein Billie Holiday Biopic ist in Vorbereitung, Regie soll Lee Daniels führen.
  • Mein potentiell neuer Lieblingsfilm ist „Tab & Tony“, JJ Abrams Film über die geheime Beziehung zwischen Schauspielern Anthony Perkins und Tab Hunter. Wenn sich jetzt bitte vielleicht Tom Ford zu einem Film über Cary Grant und Randolph Scott aufraffen könnte.
  • Do you feel the need for more speed? Ein „Top Gun“-Sequel wird auf uns zukommen und so wie es aussieht ist auch Val Kilmer mit dabei. Die legendäre Filmkritikerin Pauline Kael hat „Top Gun“ als „shiny homoerotic commercial“ beschrieben, der homoerotische Subtext war laut Drehbuchautoren nicht beabsichtigt, trotzdem ist es genau das, was „Top Gun“ in der Popkultur verankert hat. Hier ein schöner Text über „Top Gun and the End of the Homoerotic Action Movie“.
  • I’m on a boat: Die Renaissance aka Second Coming der McConaissance wird eventuell mit „Serenity“ eingeläutet. McCaunaughey als Kapitän eines Fischerboots, der von seiner Ex-Frau angeheuert wird, ihren Ehemann umzubringen.
  • Bisher unveröffentlichte Fotos von Andy Warhol gibts hier zu sehen.
  • Was hat John Waynes immer gleiche Art zu sprechen mit Daniel Day-Lewis in „There will be blood“ zu tun? Exzellenter Video Essay zu „vocal control in movies“.
  • Eines hat das europäische Kino Hollywood immer schon vorausgehabt: Keine Angst vor der Vagina!
  • Die grandiose Serie „The Americans“ ist letzte Woche zu Ende gegangen, mit einer letzten Folge, der wohl nur wenig andere Serien-Enden das Wasser oder besser: das Wässerchen reichen können. Der Anti-Showdown in Bestform. Lange Dialogszenen unter Höchstspannung. Hier nochmal die besten Verkleidungen der KGB-Spione aus „The Americans“.

Termine

Szenenbild aus "The Breakfast Club"

Universal

The Breakfast Club, am 14. Juni im Metro Kinokulturhaus

07.-10. Juni: Reaktor Indian Film Festival, Wien
06.-14.06: Nuovo Cinema Italia, Votivkino, Wien
08.06-14.06: Festival du film francophone, Leokino, Innsbruck
07.-17.06: Die Bibliothek im Film, Metro KinoKulturhaus, Wien
09.06: La Dolce Vita, Votivkino, Wien
08.06: FM4 Favourites: The Square, Volxkino, Karmelitermarkt, Wien
09.06: Dunkirk, Leslie Open, Graz
09.06: Logan Noir, Filmcasino, Wien
10.06: Truman Show, Kino am Dach, Wien
11.06: Interstellar, Science Fiction im Park, Bruno Kreisky Park, Wien
12.06: Aus dem Nichts, Leslie Open, Graz
12.06: The Breakfast Club, Metro Kinokulturhaus, Wien
12.06: The Life Aquatic with Steve Zissou, Filmcasino, Wien

In diesem Sinn: When you grow up, your heart dies („The Breakfast Club“)

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